20.10.2017

Schalke

Der gute Weg der kleinen Schritte

Foto: Firo

Schalke kann mit einem Sieg heute gegen Mainz auf einen Platz für die Champions League klettern. Von großen Sprüngen träumt aber noch keiner.

Leon Goretzka ist „nicht der Typ, der jede Woche auf die Tabelle guckt“ – sagt er jedenfalls. Es ist also nicht davon auszugehen, dass er sich allzu ausgiebig mit der Chance beschäftigt hat, die Schalke 04 an diesem Freitagabend (ab 20.30 Uhr) besitzt: Mit einem Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 würden die Königsblauen zumindest bis zum Samstagabend in der Tabelle auf einen Champions-League-Platz klettern. Auch wenn sich Schalke dafür am neunten Spieltag noch nichts kaufen könnte, so wäre es doch eine Bestätigung dafür, dass Domenico Tedesco mit seiner Mannschaft auf einem guten Weg ist.

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Die Aussichten sind mittlerweile tatsächlich wieder vielversprechend, und das liegt – auf das aktuelle Spiel bezogen – an mehreren Dingen: Zuletzt stimmte die Form, denn beim 2:0-Sieg in Berlin bot Schalke eine kluge Leistung gegen einen defensiv gut organisierten Gegner – eine ähnliche Aufgabe ist auch gegen Mainz zu erwarten. Personell gibt es keine größeren Sorgen, weil bis auf den weiter verletzten Matija Nastasic und den erkrankten Pablo Insua alle Mann an Bord sind. Und außerdem hat Schalke gegen Mainz eine ganz erstaunliche Bilanz aufzuweisen: Wenn beide Mannschaften in der Hinrunde aufeinander trafen, hieß der Sieger tatsächlich immer S04.

Bremsen muss man da nicht, wohl aber darf man darauf hinweisen, dass die drei Punkte Schalke trotz allem an diesem Freitag nicht von alleine in den Schoß fallen werden. Genau das tut Trainer Domenico Tedesco, indem er sagt: „Mainz ist aggressiv und beherrscht unterschiedliche Systeme – das ist eine Mannschaft, die ekelig sein kann.“ Doch das war die Hertha vor einer Woche auch.

Schalke blickt also langsam wieder nach oben, macht das aber mit Augenmaß. Wenn man Manager Christian Heidel darauf anspricht, dass Schalke den Europapokal-Rängen wieder näher kommt, dann sagt er zunächst einmal zufrieden: „Wie hier gearbeitet wird, ist so, wie ich mir das vorstelle.“ Erst dann erklärt er, was die Rückkehr in den Europapokal für Schalke bedeuten würde: „Natürlich wollen wir uns, wenn es machbar ist, irgendwie wieder für den internationalen Wettbewerb qualifizieren – aber der wirtschaftliche Unterschied besteht in erster Linie zur Champions League.“

Die Europa League würde Schalke rund zehn Millionen einbringen – ein Betrag, der im heutigen Fußball-Geschäft kein Quantensprung mehr ist. Erst die Champions League mit ihren mindestens 30 Millionen Euro würde Schalke wieder näher an diejenigen heranbringen, die am ganz großen Rad drehen können. Womit eingeordnet ist, dass es zumindest ein schönes Gefühl wäre, mit einem Heimsieg gegen Mainz an diesem Freitag wenigstens vorübergehend mal wieder in diesem Zusammenhang genannt zu werden.

Wolfsburg ist wie Weihnachten

Aber Schalke will eines nach dem anderen in Angriff nehmen, und dazu gibt es zwei schöne Einschätzungen. Die erste stammt von Leon Goretzka, der nicht auf die Tabelle blickt, sondern nur auf die Form: „Wir wollen einfach in jedem Spiel ein gewisses Niveau halten und nicht mehr diese Aussetzer haben, die wir in den vergangenen Jahren hatten – wo wir uns nach dem Spiel manchmal gefragt haben, was wir da wieder gemacht haben. Das ist uns bis jetzt sehr gut gelungen.“

Die zweite Aussage stammt vom Trainer, der fast erschrocken reagiert, wenn er damit konfrontiert wird, dass Schalke ja jetzt nicht nur ein Heimspiel gegen Mainz vor der Brust hat, mit dem man sich oben festbeißen könnte, sondern nächste Woche gegen Wolfsburg sogar noch ein zweites hinterher. Tedesco darauf: „An Wolfsburg denken wir jetzt so viel wie aktuell an Weihnachten – auch wenn es in den Läden schon Dominosteine gibt.“

Autor: Manfred Hendriock

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