BVB vs. Hoffenheim

Geschichte einer Abneigung

17. Mai 2013, 08:37 Uhr

Am Samstagnachmittag könnte 1899 Hoffenheim erstmals aus der Bundesliga absteigen. Dass ausgerechnet der BVB den letzten Stoß geben könnte, ist interessant.

In sozialen Netzwerken bilden sich bekanntlich schnell Gruppen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Zuletzt war das sehr eindrucksvoll bei Facebook zu beobachten, als über 25.000 User ein Kommentarverbot für Marcel Reif mit ihren virtuell nach oben gestreckten Daumen befürworteten.

Seit sich abzeichnet, dass 1899 Hoffenheim am kommenden Samstag erstmals aus der Bundesliga absteigen könnte, ist natürlich auch zu diesem Thema etwas ins Leben gerufen worden, nämlich eine Veranstaltung, die den unmissverständlichen Namen „Abstiegsparty Hoffenheim!“ trägt. Rund 8.000 Nutzer, die dies feiern wollen, haben bereits zugesagt – darunter viele Dortmunder, die beste Plätze haben könnten, gastieren die Kraichgauer doch zum Saisonfinale beim BVB.

„Die Bundesliga braucht Hoffenheim nicht zwingend“

Wie genau die Feierlichkeiten am Wochenende aussehen werden, sollte der Abstieg besiegelt werden, ist freilich ziemlich unklar. Bier- und Sektduschen auf dem Rängen und einen Autokorso durch die Dortmunder Innenstadt wird es wohl nicht geben.

Nichtsdestotrotz ist es eine der vielen Geschichten, die wahrscheinlich wirklich nur der Fußball schreibt, dass sich Hoffenheim ausgerechnet in Dortmund nach fünf Jahren Erstklassigkeit wieder in das Unterhaus verabschieden könnte. Fakt ist, dass die Genugtuung bei vielen Schwarz-Gelben groß sein wird, ist ihnen der Emporkömmling aus dem Südwesten der Republik doch seit Jahren ein Dorn im Auge. Das „Projekt Hoffenheim“ ist besonders für die vielen traditionsbewussten Fans des BVB nur ein Euphemismus für ein mit vielen Millionen Euro finanziertes Konstrukt, das im Profifußball schlicht keine Daseinsberechtigung hat. „Alle 17 anderen Bundesligavereine sollten sich freuen,wenn dieser Retortenverein am Samstag in die 2. Liga verabschiedet wird. Das hat doch nichts mit Sport zu tun, wenn ein Milliardär jährlich Millionen in einen Dorfverein investiert“, schreibt etwa ein Facebook-Nutzer.

Überhaupt spielt die Person Dietmar Hopp im angespannten Verhältnis zwischen BVB und TSG eine entscheidende Rolle. Hopp hatte das Dortmunder Publikum, dass den TSG-Mäzen bei seinem ersten Besuch im Dortmunder Stadion mit einem Plakat begrüßt hatte, auf dem sein Konterfei in einem Fadenkreuz zu sehen war und der Spruch „Hasta la vista, Hopp“ stand, einst als seinen persönlichen „Angstgegner“ bezeichnet.

Die „Schall-Affäre“ ärgert viele Dortmunder bis heute

Auch Aussagen von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatten mehrfach verdeutlicht, wie gering die Wertschätzung für 1899 ist. „Die Bundesliga braucht Hoffenheim nicht zwingend“, sagte Watzke etwa Anfang des Jahres auf dem Sport- und Businesskongress (SpoBiS). Zudem hatte er immer wieder darauf hingewiesen, dass es ungerecht sei, wenn Klubs mit wenigen Zuschauern bei der Vergabe von Fernsehgeldern zu gut abschneiden.

Für viele Anhänger ist es derweil der 13. August 2011, der ausreicht, um die tiefe Abneigung zu begründen. Beim Auswärtsspiel in Hoffenheim wurde der BVB-Fanblock mehrfach mit Hochfrequenztönen beschallt, um Schmähgesänge zu verhindern. Geplant und ausgeführt wurde die später als „Schall-Affäre“ titulierte Tat angeblich von einer Einzelperson, doch das glauben die Dortmunder bis heute nicht, deuteten doch zu viele Indizien darauf hin, dass auch der Klub von der Aktion gewusst haben muss.

Es hat sich eine Menge angestaut beim Anhang der Schwarz-Gelben, der im September 2008, als der Aufsteiger mit erfrischendem Offensivfußball eine biedere BVB-Elf 4:0 besiegte, wohl nicht zu träumen gewagt hätte, dass ihr Klub fünf Jahre später drei Titel gewonnen hat und im Champions-League-Endspiel steht. Der vielversprechende, wenn auch teilweise teuer erkaufte Weg, den Hoffenheim gewählt hat, droht derweil am Samstag mit einem Absturz zu enden. Ausgerechnet in Dortmund.

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