Ohne ihren Kapitän, dafür aber mit breiter Brust, brach Borussia Dortmund am Dienstag zum Auftaktmatch in der Champions League in Richtung Neapel auf.

Markus' BVB-Blog

Mit breiter Brust in die blaue Hölle

Markus Flügel
17. September 2013, 20:30 Uhr

Ohne ihren Kapitän, dafür aber mit breiter Brust, brach Borussia Dortmund am Dienstag zum Auftaktmatch in der Champions League in Richtung Neapel auf.

In der "blauen Hölle" des Stadions San Paolo will der BVB dennoch mit heißem Herz und kühlem Kopf seine Erfolgsserie von sieben gewonnenen Pflichtspielen am Stück ausbauen und den Grundstein für eine erfolgreiche CL-Saison legen.

Dass ausgerechnet der aus Lostopf 4 gezogene SSC Neapel für Experten nach dem BVB und noch vor Arsenal London als Gruppenfavorit gilt, ist kein Zufall. Der ehemalige Klub von Diego Maradona war jahrelang von der internationalen Bühne verschwunden, spielte jedoch eine überragende vergangene Saison, an deren Ende der vielumjubelte Einzug in die Champions League sowie 73 erzielte Liga-Tore (Höchstwert in Italien) standen. BVB-Manager Michael Zorc bezeichnet die Süditaliener nicht umsonst als "mindestens zweite Kraft in Italien". Zwar verlor der SSC mit Edison Cavani seinen absoluten Topstar und Torjäger, reagierte jedoch umgehend mit den Verpflichtungen der Real-Madrid-Stars Higuain, Callejon und Albiol. Besonderes Augenmerk sollte der BVB aber vor allem auf den slowakischen Torjäger Marek Hamsik werfen, der in den ersten drei Ligaspielen vier Treffer erzielte.

Der Star ist der Trainer: "Rafa"

Der größte Coup gelang den Klub-Verantwortlichen jedoch mit der Verpflichtung der spanischen Trainer-Ikone Rafael Benitez. Warum die Neapolitaner nun sogar als noch stärker als im Vorjahr gelten, ist auch am Tabellenbild der italienischen Serie A abzulesen. Mit drei Siegen und neun Punkten führt Napoli die Tabelle mit dem punktgleichen AS Rom an, die Generalprobe für das Match gegen Dortmund gewann Neapel mit 2:0 gegen Atalanta Bergamo. Mit Unterstützung der als extrem heißblütig geltenden Fans will Napoli unter allen Umständen die ersten CL-Heimpunkte gegen den BVB einfahren.

Das alles nötigt Mannschaft, Trainer und Verantwortlichen von Borussia Dortmund zwar großen Respekt ab. Mit schlotternden Knien wird Borussia den Trip an den Fuß des Vesuvs jedoch nicht angetreten haben. Dennoch sind sich alle beim BVB einig, dass das erste gleichzeitig auch das schwierigste aller Gruppenspiele werden könnte. Auch wenn Borussias Brust mindestens genauso breit ist, wie die der Italiener: Nach der furiosen 6:2-Gala gegen den Hamburger SV strotzen die Schwattgelben vor Selbstvertrauen, ohne dabei jedoch die Bodenhaftung zu verlieren. Das belegen die durchaus selbstkritischen Aussagen aller Borussen nach dem samstäglichen Spektakel gegen die völlig überforderten Gäste aus der Hansestadt. Allen Beteiligten war klar, daß man sich speziell im Defensivverhalten und bei gegenrischen Standards erheblich steigern muß, will man im San Paolo bestehen.

Mit welchem Personal Jürgen Klopp diese erste internationale Bewährungsprobe der neuen Saison angehen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, ob der aus dem HSV-Spiel leicht lädierte Henrikh Mkhitaryan einsatzfähig sein wird. Klopp ist dafür bekannt, nur Akteure von Beginn an einzusetzen, die wirklich zu hundert Prozent wettkampffähig sind. Ebenso unklar ist noch der Einsatz von Jakub Blaszczykowski. Der Pole konnte gegen den HSV nicht spielen, trainiert aber seit Montag wieder mit der Mannschaft.

