05.12.2015

Aachen

Trainer Benbennek muss gehen

Foto: Thorsten Tillmann

Alemannia Aachen und Trainer Christian Benbennek haben ihre Zusammenarbeit nach dem Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte einvernehmlich beendet.

Diese Entscheidung war bei der Vereinsführung und dem 43-jährigen Fußballlehrer nach der 0:6-Niederlage der Alemannia am vergangenen Wochenende bei Viktoria Köln bereits seit einigen Tagen gereift. Als Interimstrainer für das kommende Heimspiel gegen Aufsteiger Ahlen sollen zunächst Sven Schaffrath, letztjähriger U21-Trainer und Leiter der Fußballakademie, sowie Aimen Demai fungieren und bereits das nächste Mannschaftstraining am Sonntag um 10 Uhr leiten.

Angesichts der Ausfälle von insgesamt sieben Spielern im Aachener Kader hatten sich der Trainer und Sportdirektor Alexander Klitzpera darauf verständigt, dass Benbennek die Mannschaft noch einmal im Heimspiel gegen Herbstmeister Lotte coacht, weil er den Verein in dieser prekären Personalsituation nicht im Stich lassen wollte. In der Besprechung vor dem Spiel teilte der Trainer der Mannschaft seinen Entschluss mit. „Spielt für den Verein! Ich will euch nicht im Wege stehen“, sagte der Fußball-Lehrer den Spielern in der Kabine. Die Vereinsführung der Alemannia bewertete dies als „große Geste“ des engagierten Trainers. „Er hat sich bis zu zuletzt mit voller Leidenschaft und penibler Pflichterfüllung in den Dienst unseres Klubs gestellt“, urteilte Sportdirektor Klitzpera.

Benbennek hatte am 21. Mai dieses Jahres bei Alemannia Aachen einen Zweijahres-Vertrag als Cheftrainer unterschrieben. Zuvor war der Fußball-Lehrer als Nachwuchstrainer beim Erstligisten VfL Wolfsburg, dem Drittligisten SV Babelsberg 03 und dem TSV Havelse tätig. Mit fünf Siegen und einem Unentschieden hatte Benbennek den besten Saisonstart seit 58 Jahren bei Alemannia Aachen geschafft. Über die Zukunft der weiteren Mitglieder des Trainerteams ist bisher noch keine Entscheidung gefallen.

Benbennek betont: „Die Entscheidung, die Alemannia zu verlassen, ist für mich ebenso schmerzhaft wie alternativlos. Nach dem 0:6-Debakel bei Viktoria Köln war ich in ständigem Austausch mit Sportdirektor Klitzpera. Trotz dieses desaströsen Auftritts der Mannschaft sah ich durchaus konstruktive Ansätze, um bei den Spielern – wie in den Heimspielen gegen Essen und Verl – eine positive Reaktion zu befördern. Während der Trainingswoche setzte dann jedoch eine Eigendynamik ein, die uns gegenüber dem Verein zu einem verantwortlichen Handeln gezwungen hat. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen war uns zum Ende dieser Woche klar, dass wir reagieren und die Reißleine ziehen müssen, um mögliche Blockaden bei den Spielern zu lösen und ihnen keine weiteren Alibis zu geben. Wegen der angespannten Personalsituation wollte ich die Mannschaft und den Verein in dieser brisanten Situation aber nicht im Stich lassen und hatte sofort angeboten, auch noch bei dem Spiel gegen Lotte auf der Bank zu sitzen. Damit hat mein Nachfolger dann die Chance, in einer personell entspannteren Situation einen Neustart zu unternehmen. Trotz unseres herausragenden Saisonstarts haben dem Team zuletzt Mentalität, Kontinuität und Stabilität gefehlt. Den Spielern habe ich vor dem Anpfiff klar gesagt: Spielt für den Verein! Ich will euch nicht im Wege stehen. Diesem Traditionsclub und seiner Vereinsführung wünsche ich für die Rückrunde ebenso sportlichen Erfolg und alles erdenklich Gute wie meinem Nachfolger und den wunderbar leidenschaftlichen Fans am Tivoli.“

Thomas Deutz, Vize-Präsident und Aufsichtsratsmitglied für den Bereich Sport: „Riesen-Respekt vor der Haltung dieses Trainers! Er hat in dieser für ihn nicht einfachen Situation menschlich wie sportlich Größe gezeigt hat. Dies ist ganz selten im heutigen Fußball-Geschäft. In diesem Falle ist unsere Trennung ‚im beiderseitigen Einvernehmen‘ alles andere als eine abgegriffene Floskel. Wir haben uns bei Christian Benbennek aufrichtig zu bedanken, wie professionell er sich in den Dienst unseres Vereins gestellt hat.“

Autor: RS

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