03.05.2013

Detlef Pirsig im Interview

„Bevor mich einer traf, habe ich ihn umgehauen“

Gerd Müller hatte Angst vor ihm. Doch Detlef Pirsig selbst war völlig furchtlos. So wurde er zu einem der kompromisslosesten Verteidiger der Bundesligageschichte.

Wir sprachen mit ihm über frühe Fouls, feige Gegenspieler und die Kunst des Schweigens.

Detlef Pirsig, wie sind Sie zum Duisburger Urgestein geworden?

Durch puren Zufall! Ich bin kurz nach dem Krieg in Schwerin geboren, aber meine Eltern sind schnell danach an die dänische Grenze gezogen, weil es dort ruhiger war. Später sind wir weiter nach Osnabrück und als ich 16 war schließlich nach Duisburg-Meiderich.
Wie sind Sie dann beim MSV gelandet?

Vom Namen her kannte ich eigentlich nur Hamborn 07 und wollte unbedingt dorthin. Aber unser Hausbesitzer sagte meinem Vater: „Sie können die Wohnung haben, wenn sich Ihre Söhne beim MSV anmelden.“ Der war ein leidenschaftlicher Fan und hat so meine Karriere entscheidend beeinflusst.
[infobox-right]Zur Person Detlef Pirsig (* 22. Oktober 1945 in Schwerin) absolvierte zwischen 1965 und 1984 337 Bundesligaspiele (9 Tore) und 48 Zweitligapartien (4 Tore) für den MSV Duisburg und den BV 08 Lüttringhausen. Anschließend arbeitete er als Trainer und Manager unter anderem für Lüttringhausen, das später in FC Remscheid unbenannt wurde, den Wuppertaler SV, den MSV Duisburg, Schwarz-Weiß Essen und den FC Wegberg-Beeck.[/infobox]
Wenig später schafften Sie den Sprung zu den Profis. Wie gelang es Ihnen, sich als junger Spieler in der etablierten Mannschaften durchzusetzen?

Das war nicht ganz einfach. Ich war ein Hacker, der viele umgehauen hat. So habe ich mir ein bisschen Respekt verschafft. Genau genommen habe ich den Lizenzspielervertrag ja deshalb bekommen, weil ich in der A-Jugend meine Gegenspieler gut bearbeitet habe. Bevor mich einer traf, habe ich ihn umgehauen.

Zählen Sie zu den härtesten Spielern der Bundesligageschichte?
Ich weiß ja nicht, wie hart andere waren.
Ihre robuste Spielweise sprach sich jedenfalls schnell herum.

Nach und nach habe ich immer öfter gehört, dass die Vereine froh waren, wenn ihr Mittelstürmer nach einem Spiel gegen uns heil nach Hause kam. Ich habe nach Jahren mal Gerd Müller privat in München getroffen. Da hat er mir gesagt, dass er Angst hatte, am Ball zu sein, wenn er gegen mich spielte. Das war ganz gut zu hören.
Wie hat sich die Angst Ihrer Gegenspieler auf dem Platz geäußert?

Sie haben sich oft nicht richtig freigelaufen, sondern sind irgendwo hingerannt, wo der Ball nie landen konnte. Dabei habe ich ihnen noch nicht einmal mit irgendwelchen Psychospielchen Angst gemacht. Ganz im Gegenteil: Vor dem Anpfiff habe ich nie mit Gegenspielern gesprochen. Ich wollte gar nicht erst ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen.

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