BVB

Tuchel lobt RB Leipzig

Sebastian Weßling
10. September 2016, 22:51 Uhr
Foto: firo

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Seine Laune war Thomas Tuchel unschwer anzumerken.

Mit starrem Blick, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst, saß der Trainer von Borussia Dortmund in den Katakomben des Leipziger Stadions, sprach von unerzwungenen Fehlern, die seinen Spieler gegen den Aufsteiger RB Leipzig unterlaufen waren und die letztlich zur 0:1 Niederlage vor offiziell 42.558 Zuschauern und damit ausverkauftem Stadion führten.

Tuchels Aussagen wirkten ähnlich wie die Aktionen seiner Spieler in den 90 Minuten zuvor: im Grundsatz gut und richtig, doch es reichte letztlich nicht – in diesem Fall zur allumfassenden Erklärung der Dortmunder Niederlage. Ralph Hasenhüttl, der siegreiche Trainer, traf da schon eher ins Schwarze, als er den Erfolg vor allem auf das zurückführte, was seiner Truppe alles gelungen war. Das erkannte auch Tuchel am Ende an: „Ihr habt das sehr gut gemacht“, sagte er in Richtung seines Kollegen.

Die Leipziger sind kein typischer Aufsteiger, das war in den 90 Minuten gegen den deutschen Vizemeister jederzeit zu sehen. Gut organisiert, bissig und mit enormer Intensität warfen sie sich den Dortmunder angriffen entgegen, liefen den Gegner tief in dessen Hälfte an, wollten den BVB zu Fehlern zwingen. Und der machte Fehler, mit zunehmender Spieldauer immer mehr. Ballannahmen misslangen, Pässe kamen nicht an. „Da waren wir einfach zu unkonzentriert“, haderte Torhüter Roman Bürki. Und Kapitän Marcel Schmelzer bemängelte: „Wir haben zu selten in die Räume gespielt, die uns vor dem Spiel aufgezeigt wurden und die Leipzig auch angeboten hat.“

Räume, in denen sich oft Mario Götze aufhielt, dem Schmelzer beim Pflichtspieldebüt ein sehr gutes Spiel und Trainer Tuchel zumindest eine sehr gute erste Halbzeit attestierte. Wenn der Rückkehrer an den Ball kam, schuf mit kleinen, schnellen Bewegungen oft Platz für seine Mitspieler, bevor ihm im zweiten Durchgang die Luft ausging.

Für Dortmunder Torgefahr aber sorgte wie so oft zuletzt vor allem André Schürrle: Mal wurde sein Schuss noch so eben neben das Tor abgefälscht (7.), mal ging er knapp vorbei (30.), mal streifte er die Latte (83.)

Bei Leipzig war Timo Werner der Auffälligste, er paarte seine bemerkenswert starke Technik allerdings mit einem bemerkenswerten Hang zur falschen Entscheidung vor dem Tor.

Weil aber Leipzig dank des Getränkekonzerns Red Bull im Hintergrund auch finanziell für einen Aufsteiger ungewöhnlich gut ausgestattet ist, konnte Trainer Hasenhüttl „Qualität von der Bank nachlegen“, wie er sagte. Er brachte den hochtalentierten Oliver Burke, er brachte Naby Keita. Und es kam die 89. Minute: Burke dribbelte, Burke flankte, Keita drückte den Ball über die Linie, Hasenhüttl bildete mit seinen Spielern eine rot-weiße Jubeltraube – und Tuchels Lippen zum ersten Mal jenen schmalen Strich.

Autor: Sebastian Weßling

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