23.11.2017

Derby

Schalke ignoriert die BVB-Krise

Foto: firo

Platz zwei und drei Punkte vorn – aber Domenico Tedesco und Christian Heidel bleiben bescheiden. Denn sie wissen: Der Trainer des Gegners hat Schalke schon mal aufs Kreuz gelegt.

. Am Montagmorgen hat Domenico Tedesco Brötchen für die Familie geholt. An seinem Wohnort in Herten, im Schalke-Territorium also. „Die Leute da sind immer freundlich zu mir, aber im Moment ganz besonders“, erzählt der Trainer des FC Schalke 04 und lächelt wissend. Er wird am Samstag sein erstes Revierderby erleben – mit allem, was dazugehört: Volle Hütte in Dortmund, enorme Anspannung, hohe Erwartungen und eine einzigartige, aufgeheizte Atmosphäre. „Aber keine Sorge“, sagt Sportvorstand Christian Heidel, „es wird niemanden in der Mannschaft geben, der sagt: Der Trainer weiß doch gar nicht, was ihm da blüht.“

Tedesco ist vorbereitet auf dieses Ereignis – und zwar seit seinem ersten Arbeitstag auf Schalke. „Viele Fans haben mir schon vor Saisonbeginn gesagt: Trainer, Hauptsache, du gewinnst das Derby!“, sagt Tedesco und lächelt erneut. Er hat ja auch wirklich Grund zu guter Laune. Seine Mannschaft wirkt stabil, sie entwickelt sich, sie liefert die erhofften Ergebnisse. Der aktuelle Zwischenstand ist beachtlich: Schalke 04 steht auf Platz zwei – drei Punkte vor Dortmund.

Vor wenigen Wochen haben doch noch alle gefragt: Wie will man diese Mannschaft stoppen?
Domenico Tedesco über Borussia Dortmund

„Dortmund hat einen Vorsprung“
Daraus zu folgern, sein Team wäre auch angesichts der bedrohlichen Lage des Revier-Rivalen am Samstag der Favorit im 151. Derby, käme Domenico Tedesco aber nicht in den Sinn. „Borussia Dortmund hat sehr gute Spieler“, betont er. „Vor wenigen Wochen haben doch noch alle gefragt: Wie will man diese Mannschaft stoppen?“

Christian Heidel beurteilt Lage und Chancen genauso. Auch er sieht keinen Anlass für Übermut. „Es wäre schlimm, wenn wir versuchen würden, die Euphorie bei unseren Anhängern zu kappen“, sagt er. „Aber wichtig ist, dass wir komplett realistisch bleiben.“

Heidel hat in den vergangenen Tagen wiederholt das Wort Wachablösung gehört und gelesen – auch, weil Aufsichtsratschef Clemens Tönnies in einem Kicker-Interview den Wunsch äußerte, langfristig den BVB überholen zu wollen. Die aktuelle Tabelle aber will Heidel keinesfalls überbewerten: „Borussia Dortmund hat sich aufgrund der erfolgreichen letzten Jahre einen großen Vorsprung erarbeitet, das müssen wir respektieren”, betont der 54-Jährige. „Aber das heißt nicht, dass wir uns nicht darum kümmern, Schalke 04 nach vorne zu bringen.”
Allein darum geht es ihm: um das Wohl seines Klubs. „Wenn Schalke am Ende unter den ersten Vier steht, dann freuen wir uns – selbst wenn Dortmund einen Platz über uns stehen sollte.”

Erinnerungen an das Spiel bei Ajax
Von einer Krise beim BVB will auch Heidel nichts wissen: „Wenn die Dortmunder einen Sahnetag haben, dann wird es sehr, sehr schwer für uns.“ Er will, dass seine Schalker am Samstag wachsam bleiben: „Dieses Derby bietet den Dortmundern auch eine Chance. Sie können mit einem Spiel alles in eine gute Richtung bringen. Vielleicht würde man dann in ein paar Wochen sagen: Das war die Wende. Aber genau das wollen wir verhindern. Nicht, um Dortmund zu schaden, sondern um hier viele Menschen glücklich zu machen.”

Schalkes Fans erhoffen sich, dass sich das bisher zu wenig abgesicherte Offensivsystem des BVB-Trainers Peter Bosz auch im Derby knacken lässt. Heidel aber zieht eine Augenbraue hoch und erinnert an den Viertelfinal-K.o. in der Europa League im April gegen Amsterdam: „Das 0:2 im Hinspiel bei Ajax war die schlimmste Niederlage in meiner Zeit auf Schalke“, sagt er.

„Ich habe uns noch nie so chancenlos gesehen wie dort. Wir haben das System von Peter Bosz damals in einer perfekten Art und Weise zu spüren bekommen. Auch Borussia Dortmund darf den Anspruch haben, dieses System perfekt umzusetzen. Aber dieser Prozess läuft noch.“
Kurze Pause, dann fügt Heidel hinzu: „Zum Glück.“

Autor: Thomas Tartemann, Peter Müller

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