04.04.2016

Alemannia Aachen

Klitzpera zeigt sich sehr überrascht

Foto: RS-Foto

Eine Saison zum Vergessen: So kann man Alemannia Aachens Spielzeit 2015/16 treffend beschreiben.

Der Verein ist mit großen Ambitionen in die Serie gestartet. Alexander Klitzpera hatte mit Christian Benbennek einen vielversprechenden Trainer auf den Tivoli gelockt. Benbennek zeigte in Havelse, wie man aus kleinen Mitteln viel machen kann. In Aachen startete der Fußballlehrer fulminant - sechs Spiele, fünf Siege, ein Remis (bester Saisonstart seit 58 (!) Jahren, Anm. d. Red.). Die Alemannia war nach wenigen Runden für viele die Mannschaft, die es in dieser Saison zu schlagen gilt. Der 8. Spieltag und die 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln II sollten der Anfang vom Ende werden - zuerst für Benbennek und einige Monate später auch für Klitzpera.

Vor dem Spiel gegen den Kölner Nachwuchs wurden [person=2202]Dominik Ernst[/person] und [person=5175]Frederic Löhe[/person] aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen. Beide sollen sich unprofessionell auf das Spiel gegen die U21 des 1. FC Köln vorbereitet haben. Löhe, der als Lautsprecher mit einem gewichtigen Wort in der Mannschaft galt, soll die Situation genutzt haben, um Stimmung gegen den Trainer und auch den Sportlichen Leiter zu machen. Ihm sollen sich andere Spieler, wie der damalige Kapitän Peter Hackenberg angeschlossen haben. Inzwischen stehen weder Hackenberg noch Löhe im Aachener Kader, aber für die Alemannia sind eben auch nicht mehr Benbennek und Klitzpera verantwortlich.

Die Mannschaft geriet in einen Negativlauf. Drei Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen kassierte die Alemannia seit der besagten Partie gegen Kölns U21. Die Mannschaft, die an die Tabellenspitze stürmte, war nicht mehr wiederzuerkennen. Bei der 0:6-Klatsche bei Viktoria Köln grenzte der Auftritt an Arbeitsverweigerung.

Wenige Tage später gab es ein Wirr-Warr um einen von der Mannschaft unterschriebenen Brief an den Aufsichtsrat. Inhalt: Das Team wolle weder mit Benbennek noch mit Klitzpera weiter zusammenarbeiten. Benbennek kam wohl einer Entlassung zuvor und trat zurück. Klitzpera blieb. Er entsorgte die vermeintlichen "faulen Äpfel" und holte im Winter mit Pierre Kleinheider, Maximilian Rossmann und Rückkehrer Daniel Engelbrecht drei Neuzugänge, die sofort zündeten und aktuell zu den wenigen Leistungsträgern im Team gehören. Doch das sollte dem 39-Jährigen nur wenig nutzen. Nach drei Siegen, einem Remis und vier Niederlagen unter dem neuen Coach Fuat Kilic musste Klitzpera am Samstag seinen Hut nehmen.

Mit einer zehnzeiligen Pressemitteilung verabschiedeten die Verantwortlichen Klitzpera, der sechs Jahre als Profi für die Alemannia aktiv war, in den ungewollten Urlaub. Da kommt es wenig überraschend, dass Klitzpera sehr baff ist. Noch am Freitag war er beim Spiel FC Bayern München II gegen die SpVgg Greuther Fürth II unterwegs. Am Samstag beobachtete der Ex-Profi dann die Partie zwischen Fortuna Köln und Rot-Weiß Erfurt. Am gleichen Tag erhielt er die Information, dass er sich nach Aachen begeben sollte, um beim Aufsichtsrat vorstellig zu werden. "Wir haben einfach keinen sportlichen Erfolg. Fuat Kilic ist erst seit wenigen Wochen im Amt. Der arme Kerl musste einen Kader übernehmen, den er nicht zusammengestellt hat. Deshalb haben wir entschieden, dass wir unseren Weg nicht mit Alex Klitzpera fortsetzen werden", erklärte Horst Reimig, Aufsichtsratsmitglied der Alemannia, am Montag gegenüber RevierSport.

Wir lagen nach der Insolvenz am Boden und Alex hat vor allem im Nachwuchsleistungszentrum viel aufgebaut
Horst Reimig, Alemannias Aufsichtsratmitglied

Klitzpera konnte sich am Samstag als Gesprächsthema alles vorstellen - nur nicht seine eigene Entlassung. Warum auch? Er sorgte mit dafür, dass das Aachener Nachwuchsleistungszentrum sowohl konzeptionell als auch personell umstrukturiert wurde. "Ich war sehr überrascht, als mir der Verein die Entscheidung mitteilte. Ich war in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und strukturell, für unsere finanziellen Möglichkeiten, auf einem guten Weg. Ab der kommenden Saison hätten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können und somit auch die Wahrscheinlichkeit auf den sportlichen Erfolg erhöht. Ich wünsche dem Verein Alemannia Aachen alles Gute", sagt Klitzpera.

Ab dem 1. Juli sollten endlich alle Baustellen fertig sein und der Verein hätte seine ganze Energie in den sportlichen Erfolg stecken können. Ein erneuter Versuch in Richtung Dritte Liga sollte unternommen und die Nachwuchsteams sollten in die höchsten Ligen gebracht werden. "Wir lagen nach der Insolvenz am Boden und Alex hat vor allem im Nachwuchsleistungszentrum viel aufgebaut. Da sind wir auf einem richtig guten Weg. Aber letztendlich ist die erste Mannschaft das Aushängeschild und da stehen wir nicht dort, wo wir uns das vor der Saison vorgestellt haben", betont Reimig.

Jetzt steht die Alemannia einmal mehr vor einem Neuanfang. Nicht nur das: Klitzpera hatte in Aachen einen unbefristeten Vertrag. Eine vorzeitige Auflösung dürfte die Alemannia einiges an Geld kosten. So dass der Verein schon jetzt bekannt gab, dass vorerst kein Klitzpera-Ersatz gesucht wird. Trainer Fuat Kilic soll Klitzperas Aufgaben mit übernehmen.

Autor: Krystian Wozniak

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