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Jürgen Klopps Kollege Rafael Benitez ist bezüglich seiner Aufstellung eher ein Buch mit sieben Siegeln. Der Spanier ließ in bisher allen Pflichtspielen der jungen Saison eine andere Startformation auflaufen. Benitez, der normalerweise in einem 4-2-3-1-System agieren läßt, gilt als Rotations-Liebhaber, was es seinen gegnerischen Kollegen nicht immer einfach macht, sich auf die von ihm trainierten Mannschaften taktisch einzustellen.
Da der BVB jedoch ohnehin nicht dafür bekannt ist, sich mit seiner Auf- und Einstellung am Gegner zu orientieren, könnte es durchaus sein, dass die Elf, die den Hamburger SV in so beeindruckender Art und Weise demontierte, auch in Neapel beginnen wird. Nicht überraschen würde es jedoch, sollte Sokratis den Vorzug vor dem gegen Hamburg indisponierten und leicht angeschlagenen Neven Subotic erhalten. Ebenso möglich erscheint, dass "Kuba" für Aubameyang in die Anfangsformation rotiert.

Übrigens: Was für die meisten Gastmannschaften in Neapel als Nachteil gelten könnte, sind die oben bereits erwähnten und als extrem heißblütig und fanatisch geltenden Napoli-Fans. Für viele Gegner des SSC erscheint die Stimmung im Stadion mit seinen 60.000 Plätzen als beeindruckend und respekteinflößend. Den BVB wird das jedoch eher motivieren als beeindrucken, sind die Schwattgelben doch eine solche Stimmung aus dem fast permanent ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion gewohnt, das zudem fast 20.000 Zuschauer mehr an Fassungsvermögen aufweisen kann.

Sahin als Herzstück der Pressing-Maschine

Der Schlüssel zu einem hoffentlich real werdenden BVB-Erfolg wird auf jeden Fall in einem kompakten Defensivverhalten der Schwattgelben liegen. Borussia wird unter allen Umständen ihre gefürchtete Pressing-Maschine anwerfen müssen. Schnelle Balleroberung und noch schnelleres Umschaltspiel könnten die als nicht wirklich sattelfest geltende Abwehr der Italiener vor riesige bis unlösbare Probleme stellen. Zu einem Schlüsselspieler kann dabei Nuri Sahin werden, in dessen Haupt-Aufgabengebiet es ohnehin und diesmal im Speziellen liegt, Ballgewinne im Zentrum mit blitzschnellen und klugen Pässen in effektive Angriffe zu verwandeln. Gleichzeitig sollte Borussia dringend versuchen, gegnerische Standards zu vermeiden. Benitez wird dies längst als großen Schwachpunkt des BVB erkannt haben und seine Spieler dazu animieren, Eckbälle und vor allem Freistöße in Dortmunder Strafraumnähe zu provozieren.

Definitiv wird der SSC Neapel der erste wirklich große Prüfstein für die Mannschaft von Jürgen Klopp. Der BVB, der bisher mit atemberaubendem Tempo durch die Bundesliga rast, wird nach dem Auftritt im San Paolo besser einschätzen können, wie der aktuelle Leistungsstand tatsächlich zu bewerten ist. Denn bei aller Euphorie gilt es zu bedenken, daß Borussias bisherigen nationalen Gegner keine Mannschaften der Kategorie "Top-Niveau" darstellten.

Den Beweis, selbst wirklich "top" zu sein, muss der BVB nun in Neapel antreten! Das wird den Schwattgelben aber gelingen - Dortmund siegt mit 2:1! Auf geht´s Borussia!

Autor: Markus Flügel

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