Was war da los?

Schiedsrichter flieht zum RWE-Spiel

Krystian Wozniak
26. September 2013, 10:06 Uhr

Am Dienstagabend wollte A-Kreisliga-Tabellenführer Blau-Weiß Mintard im Auswärtsspiel beim SV Preußen Eiberg seinen sechsten Sieg in Serie einfahren.

Doch Schiedsrichter Fabian Slomka machte das Spiel nicht mit - im wahrsten Sinne des Wortes. Knapp zehn Minuten vor Schluss entschied sich der Unparteiische, die Partie beim Spielstand von 2:1 für die Gäste aus Mülheim abzubrechen. Grund: Eibergs Isehldinn Semmo hatte die Ampelkarte gesehen und auf den Boden gespuckt. Wir befragten die beteiligten Personen, was denn da los war? Leider war Schiri Slomka für uns nicht erreichbar.

Isehldinn Semmo (Spieler des SV Preußen Eiberg):
"Bis zur 75. Minute war das ein ganz normales Fußballspiel, ohne besondere Vorkommnisse. Dann erhielt ein Spieler von uns für eine Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte. Das war auch berechtigt - alles in Ordnung. Über den Spielabbruch kann ich aber nur schmunzeln. Ich erhielt zehn Minuten vor Schluss die Ampelkarte und spuckte daraufhin vor meine Füße auf den Boden. Ich war fünf Meter vom Schiri entfernt. Er meinte aber wohl, dass ich ihn anspucken wollte und brach das Spiel ab. Im Nachhinein haben wir den Grund für den tatsächlichen Abbruch erkannt. Der Schiri wollte zum Spiel Rot-Weiss Essen gegen Wattenscheid pünktlich im Stadion sein. Schon vor dem Spiel kam er zu uns und auch zu Mintard in die Kabine und fragte, ob er denn nicht ein paar Minuten vorher anpfeifen könnte. Das hat er dann gemacht. Wir haben so gegen 18.40 Uhr begonnen. In der Halbzeit fragte er dann, ob wir nicht die Pause verkürzen könnten. Das haben wir auch gemacht. Dann war es ihm aber wohl zu heikel geworden und er brach das Spiel ab um nicht zu spät im Stadion zu sein."

Marco Guglielmi (Trainer von Blau-Weiß Mintard):
"Ich habe ja schon viel im Fußball erlebt. Aber das ist wohl einmalig. Der Schiedsrichter kam schon vor dem Spiel in die Kabine und sagte uns, dass er später noch einen Termin hat und deshalb die Partie gerne früher anpfeifen würde. Das kam mir schon komisch vor. Denn der Anstoß war schon auf 18.45 Uhr gelegt – für einen Wochentag sehr früh, viele Amateurfußballer arbeiten schließlich noch. In der Halbzeit erinnerte er uns erneut an seinen Termin und bat uns, die Pause ein paar Minuten zu verkürzen. Der Höhepunkt war dann natürlich der Spielabbruch. Der Eiberger Spieler wollte den Schiedsrichter definitiv nicht anspucken, er war viel zu weit entfernt. Plötzlich nahm der Schiri die beiden Kapitäne zur Seite und pfiff das Spiel zehn Minuten vor Schluss ab und sagte nur noch 'Ich muss weg'. Während wir waren alle geschockt dastanden, joggte er in hohem Tempo Richtung Kabine. Er hatte es wirklich eilig, obwohl er keinerlei Gefahr ausgesetzt war. Das war schon komisch. Später habe ich von meinem Trainerkollegen Rolf Hahner erfahren, dass er schon vor dem Spiel über den Termin beim Spiel von Rot-Weiss gesprochen hatte. Für mich ist die Geschichte aber nicht nur witzig, sondern vor allem ärgerlich. Denn in den nächsten Wochen müssen wir dann zur Spruchkammer und eventuell ein Wiederholungsspiel bestreiten. Das ist alles suboptimal. Die Schiedsrichter nehmen uns Trainer und Spieler in die Verantwortung und bei Spielabbrüchen werden die jeweiligen Personen oftmals für Monate aus dem Verkehr gezogen. Auch der Schiedsrichter sollte eine große Verantwortung haben. So etwas geht überhaupt nicht."

Autor: Krystian Wozniak

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