14.12.2017

Schalke

Nur beim Torjubel heben die Königsblauen ab

Foto: firo

Die Königsblauen gehen bemerkenswert souverän mit dem Erfolg um. „Wir haben die zweitmeisten Punkte und sind damit die zweitbeste Mannschaft – aber es ist der 16. Spieltag“.

Christian Heidel überlegte nur einen ganz kurzen Moment, dann hatte er die passenden Worte gefunden. Es ging darum, die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga richtig einzuordnen: Ist Schalke jetzt, da die Tabelle die Königsblauen auf Platz zwei ausweist, auch schon wieder die zweitbeste Mannschaft der Bundesliga hinter den Bayern? Besser also als Leipzig oder Dortmund, stärker als Leverkusen oder Hoffenheim? Eine gefährliche Frage, auf die Heidel aber eine kluge Antwort gab.

„Die Tabelle lügt nie“, sagte Schalkes Manager und listete auf: „Wir haben die zweitmeisten Punkte und sind damit auch die zweitbeste Mannschaft.“ Doch im gleichen Atemzug wies er darauf hin, dass das alles nicht allzu viel zu bedeuten habe: „Es ist der 16. Spieltag, und alles kann sich leider Gottes am 17. Spieltag schon wieder ändern. Kaufen können wir uns nichts für den zweiten Platz, aber wir freuen uns trotzdem darüber.“

Christian Heidels Einschätzung steht exemplarisch dafür, wie souverän Schalke mit dem erfreulichen Tabellenbild umgeht, das sich nach dem schwer erkämpften 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg und vor dem letzten Hinrundenspiel am Samstag (15.30 Uhr) bei Eintracht Frankfurt für die Königsblauen auftut: Schalke ist freudig entspannt. Man darf ruhig mal darauf hinweisen, dass die Hinrunde bisher prima gelaufen ist. Und trotzdem hat man den Eindruck, dass sich keiner zu viel darauf einbildet. Diesen roten Faden sieht man beim Manager, beim Trainer und bei den Spielern.

„Ja“, sagt Bastian Oczipka: Schalke sei die zweitbeste Mannschaft der Liga, „wenn die Tabelle das so sagt.“ Der Mittelfeldspieler erklärt: „Wir sind die ganze Zeit schon oben dabei, waren Dritter, Vierter und sind jetzt eben Zweiter. Aber es hat uns nie wirklich interessiert, welche Platzierung wir haben. Wir haben immer gesagt, dass wir uns weiterentwickeln wollen.“ Diese Einstellung ist ihm wichtiger als der Blick auf die Tabelle.

Genauso ergeht es Daniel Caligiuri, der darauf hinweist, wie eng es in der Tabelle hinter den Bayern zugeht: „Da sind fünf, sechs Mannschaften, die mit einem oder zwei Siegen alle anderen überholen können. Wir müssen uns vor niemandem verstecken, wissen aber auch, dass wir an unseren Schwächen weiter arbeiten müssen. Stark sind wir nur, wenn wir hoch konzentriert bleiben und über 90 Minuten ackern.“ Das Spiel gegen Augsburg war für ihn die Bestätigung, dass Schalke zwar erfolgreich ist, aber noch nicht so souverän wie ein echtes Spitzenteam: „Es ärgert mich, dass wir Augsburg durch unser Nachlassen in der zweiten Halbzeit nochmal stark gemacht haben.“

Es ärgert mich, dass wir Augsburg durch unser Nachlassen in der zweiten Halbzeit nochmal stark gemacht haben.
Daniel Caligiuri

Schalke hatte nach der 2:0-Führung (Di Santo, Burgstaller) total den Faden verloren und innerhalb von einer Viertelstunde durch Tore von Caiuby und Gregoritsch den Ausgleich kassiert. Trainer Domenico Tedesco ging aber selbst mit diesen Turbulenzen sachlich um und erklärte sie mit einer taktischen Umstellung der Augsburger, mit der seine Mannschaft Probleme gehabt habe: „Der Gegner hat nach unserem 2:0 seine Pressinglinie erhöht – die Augsburger haben uns früher angegriffen, und dann ist es schwieriger, die Kontrolle so wie im ersten Durchgang zu behalten. Uns fehlte der Ballbesitz. Wenn wir die Bälle lang nach vorne schlagen, müssen wir sie dort festmachen, aber sie kamen zurück wie ein Jojo.“

Zum Glück gab es für Schalke noch den Elfmeter, den der seit Wochen beeindruckend starke Caligiuri zum 3:2-Siegtreffer verwandelte: So konnte Tedesco gelassen auf die noch offenkundigen Defizite hinweisen, ohne dass diese Schalke Punkte gekostet hatten.

Tedesco urteilt ohne die Tabelle
„Wenn wir heute sagen würden: Wir haben gewonnen – alles ist gut, dann wäre es fatal“, erklärte Schalkes Trainer. Was er damit zum Ausdruck bringen wollte: Er möchte sich bei der Beurteilung der Spiele „von der Tabelle lösen“ – im Erfolg wie im Misserfolg. Das Gleiche würde auch nach einem 2:2 gegen Köln gelten – „auch da wäre es fatal, wenn wir danach sagen würden, dass alles schlecht gewesen ist.“ Tedesco interessieren tatsächlich mehr die Spiele als die Tabelle, über deren Aussagekraft er schon zu Beginn der Saison gesagt hat: Man bekommt dort das, was man verdient hat.

Aktuell also einen schönen zweiten Platz ohne die Gewähr, dass das auch so bleibt. Und deswegen sagte Heidel auch noch etwas, als er die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga richtig einordnete: „Wir wollen jetzt nicht so viel Schulterklopfen.“

Autor: Manfred Hendriock

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