Der FC Schalke 04 klebt auf einem Abstiegsplatz in der Fußball-Bundesliga fest und muss schnellstmöglich den Hebel umlegen, um der Musik nach dem Fehlstart nicht monatelang hinterher zu laufen.

Schalke

Nach Euro League-Lust folgt königsblauer Liga-Frust

Thomas Tartemann
18. September 2016, 19:24 Uhr
Foto: firo

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Der FC Schalke 04 klebt auf einem Abstiegsplatz in der Fußball-Bundesliga fest und muss schnellstmöglich den Hebel umlegen, um der Musik nach dem Fehlstart nicht monatelang hinterher zu laufen.

Drittes Spiel, dritte Pleite: Nach dem 0:1 in Frankfurt und dem 0:2 gegen Bayern München mussten sich die Königsblauen am Sonntag vor 49251 Zuschauern 0:2 (0:0) bei Hertha BSC Berlin geschlagen geben.

Schalke 04 ist damit der einzige Bundesligist, der noch keinen Treffer in einem Punktspiel erzielt hat. Ob sich das am Mittwoch (20 Uhr/Sky) ändert, wenn das noch gegentorfreie Überraschungsteam 1. FC Köln in die Veltins-Arena kommt, ist mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Schalkes Trainer Markus Weinzierl hatte sich nach dem erfolgreichen Auftritt in der Europa League bei OGC Nizza (1:0) gegen die ganz große Personalrochade entschieden. Für Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf, der sich durch gute Trainingsleistungen für das Nizza-Spiel empfohlen hatte und zudem aus taktischen Gründen bestens ins Konzept für den internationalen Auftritt passte, war in Berlin nur ein Platz auf der Bank vorgesehen.

Stattdessen beorderte der Coach seinen Torjäger Klaas-Jan Huntelaar in die Startelf. Der Holländer war in Nizza nur Reservist, nachdem er sich zuvor im Duell mit Bayern München eine leichte Gehirnerschütterung eingehandelt hatte. Ansonsten vertraute Weinzierl dem Personal, das unter der Woche einen starken Auftritt am Mittelmeer hingelegt hatte.

Die dominante Spielweise konnten die Köningsblauen, die am Samstag direkt aus Nizza nach Berlin gejettet waren, um sich unnötigen Reisestress mit eintägigem Zwischenstopp in Gelsenkirchen zu ersparen, nicht mit an die Spree transportierten. Gerade im Balltransport und in der Spieleröffnung ließen die Königsblauen viele Wünsche offen.

Huntelaar hing im ersten Durchgang als Spitze völlig in der Luft und hatte keine einzige Szene, die auch nur annähernd an einen Torschuss erinnerte. Top-Einkauf Breel Embolo deutete ein, zwei Mal seine Geschwindigkeit an. Mehr war von ihm nicht zu sehen. Der Schweizer Nationalspieler blieb vor dem gegnerischen Tor komplett harmlos, wählte fast ausschließlich den falschen Weg. Beispiele: Bei einem Konter hatte Embolo viel Platz und mehrere Anspiel-Möglichkeiten auf dem rechten oder linken Flügel. Der Ball landete nach einem hektischen Pass beim Gegner (27.). Kurz darauf wollte Embolo den Ball nach einer Flanke per Kopf auf einen besser postierten Mitspieler ablegen – der trug allerdings das Trikot von Hertha BSC Berlin (30.).

Wenn die Schalker Gefahr ausstrahlten, dann über ihre linke Angriffsseite, wo Eric Maxim Choupo-Moting gute Ideen einbrachte und auch griffige Aktionen einbringen konnte. Bezeichnend, dass die beste Gäste-Chance vom ehemaligen Hamburger eingefädelt wurde: Choupo-Moting ließ zwei Berliner aussteigen, zielte aber mit einem leicht abgefälschten Schuss um Zentimeter am langen Pfosten vorbei (31.).
Markus Weinzierl reagierte zur Pause, ließ den schwachen harmlosen Embolo in der Kabine und brachte den Ukrainer Yevhen Konoplyanka.

Nach einer Stunde tauschte der Schalker Trainer Leon Goretzka gegen Max Meyer, um mehr Dampf aus dem Mittelfeld zu entfachen. Der gewünschte Effekt setzte nicht ein – ganz im Gegenteil. Ein verlorener Zweikampf von Benjamin Stambouli hatte böse Folgen für Schalke: Der Ball landete bei Herthas Wirbelwind Mitchell Weiser, der die Kugel zum 1:0 in den linken Winkel hämmerte (64.). Doch damit nicht genug: Die Hertha legte durch den eingewechselten Valentin Stocker, der Weisers Vorlage ins lange Eck schoss, das 2:0 (74.) nach. Schalkes Deckung war komplett indisponiert. Keeper Ralf Fährmann rauschte die Kugel unter der Hand durch. Die Gastgeber brachten die Schlussphase sicher über die Runden, Schalke fiel nichts mehr ein. Nach der Euro League-Lust folgt königsblauer Liga-Frust.

Autor: Thomas Tartemann

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