01.11.2017

BVB

1:1 gegen Nikosia stürzt Dortmund tief in die Krise

Foto: firo

Nach dem 1:1 gegen Nikosia sind die BVB-Chancen aufs Weiterkommen in der Champions League sind nur noch höchst theoretischer Natur.

Und plötzlich war es still im Stadion von Borussia Dortmund – bis auf jenes Eck, in dem jene der 64509 Zuschauer standen, die es mit Apoel Nikosia hielten, untergebracht waren. Die nämlich hatten völlig unverhofft etwas zu feiern: Mickael Poté hatte in der 51. Minute getroffen, hatte die Dortmunder Führung durch Raphael Guerreiro egalisiert – und dafür gesorgt, dass die Debatten der vergangenen Wochen um den BVB deutlich an Lautstärke zunehmen dürften. Denn die Chancen aufs Weiterkommen in der Champions League sind nur noch höchst theoretischer Natur, und selbst um Gruppenplatz drei und den damit verbundenen den Einzug in die Europa League muss der BVB nun bangen.

Dabei hatten die Gastgeber die Partie von Beginn an unter Kontrolle gebracht, sich die Bälle kontrolliert zugespielt und keine Angriffe der Gäste zugelassen. Zwar war das Angriffsspiel immer noch recht statisch, gegen die biederen Zyprer aber reichte es, um sich erste Gelegenheiten herauszuspielen. Doch die Distanzschüsse von Mario Götze (6.) und Pierre-Emerick Aubameyang (9.) wehrte Apoel-Torhüter Nauzet Perez ab, Julian Weigls Versuch aus 20 Metern ging deutlich zu hoch.

Vor allem über die Außenpositionen erspielte sich Dortmund Gelegenheiten, Guerreiro machte bei seinem Startelfdebüt viel Betrieb über die linke Seite. Seine Flanke bugsierte Shinji Kagawa über das Tor (10.), wenig später scheiterte Christian Pulisic mit dem Fuß (11.) und der aufgerückte Ömer Toprak mit dem Kopf (14.) aus kurzer Distanz an Nauzet.

Danach aber verflachte die Partie. Nikosia hatte sich in der Defensive nun auf die Dortmunder eingestellt, nahm die Kreativspieler in Manndeckung und hielt den Ball so vom eigenen Tor fern. Und den Hausherren fiel gegen diesen einfachen taktischen Kniff erneut wenig ein, es fehlte an Positionswechseln, es fehlte an schnellen Pässen, es fehlte an überraschenden Laufwegen, die das Abwehrbollwerk hätten aufreißen können – bis zur 29. Minute: Da spielte Julian Weigl einen Steilpass auf Kagawa, der mit einer Berührung durchsteckte auf Raphael Guerreiro. Und der behielt allein vor dem Tor die Nerven und schoss zum 1:0 ein.

Es war ein Treffer, der den Dortmundern zusätzliche Sicherheit zu geben schien, sie drängten nun auf einen weiteren Treffer. Doch Kagawas Schuss wurde geblockt (32.), Nauzet klärte mit höchster Risikobereitschaft vor Aubameyang und Pulisic (37.), Aubameyang zog seinen Fallrückzieher aus spitzem Winkel am Tor vorbei (38.) – und vergab danach die ganz große Chance auf das 2:0, als er einen zu kurzen Fehlpass erlief, den Ball aber allein vor dem Tor deutlich vorbeischaufelte (39.).

Nikosia schoss bis zur Pause nicht einmal in Richtung des Dortmunder Tors – und hätte doch um ein Haar den Ausgleich erzielt. Doch der zurückgeeilte Maximilian Philipp grätschte eine Flanke eben noch vor dem einschussbereiten Nektarios Alexandrou weg (41.).

Dass die Dortmunder Sicherheit eine trügerische war, zeigte sich aber kurz nach der Pause: Marc Bartra spielte einen Fehlpass und wurde dann überlaufen, über Carlao kam der Ball zu Poté, der Ömer Toprak allzu leicht abschüttelte und per Drehschuss zum 1:1 traf (51.). Es folgte Dortmunder Anrennen mit viel Wut, aber wenig Struktur. Topraks Kopfball klärte Ghayas Zahid von der Linie (63.), Philipps Volley hielt abermals Perez (64.) und Aubameyang traf per Kopf nur die Latte (77.).
Zum schwachen Vortrag kam nun Pech – und so blieb es beim 1:1, das den BVB endgültig tief in die Krise rutschen lässt.

Autor: Sebastian Weßling

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