26.04.2013

W. Rhynern: Iljutcenko

Aus der Fußball-Provinz in die Notizblöcke

Der Papenloh im Hammer Stadtteil Rhynern ist beileibe nicht der Nabel der Fußballwelt. Für Stanislav Iljutcenko ist es aber eine durchaus große Bühne.

Denn der Goalgetter des Oberligisten Westfalia Rhynern kommt aus der Fußball-Provinz. Damit ist noch nicht einmal das russische Dörfchen Jaschalta gemeint. Dort, in der Nähe von Rostow am Don, wurde Iljutcenko 1990 geboren, just als der „Eiserne Vorhang“ in Europa fiel. 1995 machte sich die Familie nach Deutschland auf und landete im westfälischen Unna, wie so viele Aussiedler, Zuwanderer und Flüchtlinge. Von dort ging‘s ins nahe Soest, wo der kleine Stanislav mit dem Fußballspielen anfing.

Iljutcenko entschied sich, Stürmer zu werden; in seinem ersten Seniorenjahr 2010/11 sorgte er bei Westfalia Soest gleich für Furore. 34 Mal knipste er für den Bezirksligisten, der die Saison allerdings nur auf Platz sechs beendete. Trotzdem war man auf ihn aufmerksam geworden. „Es gibt ja keinen Landes- oder Verbandsligisten in Soest oder der unmittelbaren Umgebung. Da ist es extrem schwierig, entdeckt zu werden“, weiß Iljutcenko. Ein kleiner Zufall eröffnete ihm aber den nächsten Schritt: „Unser Teammanager Andreas Kersting ist bei Rot-Weiß Westönnen auch Jugendtrainer.“ Er holte Iljutcenko nicht zum benachbarten A-Ligisten, sondern zu Westfalia Rhynern.
[infobox-right]Rote Karte in Gütersloh
Nach dem Iljutcenko in der Nachspielzeit der Partie in Gütersloh die Rote Karte gesehen hat, wird er Westfalia Rhynern nun für vier Spiele fehlen. Das ist die Strafe für einen mutmaßlichen Ellbogenschlag gegen Lars Beuckmann. Iljtcenko hatte im Nachholspiel getroffen, zudem einen Elfmeter herausgeholt, später aber auch am leeren Tor vorbei geschossen.[/infobox]
Dort war der drahtige Angreifer eigentlich eher für die Reserve-Mannschaft vorgesehen. „Ich gehörte erstmal zum Kader der U23, die in der Landesliga spielte“, blickt Iljutcenko auf seinen Start bei den Blau-Weißen zurück. Dann aber verletzte sich Sergej Petker, der in der NRW-Liga-Hinrunde im Westfalia-Sturm gesetzt war. „Ich habe meine Chance genutzt“, erinnert sich Iljutcenko an die Rückserie, in der er in 14 Einsätzen achtmal traf und gehörigen Anteil an der tollen Saison der Hammer Südstädter hatte.

Deshalb war man am Papenloh auch guter Dinge, dass Rhynern in der „neuen“ Oberliga Westfalen ein gehöriges Wörtchen mitreden kann. „Für mich ist unser Abschneiden keine große Überraschung, denn wir haben unsere Klasse ja in der NRW-Liga schon bewiesen.“

Anfragen „von oben“ sind da

Auch dank Iljutcenko hatte der SV keine Probleme sich zu „akklimatisieren“, der 1,89-Meter-Mann spielte eine herausragende Halbserie. „Ich glaube, ich habe 17 oder 18 Tore gemacht.“ Das sei eben der berühmte „Lauf“ gewesen, den sich jeder Stürmer erhofft. Iljutcenko würdigt aber auch die Leistung seiner Teamkollegen und ihre „hervorragenden Zuspiele.“

Nach dem langen und in Sachen fußballerischer Vorbereitung schwierigen Winter nahm sich der Knipser eine kleine Auszeit – das gehört zum Dasein eines Torjägers nunmal auch dazu. Gegen Erkenschwick und den SC Roland war der Mann mit der Nummer 11 auf dem Trikot aber wieder zur Stelle und netzte in gewohnter Manier ein.

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Nunmehr 21 Saisontreffer dürften Begehrlichkeiten geweckt haben. Iljutcenko bestätigt Anfragen aus höheren Klassen. „Die gibt es und ich denke ganz in Ruhe darüber nach. Ich kann mir aber auch vorstellen, in Rhynern zu bleiben.“ Für die Verantwortlichen käme es einem Coup gleich, wenn sie den Studenten – nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann studiert Iljutcenko Wirtschaftsingenieurwesen in Lippstadt – noch für ein weiteres Jahr an den Verein binden könnten.

Einfach wird das nicht, denn der unangefochtene Shootingstar des Teams hat durchaus Ambitionen: „Wenn ich die Chance bekomme, den nächsten Schritt zu machen, dann werde ich den wahrnehmen und mich dort auch beweisen.“

Selbstbewusst ist der 22-Jährige, überheblich aber nicht. „Natürlich habe ich noch Schwächen, sonst würde ich doch in der Bundesliga spielen“, lacht „Stani“, der in allen möglichen Disziplinen noch Steigerungsmöglichkeiten sieht. Schließlich wurde der kaltschnäuzige „Killer“ nicht beim BVB oder Preußen Münster ausgebildet, sondern bei der DJK Westfalia Soest – mitten in der westfälischen Fußball-Provinz.

Torjäger der Oberliga Westfalen: Wer hat richtig gezählt?
Die einschlägigen Quellen sind sich bei der Zahl der bisher erzielten Treffer (Stand 25. April) der besten Torschützen uneins.

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[zeile][spalte][/spalte][spalte]RS[/spalte][spalte]fussball.de[/spalte][spalte]WDR-VT[/spalte][spalte]transfermarkt.de[/spalte][/zeile]
[zeile][spalte]Viktor Maier
(SV Lippstadt)[/spalte][spalte]23[/spalte][spalte]23[/spalte][spalte]24[/spalte][spalte]23[/spalte][/zeile]
[zeile][spalte]Stanislav Iljutcenko
(Westfalia Rhynern)[/spalte][spalte]21[/spalte][spalte]20[/spalte][spalte]21[/spalte][spalte]19[/spalte][/zeile]
[zeile][spalte]Stefan Oerterer
(Erkenschwick)[/spalte][spalte]18[/spalte][spalte]19[/spalte][spalte]18[/spalte][spalte]18[/spalte][/zeile]
[zeile][spalte]Seyit Ersoy
(Wattenscheid 09)[/spalte][spalte]14[/spalte][spalte]12[/spalte][spalte]14[/spalte][spalte]14[/spalte][/zeile]
[zeile][spalte]Jochen Höfler
(Hammer SpVg)[/spalte][spalte]13[/spalte][spalte]13[/spalte][spalte]12[/spalte][spalte]13[/spalte][/zeile]
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