20.04.2013

Skibbe im Interview

„Ich muss mir die Chance wieder verdienen“

Michael Skibbe ist wieder daheim in Düsseldorf, nun schon seit über fünf Monaten. Damals endete sein letztes Engagement als Trainer in der Türkei.

Es ist ja nicht so, dass ihm seine Bleibe am Rhein nicht gefällt. Aber für Skibbe ist es an der Zeit, endlich wieder etwas Neues zu finden. Wir sprachen mit ihm über den zweimaligen Weg in die Bundesliga und den langen Weg zurück.

Michael Skibbe, wären Sie um ein Haar Olaf Thon geworden?

Olaf und ich waren als Spieler jahrelang zusammen in den Jugendnationalmannschaften, waren auch so befreundet und haben oft auf einem Zimmer gelegen. Unsere Karrieren verliefen viele Jahre lang Hand in Hand. Aber irgendwann habe ich mich durch meine Verletzungen nicht mehr weiterentwickelt.
[infobox-right]Zur Person Michael Skibbe (* 4. August 1965 in Gelsenkirchen) absolvierte zwischen 1984 und 1986 14 Bundesligaspiele (1 Tor) und eine Zweitligapartie (kein Tor) für Schalke 04, ehe er seine Spielerkarriere verletzungsbedingt beenden musste. Als Trainer war der ehemalige U18-Nationalspieler seit 1987 für die U17 von Schalke, die U17, die U19, die Reserve und die Profis von Borussia Dortmund, die deutsche Nationalmannschaft, die U18-Nationalmannschaft, die U20-Nationalmannschaft, Bayer Leverkusen, Galatasaray Istanbul, Eintracht Frankfurt, Eskisehirspor, Hertha BSC und Kardemir Karabükspor verantwortlich. Seine größten Erfolge: Als Spieler Deutscher B-Jugendmeister 1982, als Trainer Vizeweltmeister 2002 und türkischer Supercupsieger 2008.[/infobox]
Was ist geschehen?

Wir sind gemeinsam zu den Schalker Profis hochgezogen worden. Und als ich dann endlich spielberechtigt war, habe ich mir im Dezember einen Kreuzband-, Innenband- und Innenmeniskusriss geholt. Ab da dümpelte meine Karriere mehr oder weniger in Verletzungen vor sich her. Es kam noch ein zweiter Kreuzbandriss. Und der dritte hat schließlich zur Sportinvalidität geführt. Die vielen Knorpelschäden, die ich mit 20, 21 hatte, haben mir das frühe Aus beschert. Olaf hingegen hat eine ganz fantastische und seinem Talent entsprechende Karriere hingelegt.

Hätten Sie mit weniger Verletzungspech Ähnliches erreichen können?

Die Gedanken macht man sich natürlich. Ich hätte viel lieber noch viel länger Fußball gespielt. Aber auf der anderen Seite habe ich mir zumindest meinen Kindheitstraum erfüllen können, Profi zu werden. Ich hatte in meiner Kindheit eine sehr schöne Karriere, die auch von meiner Schule super begleitet wurde. Phasenweise habe ich sogar in zwei Nationalmannschaften parallel gespielt. Bis zu den Kreuzbandverletzungen war es eine absolut wunderschöne Zeit.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Trainer werden?

Ich bin während meiner Profizeit gut mit Bernard Dietz befreundet gewesen. In seinem letzten Jahr als Spieler war er parallel A-Jugendtrainer. Irgendwann hatte er sich einen Innenbandriss zugezogen und mich daraufhin in der Reha gefragt, ob ich das Training nicht für zwei, drei Wochen übernehmen könnte. Das habe ich gerne gemacht. Und weil klar war, dass ich nicht mehr spielen kann, kam unser Manager Rudi Assauer nach den drei Wochen zu mir: „Sag mal, möchtest du nicht hauptberuflich Jugendtrainer bei uns werden?“ Den Job gab es damals noch gar nicht auf Schalke. Zudem sollte ich den Jugendleiter nach einer Einarbeitungszeit beerben. Also habe ich im April 1987 die B-Jugend von Olaf Thons Vater Günther übernommen.

Wurde Ihnen schnell klar, dass Sie den Job an der Seitenlinie dauerhaft ausüben möchten?

Da gab es keinen bestimmten Zeitpunkt und ich habe auch auf nichts hingearbeitet. Das meiste hat sich einfach ergeben.
Warum sind Sie 1989 zu Borussia Dortmund gewechselt?

Schalke ging es damals sportlich und finanziell nicht gut. Der Verein wäre fast aus der zweiten Liga abgestiegen. Ich wurde auch gar nicht von S04 bezahlt, sondern von der Berufsgenossenschaft im Rahmen einer Umschulungsmaßnahme vom Fußballprofi zum Fußballtrainer. Nach zwei Jahren gab es aber Probleme mit Schalke und ich musste mir etwas anderes suchen. Die Dortmunder wollten mich haben, also habe ich dort die B-Jugend übernommen. Danach ging es Schlag auf Schlag: 1990 wurde ich zusätzlich Jugendkoordinator. 1994 habe ich die A-Jugend übernommen und wurde dreimal Deutscher Meister, ehe ich 1997 Trainer der Amateure wurde.

Auf Seite 2: Und plötzlich Champions League

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