05.11.2015

Amateure

Zur Derbyzeit bleiben viele Plätze leer

Foto: Heiko Buschmann

Das Revierderby wirft seinen Schatten voraus. Grund ist die Anstoßzeit von Sonntag, 15.30 Uhr.

Der Schatten ist so groß, dass manchem Amateurverein das sonst so sonnige Gemüt abhanden kommt. Die Klubs fürchten um Zuschauer und um die eigenen Spieler. Sonntag, 15.30 Uhr: Da wird traditionell von der Ober- bis in die Kreisliga gespielt. Sonntag, 15.30 Uhr: Da treffen diesmal Borussia Dortmund und Schalke 04 im Derby aufeinander. Ausnahmezustand.

52 Spiele verlegt

Der 8. November wird auf vielen Amateurplätzen kein Spieltag wie jeder andere. Vor allem am Ort des Geschehens selbst. Im Dortmunder Kreis 11 des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen sind 52 von 92 Spielen der Herren-Kreisligen auf einen der kommenden Wochentage verlegt worden. Weitere Partien werden früher angepfiffen, nur 13 Spiele verbleiben auf ihrem Stammtermin um 14.30 Uhr. „Der Fußballausschuss in Dortmund hat großes Verständnis für die Spielverlegungen, weil fast der gesamte Dortmunder Amateurfußball auch mit Borussia Dortmund sympathisiert. Die Vereine müssten durch die Sonntagsspiele des BVB sonst große Einnahme- und Zuschauerverluste hinnehmen“, sagt Pascal Sellung, Vorsitzender des Dortmunder Kreisfußballausschusses. Eine wirklich eklatante Ausnahme ist der kommende Sonntag bei Dortmunds Amateuren ohnehin nicht: Die häufigen Sonntagsspiele der Schwarz-Gelben haben den Kreisfußballausschuss längst dazu veranlasst, die Regeln für Spielverlegungen zu lockern. Sellung: „Wir haben von den Vereinen viele positive Rückmeldung zu dieser Flexibilität bekommen.“

Offensichtlich haben die Vereine resiginiert
Gerd Eschenröder, Ausschuss-Vorsitzender des Kreises 12

Während sich die Dortmunder Amateurfußballer dem Derby bereitwillig unterordnen, ist die Situation einige Kilometer weiter westlich eine andere. Beim Fußballausschuss des Kreises 12 in Gelsenkirchen sind gerade einmal neun Verlegungen von Spielen am 8. November eingegangen. „Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass mehr verlegt wird, als ich auf den Bundesliga-Spielplan geschaut habe“, sagt der Ausschuss-Vorsitzende Gerd Eschenröder, dessen Heimatklub ETuS Gelsenkirchen sämtliche Partien um eine Stunde nach vorne verschoben hat. „Offensichtlich haben die Vereine resigniert und sich gesagt: Es kommen sowieso keine Zuschauer“, meint Eschenröder, der mit stärkeren Wechselwirkungen zwischen Profi- und Amateurbereich in Gelsenkirchen erst beim zweiten Derby der Saison im kommenden April rechnet. „Wenn beide Klubs noch in der Europa League spielen und auch das Rückspiel an einem Sonntag stattfindet, wird es bei uns wie jetzt in Dortmund aussehen.“

Das Derby zwischen Dortmund und Schalke fasziniert aber auch weit über die Stadtgrenzen der Protagonisten hinaus. Die Partien der Kreisliga A im Kreis Gelsenkirchen finden beispielsweise ohne Beteiligung der Mannschaften aus Gladbeck statt. Die Gladbecker haben ihre Spiele bereits unter der Woche ausgetragen. „Das Spielen hätte am Sonntag keinen Sinn gemacht. Der Großteil meines Teams ist Schalke- oder Dortmund-Fan. Die Jungs wollen das Derby unbedingt sehen. Ein konkurrenzfähiges Team auf den Platz zu bringen, wäre problematisch geworden“, sagt Simon Kokoschka, Trainer der SG Preußen Gladbeck.

[infobox-right]Europa League ist schuld
Für viele Amateurverein é mag der Zeitpunkt des Bundesliga-Revierkrachers am Sonntag ein Schlag ins Gesicht zu sein, doch sind die Gründe für die Anstoßzeit um 15.30 Uhr plausibel. Beide Revierklubs stehen am Donnerstagabend in der Europa League auf dem Feld. Zuletzt spielten Dortmund und Schalke vor fünf Jahren an einem Sonntag gegeneinander.[/infobox]

In Castrop-Rauxel wird der Samstag von der Bezirks- bis zur Kreisliga zum Hauptspieltag. Und auch in Bottrop wird bei so mancher Sonntagspartie mit weniger Zuschauern gerechnet – wie beispielsweise beim Bezirksligisten Fortuna Bottrop. „Eine größere Zuschauergruppe kommt traditionell nicht, wenn Schalke spielt. Nun werden wohl auch Dortmund-Fans fernbleiben. Am Ende bedeutet das: weniger verkaufte Würstchen und Getränke“, sagt Fortunas Vorstandsmitglied Willi Beckfeld. „Für uns und für viele weitere kleine Amateurvereine sind das schon Einbußen.“

Autor: Björn Goldmann, Niklas Preuten

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