10.03.2016

DFB

Schiedsrichterin tritt zurück und erhebt Vorwürfe

Foto: firo

Schiedsrichterin Marija Kurtes hat ihren Rücktritt erklärt. Sie ist sauer auf die Fußball-Verbände und bemängelt strukturelle Probleme.

Marija Kurtes war immer eine echte Aufsteigerin. Mit 20 Jahren pfiff die Düsseldorferin als Schiedsrichterin in der Frauen-Bundesliga, seit 2012 ist sie Fifa-Schiedsrichterin. Jetzt hat sie ihren Rücktritt erklärt, mit gerade einmal 29 Jahren. Sie ist stocksauer auf die großen Fußball-Verbände DFB, Uefa und Fifa, von denen sie sich im Stich gelassen und falsch behandelt fühlt.

Am Donnerstag hat Kurtes das Schreiben, in dem sie dem DFB ihre Beweggründe mitteilte, bei Facebook veröffentlicht. Darin beklagt sie sich über mangelnde „Transparenz in den Entscheidungsstrukturen“, ihr fehlen auch Ansprechpartner. Aufgrund der hierarchischen Strukturen der Verbände käme es zu „Repressionen und Willkür“.

Kurtes sorgte für Novum

Zudem bemängelt Kurtes den Umgang der Verbände mit Fehlern der Schiedsrichter. Hier fehle es an einem Krisenmanagement. Diese Erkenntnis kam Kurtes, nachdem sie im April 2015 selbst einen großen Fehler gemacht hatte. In einem EM-Qualifikationsspiel der U-19-Frauen hatte sie einen Elfmeter für England gepfiffen. Als bei der Ausführung eine englische Spielerin zu früh in den Strafraum lief, ließ Kurtes den Elfmeter nicht wiederholen, so wie es die Regeln vorsehen, sondern gab einen indirekten Freistoß für Norwegen. Die Uefa ließ daraufhin die letzten Minuten des Spiels wiederholen. Ein Novum in der Geschichte des Verbandes.

Auf Anfrage dieser Zeitung beim DFB äußerte sich Ronny Zimmermann, der zuständige DFB-Vizepräsident für Schiedsrichter, zu den Vorwürfen. Es sei „äußerst schade, dass eine junge und talentierte Schiedsrichterin wie Marija Kurtes diesen Schritt geht.“ Dass es tatsächlich Verbesserungsbedarf gibt, räumt Zimmermann ein: „Die DFB-Schiedsrichterführung ist seit einem Jahr dabei, auch den Bereich der DFB-Schiedsrichterinnen weiterzuentwickeln, verbesserte Strukturen zu schaffen und neue Wege zu gehen. Die Vertrauensschiedsrichterinnen sind in diesen Prozess übrigens eng eingebunden. Darüber habe ich auch intensiv mit Marija Kurtes gesprochen. Umso bedauerlicher, dass Sie nunmehr Ihren Rücktritt vollzogen hat.“

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