RS-Kommentar

Die Liga wird zur Farce

Ulrich Homann
23. April 2013, 12:00 Uhr

Das tut richtig weh! Der FC Bayern hat sich für schlanke 37 Millionen Euro den besten Fußballer des Reviers geangelt. Ein Kommentar zum Transfer-Wahnsinn.

Wann ist Bayern München noch einmal mit wie vielen Punkten Vorsprung Meister geworden? Vor vier oder fünf Wochen? Und wen hat das außerhalb der Münchener Innenstadt eigentlich interessiert?

Der Titelgewinn ist die schiere Selbstverständlichkeit. Bayern fällt jede Woche in der Liga mit Kanonen über Spatzen her. Wer auch mit seiner "Reserve" noch Zweiter würde, ja, dem kann man nur noch dazu gratulieren, die Gesetze der Unwägbarkeiten im Fußball unter Einsatz von Hunderten Millionen weitgehend außer Kraft gesetzt zu haben.

Und jetzt auch noch [person=1709]Götze[/person] und - vermutlich - Lewandowski. Die wichtigsten Spieler vom einzig verbliebenen Konkurrenten Borussia Dortmund. "So ist das Geschäft", faseln die Medien. Ob das auf Dauer ein "Geschäft" ist, wenn sich andere Klubs abstrampeln können wie sie wollen, am Ende aber Bayern sich doch jederzeit den Titel kaufen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Und wenn man schon gerade dabei ist, die Finanzen von Uli Hoeneß zu durchleuchten und seine unerträgliche Scheinheiligkeit zu entlarven, dann wäre doch auch einmal in einem Abwasch mit dem Blödsinn aufzuräumen, Bayern habe sich die wirtschaftlichen Vorteile selbst erarbeitet. Tatsächlich heißen die Scheichs und Oligarchen bei Bayern Adidas, Telekom und VW, die ohne Ende Mittel in diesen Klub pumpen. Das allein ermöglicht dem Branchenführer, für drei Spieler 100 Millionen Ablöse zu zahlen.

Wenn auch noch Uli Hoeneß selbst auf die Kluft in der Liga hinweist, dann ist das wirklich nur noch eine einzige Dreistigkeit. Zu ertragen ist die endgültige Alleinherrschaft des Bayern-Mammon nur durch eine neue Definition. Bayern reist als eine Art Harlem Globetrotters buchstäblich "außer Konkurrenz" durch die Liga. Jeder guckt sich einmal im Jahr die Zirkustruppe an. Aber die eigentliche Meisterschaft, die, bei der mit gleichen Waffen gekämpft wird, beginnt mit dem Rennen um Platz zwei. Deutscher Meister - dieser Titel ist nur noch eine Farce.

Autor: Ulrich Homann

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