Weston McKennie - das Zweikampfmonster

26.09.2017

Schalke

Weston McKennie - das Zweikampfmonster

Foto: firo

US-Boy Weston McKennie ist auch beim American Football klasse. Aber weil er als Kind in Deutschland lebte, lernt ihn jetzt die Bundesliga kennen

Wenn man auf Schalke intern über Weston McKennie spricht, dann fällt manchmal der Name Michael Ballack. Weil seine Spielweise ein klein wenig an die des früheren Nationalmannschafts-Kapitäns erinnert. Noch lieber erzählt man sich auf Schalke aber die Geschichte vom permanenten Heißhunger des 19 Jahre alten US-Boys, der einfach nicht satt zu kriegen sei: „Er ist immer mit der Erste am Buffet“, verrät Kapitän Ralf Fährmann.

Weston McKennie vermisst in Deutschland das amerikanische Essen, hier gebe es nur Schnitzel, Bratwurst, Döner und Pasta, hat er dem Vereinsmagazin „Schalker Kreisel“ augenzwinkernd gesagt. Sonst vermisst er in Deutschland nichts: In den vergangenen zwei Spielen stand der Mittelfeldspieler sogar in der Schalker Start-Elf. Die Karriere von Weston McKennie nimmt Fahrt auf.[infobox-right]
Weston McKennie ist gut mit seinem Landsmann Christian Pulisic befreundet, der bei Schalkes Revier-Rivalen Borussia Dortmund spielt. Beide kennen sich aus den Jugend-Nationalmannschaften. Auch Pulisic wollte Schalke einst verpflichten, doch da war der BVB schneller.
Auf Schalke gibt es neben McKennie noch zwei weitere US-Amerikaner: Außenstürmer Nick Taitague aus der U19 und Mittelstürmer Haji Wright, der derzeit an den Zweitligisten SV Sandhausen ausgeliehen ist, in der kommenden Saison aber wieder für Schalke spielt.[/infobox]

Dass es den in Little Elm (USA) geborenen Texaner überhaupt nach Schalke verschlagen hat, ist ein Stück weit auch dem Zufall zu verdanken. Denn eigentlich spielte Weston McKennie als kleiner Junge in den Staaten am liebsten American Football. Doch als er sechs Jahre alt war, wurde sein Vater John als Soldat nach Deutschland versetzt; die McKennies zogen nach Otterbach in der Nähe von Kaiserslautern. Hier gab es kein Football-Team für den kleinen Weston, und so begann er mangels Alternativen mit dem Fußballspielen. „Damals“, erzählt McKennie , „damals wusste ich noch gar nicht, dass Fußball überhaupt ein Sport ist.“ Jetzt ist er Fußball-Profi und steht vor einer vielversprechenden Karriere.

Drei Jahre lebte Weston McKennie als Kind in Deutschland: In dieser Zeit lernte er nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch das Fußballspielen. Nach seiner Rückkehr in die Staaten blieb er am Ball und spielte einige Zeit sogar Fußball und American Football parallel – beim Football ist er ein Running Back. Irgendwann musste er sich entscheiden, und der Fußball hatte spätestens in dem Moment gewonnen, als die Schalker auf das Talent in Amerika aufmerksam wurden: „Ich wusste, dass das eine riesige Chance ist“, erzählt McKennie. Er hatte das Fußballspielen in Deutschland gelernt und wollte ohnehin irgendwann dorthin zurückkehren – und Schalke war am Schnellsten. Mit 18 Jahren wechselte er in die Knappenschmiede zu Norbert Elgert, ein knappes Jahr später in die Bundesliga zu Trainer Domenico Tedesco.

Hier traut man dem dynamischen und zweikampfstarken Mittelfeldspieler schon in dieser Saison den Sprung in die erste Elf zu – vor einer Woche beim Spiel gegen die Bayern stand er zum ersten Mal in der Bundesliga in der Start-Elf, vier Tage später bekam er gegen Hoffenheim erneut das Vertrauen. Beide Male saß die Familie zu Hause in Dallas vor dem Fernseher und fieberte mit – die McKennies haben sich in Amerika extra ein Pay-TV-Abo gekauft, um den Sohn in der deutschen Bundesliga spielen zu sehen: „Meine Familie ist eigentlich keine große Fußball-Familie, sie kennt nicht solche Spieler wie Arjen Robben oder Robert Lewandowski“, erzählt Weston McKennie: „Aber sie sieht, dass ich jetzt in der höchsten Liga mitspiele, und darauf sind alle

Die Familie des 19-Jährigen kommt aus einfachen Verhältnissen, der Vater wuchs in Florida in einem Ghetto auf. Der Sohn hat es jetzt in die Bundesliga geschafft.

Auch Weston McKennie ist „richtig stolz“ darauf, was er bisher hier erreicht hat: „Aber ehrlich gesagt wäre ich noch mehr stolz, wenn wir unsere Spiele auch gewinnen.“ Nach den beiden Niederlagen zuletzt gibt’s am Freitagabend in der Arena gegen Leverkusen die nächste Chance. Wenn McKennie darf, will er alles einbringen, was er hat, und das ist vor allem Energie und Dynamik. „Ich will ein Zweikampfmonster sein“, sagt er über sich selbst.
Die Kraft holt er sich – am Buffet.

Autor: Manfred Hendriock

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