02.10.2017

BVB

Gute Miene zum schlechten Spiel

Foto: firo

Beim 2:1 in Augsburg liefert Borussia Dortmund die schwächste Saisonleistung ab. Trotzdem deuten die Spieler das Ergebnis als positives Signal für den Titelkampf.

Albert Capellas betrat den Innenraum des Augsburger Stadions und bog zielstrebig nach links ab. Der Co-Trainer von Borussia Dortmund hatte schon fast die Kabinentür erreicht, da rief Torwarttrainer Teddy de Beer nach ihm – und verhinderte, dass der Spanier in der Kabine des FC Augsburg landete. Capellas grinste, machte kehrt und war wenig später am korrekten Ziel angekommen.

Ähnlich wie ihrem Co-Trainer war es in den 90 Minuten zuvor den Spielern des BVB ergangen. Gerade in der zweiten Halbzeit wirkten die Dortmunder erstaunlich orientierungslos, wenig gelang ihnen – und doch stand am Ende ein 2:1 (2:1)-Sieg.

„Das war sicher nicht unser bestes Saisonspiel“, meinte Sportdirektor Michael Zorc. „Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir unser Spiel nicht durchbringen können und unsere Linie verloren.“ Noch deutlicher wurde Trainer Peter Bosz: „Das Spiel war das schlechteste, seit ich hier beim BVB bin“, sagte er völlig zurecht. „Wir haben in der ersten Halbzeit keinen guten Fußball gespielt und in der zweiten gar keinen mehr.“

Ansätze von Offensivspiel

Vor der Pause waren noch hin und wieder Ansätze von jenem funkelnden Offensivspiel zu sehen, das die Dortmunder an die Tabellenspitze gebracht hat. Andrey Yarmolenko traf per Hacke (4.) und Shinji Kagawa mit einem wunderschönen Schlenzer nach blitzschneller Kombination über Pierre-Emerick Aubameyang und Yarmolenko (23.). Nur das Gegentor zum zwischenzeitlichen 1:1 durch Caiuby (10.) trübte das Bild.

Nach der Pause aber verloren die Schwarz-Gelben völlig den Faden. Augsburg operierte vor allem mit langen Bällen – und statt diesen ein gepflegtes Kurzpassspiel entgegenzusetzen, schlug auch der BVB seine Bälle nur noch irgendwie nach vorne. „Aber das ist das Augsburger Spiel, das können sie besser als wir“, sagte Zorc. „Wir haben es versäumt, die Bälle mal länger in unseren Reihen zu halten und konstruktiv nach vorne zu spielen.“

„Wir waren müde“

Obwohl Trainer Bosz fünf frische Spieler in die Startaufstellung rotiert hatte, war der körperliche Verschleiß unübersehbar. „In der zweiten Halbzeit waren wir müde, haben viele zweite Bälle verloren“, erklärte Abwehrchef Sokratis.

Dennoch hätte der BVB das Spiel deutlich stressfreier über die Bühne bringen können. Torjäger Aubameyang vergab gleich vier Gelegenheiten, bei denen nur strittig war, ob sie als hundertprozentige oder doch als tausendprozentige Chancen zu bezeichnen waren. Negativer Höhepunkt: der Elfmeter, den er in die Arme von Augsburgs Torhüter Marvin Hitz löffelte. Der Stürmer wollte im Anschluss nicht sprechen, dafür nahmen ihn Mannschaftskollegen und Vorgesetzte unisono in Schutz „Er hatte heute einen schwarzen Tag“, urteilte Zorc. „Aber er hat uns schon viele Spiele gewonnen, von daher ist alles okay.“

Dass es trotz offensiver Unzulänglichkeiten und einiger guter Augsburger Chancen zum knappen Sieg gereicht hatte, deuteten die Spieler positiv: „Wenn wir in den letzten Jahren schlecht gespielt haben, haben wir meistens verloren“, sagte Sokratis – anders als die Bayern. Dass man nun trotz schlechter Leistung gewonnen habe, mache Hoffnung im Titelrennen. „Ich denke, dass es einen ernsthaften Kampf um die Meisterschaft geben wird.“

Dreckige Siege als neue Dortmunder Qualität? Das ging dann auch den BVB-Verantwortlichen etwas zu weit. „Ich hoffe nicht, dass das eine Qualität von uns wird“, sagte Bosz. „Wir haben heute auch Glück gehabt, das müssen wir ehrlich sagen. Wir hätten zwar noch zwei, drei Tore erzielen können, aber wir hätten auch welche kassieren können.“

Nach dem 1:3 gegen Real Madrid war das Spiel in Augsburg der zweite schwache Auftritt in Folge, erneut bemängelte Sokratis die fehlende Energie der Mannschaft. Der BVB geht also als Tabellenführer, aber nicht frei von Sorgen in die Länderspielpause. Es sind allerdings Sorgen, die alle anderen Bundesligavereine gerne hätten.

Autor: Sebastian Weßling

Kommentieren

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken