21.10.2017

Schalke

Der lange Weg der Verbesserungen

Foto: firo

Die Königsblauen haben sich in der Spitzengruppe festgebissen. Trainer Tedesco sieht noch keinen Anlass zu Jubelstürmen.

Schalkes Trainer Domenico Tedesco spricht oft von Vertikalität. Im Training kommt das Wort bei ihm häufig vor. Und auch nach Bundesliga-Spielen taucht der Begriff im Wortschatz des 32-Jährigen auf. Tedesco meint damit risikoreiches Aufbauspiel mit dem Zweck, möglichst schnell eine Torchance zu kreieren.

Beim 2:0 (1:0)-Heimsieg über Mainz 05 deutete Schalke diese Vertikalität an, setzte sie aber aus Trainer-Sicht nur unzureichend um. „Wir haben nicht immer die Situation erkannt, hinter die Mainzer Abwehrkette zu kommen. Daraus müssen wir lernen. Wir wollen in Zukungt aus unserem Ballbesitz mehr Kapital schlagen.“

Trotzdem reichte es, um rund 60000 Schalke-Fans mit einem guten Gefühl nach Hause zu schicken. Kurz vor dem Abpfiff durch Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die erstmals auf Schalke ein Spiel leitete und dabei keine Probleme hatte, schwappte sogar ausgelassen die La Ola durch die Veltins-Arena.

Die Vielzahl der S04-Fans sind nach dem schwachen letzten Jahr, als die Königsblauen desillusioniert auf Platz zehn landeten, sehr angetan vor der Art, wie das Team jetzt Fußball spielt und arbeitet. Amine Harit, der quirlige Neuzugang aus Nantes, verzückt das Publikum immer wieder mit Tricks und Tempodribblings, auch wenn er es mitunter übertreibt und den Zeitpunkt des optimalen Torabschlusses gerne mal verspielt verstreichen lässt. Harit wurde bei seiner Auswechslung gegen Mainz trotzdem mit stehenden Ovationen verabschiedet. „Ihm gelingt nicht alles, aber die Leute mögen seine Spielweise und verzeihen ihm auch, wenn mal eine Aktion nicht klappt“, sagt Direktor Sport Axel Schuster.
Leon Goretzka brachte Schalke mit einem feinen Lupfer über FSV-Torwart Rene Adler in Front (13.). Guido Burgstaller setzte das 2:0 mit einem Abstauber drauf (73.). Schalke steht mit 16 Punkten nach neun Spielen deutlich besser da als vor Jahresfrist. Da steckte der Malocher-Klub mit acht Zählern noch im unteren Mittelfeld fest.

Wir dürfen überall verlieren – nur nicht in Wehen Wiesbaden. Das geht gar nicht
Christian Heidel

Unter Neu-Trainer Tedesco, der stark auf Kommunikation setzt und Profis, die nicht in der Startelf oder gar im 18er-Kader stehen, seine Entscheidung plausibel erklärt, wirkt Schalke griffiger, hungriger, organisierter, beseelter. Als Burgstaller das 2:0 gegen Mainz erzielte, rannte Torwart Ralf Fährmann wie schon beim Auswärtssieg in Berlin über 100 Meter aus seinem Kasten, um dem Torschützen zu gratulieren. Ein Beleg dafür, dass bei Schalke keine Ich-AGs unterwegs sind, sondern eine echte Einheit für gemeinsamen Erfolg schuftet.

„Disziplin“, sagt Sportvorstand Christian Heidel, „ist auf dem Feld das A und O. Es ist beeindruckend, wie die Mannschaft den Plan unseres Trainers umsetzt.“ Schalke ist unter Tedesco auf Kurs, aber noch lange nicht am Ziel. „Unser Weg“, sagt der neue Trainer mit realistischer Einschätzung, ist noch weit.“ Am Dienstag (18.30 Uhr, Brita-Arena) führt der nächste Weg zunächst nach Wehen Wiesbaden. Der Tabellenvierte der 3. Liga wartet in der 2. Runde des DFB-Pokals auf die Königsblauen. Die Hessen wirken gut präpariert und gewannen ihre Generalprobe bei den Würzburger Kickers 5:0. „Wir dürfen überall verlieren – nur nicht in Wehen Wiesbaden. Das geht gar nicht“, stellt Christian Heidel fest. Als Ex-Mainzer besitzt das Spiel für ihn besonderen Charakter. Für Schalke ist es nur eine Pflichtaufgabe auf dem weiteren Weg der Verbesserungen.

Autor: Thomas Tartemann

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