Sportlich gesehen ist der Auftritt von Borussia Dortmund bei Polens Landesmeister Legia Warschau schnell erzählt: Der BVB führte die Polen mit 6:0 (3:0) vor.

„Nutte" statt „Jude"?

Legia wehrt sich gegen Rassismus-Vorwurf

Krystian Wozniak
15. September 2016, 13:48 Uhr

Foto: firo

Sportlich gesehen ist der Auftritt von Borussia Dortmund bei Polens Landesmeister Legia Warschau schnell erzählt: Der BVB führte die Polen mit 6:0 (3:0) vor.

Am Tag nach der großen Blamage für Legia wird in Polen neben dem sportlichen Scheitern vor allem das indiskutable Verhalten der Legia-Fans diskutiert.

Die fanatischen Legia-Anhänger begrüßten die Champions League nach 21-jähriger Abstinenz mit einer riesigen Choreographie auf ihrer Fankurve, der Zyleta (deutsch: Rasierklinge). "Guess who's back?" "Ratet, wer zurück ist?" Legia Warschau ist stolz wieder zu Europas Fußball-Elite zu gehören. Doch Legias Rückkehr dürfte sehr vielen Fußball-Fans negativ in Erinnerung bleiben. Vom sportlichen Auftritt ganz zu Schweigen.

[infobox-right]Zur Klarstellung: Jude heißt auf polnisch Żyd und Nutte Dziwka
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Schon während der ersten Hälfte versuchten maskierte Legia-Hooligans, in den BVB-Fanblock einzudringen. Sie waren mit Tränengas bewaffnet und konnten von der Polizei nur mit Mühe gestoppt werden. Zudem soll das Liedgut der Legia-Fans auch nicht ganz vorbildlich gewesen sein. Den Fans wird vorgeworfen, dass sie auch rassistische und antisemitische Parolen angestimmt haben. Nach dem frühen und deutlichen 0:3-Rückstand schallten aus der Kurve laute Anti-BVB-Gesänge auf Deutsch. Im Stadion verstanden viele „Jude, Jude Borussia!“. Doch dieser Darstellung traten die Legia-Verantwortlichen nach Schlusspfiff mit einer Pressemitteilung entgegen.

Der Worlaut:„Die Medienberichte, laut denen die Fans von Legia auf den Rängen ,Jude, Jude BVB!‘ skandiert hätten, entsprechen nicht der Wahrheit. Stattdessen sangen die Zuschauer ,Nutte, Nutte BVB!‘, ein für den BVB und für seine Fans ebenfalls beleidigender Gesang, den auch die Fans anderer deutscher Mannschaften singen; dieser Gesang hat jedoch keinen rassistischen oder antisemitischen Hintergrund“, heißt es dort auf Polnisch, Englisch und Deutsch: „Trotzdem möchten wir uns von ganzem Herzen bei sowohl den deutschen als auch den polnischen Fans von Borussia Dortmund entschuldigen, die sich dadurch angegriffen fühlen.“

Diese Menschen verstehen es einfach nicht, dass sie dem Verein und dem Land schaden. Die Champions League verfolgen Fußball-Fans auf der ganzen Welt!
Tomasz Hajto

Die Verantwortlichen von Legia Warschau kündigten an, dass sie mit aller Schärfe gegen die Chaoten vorgehen wollen. Das wird möglicherweise auch die UEFA tun. Laut polnischen Medien droht Warschau am 3. Spieltag gegen Real Madrid ein Geisterspiel. "Sportlich war es eine Blamage. Nein! Eine Schande für den polnischen Fußball. In so einem Heimspiel vor ausverkauften Haus musst du rennen, kratzen, beißen, bist du umfällst. Ich habe nichts davon gesehen. Das ist sehr, sehr enttäuschend gewesen. Bei allem Respekt vor Borussia Dortmund: So darf sich ein polnischer Meister in der Champions League nicht präsentieren. Und die Fans? Was soll ich dazu sagen? Ich war selbst nicht im Stadion und kann nicht beurteilen, was da genau gesungen wurde. Aber die Hooligan-Aktion in der ersten Halbzeit geht gar nicht. Diese Menschen verstehen es einfach nicht, dass sie dem Verein, dem Land schaden. Die Champions League verfolgen Fußball-Fans auf der ganzen Welt! Ich hoffe, dass sie alle hart bestraft werden", sagt Polen-Experte und Ex-Bundesligaprofi Tomasz Hajto (MSV Duisburg, FC Schalke 04 und 1. FC Nürnberg) gegenüber RevierSport.

Autor: Krystian Wozniak

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