Tatort Amateurfußball: Ein weiterer unschöner Vorfall ereignete sich im Anschluss an die Bezirksliga-Partie zwischen BW Oberhausen-Lirich und Sterkrade-Nord.

Was war da los?

Dritte Halbzeit in Oberhausen

Martin Herms
27. September 2012, 21:17 Uhr

Tatort Amateurfußball: Ein weiterer unschöner Vorfall ereignete sich im Anschluss an die Bezirksliga-Partie zwischen BW Oberhausen-Lirich und Sterkrade-Nord.

96 Minuten lang sahen die Zuschauer an der Tulpenstrasse ein sportlich höchst unterhaltsames Derby. Acht Tore, zwei Elfmeter und einen Platzverweis ließen das Fußballerherz höher schlagen. Leider gab es auch eine dritte Halbzeit, die es offenbar in sich hatte. Nach dem Ausgleichstreffer für die Gäste in der sechsten Minute der Nachspielzeit eskalierte die Situation. Es folgten Tumulte auf dem Platz und in den Kabinengängen. Auch die Polizei musste bemüht werden.

Wir fragten bei den Beteiligten nach: Was war da los?

Dietz Walter (Abteilungsleiter Fußball bei Sterkrade-Nord):

"Die Auseinandersetzungen nach dem Spielschluss sind ganz klar dem Verhalten von Blau-Weiß Oberhausen geschuldet. Mit dem Glück des Tüchtigen haben wir mit dem Schlusspfiff den Ausgleich erzielt und wollten diesen auch gebührend feiern. Leider konnten die Spieler von Blau-Weiß ihre Enttäuschung nur durch Aggressivität ausdrücken und fingen an, unsere Leute zu attackieren. Ein Oberhausener hat zunächst einen unserer Akteure von hinten umgetreten. Danach kam es auf dem Platz zu einer Rudelbildung, bei der die Fäuste flogen. Auch unser Trainer Lars Mühlbauer wurde von einem Schlag getroffen. Nachdem sich die Lage einigermaßen beruhigt hatte, ging es im Kabinengang weiter. Dort bekam ein Spieler von uns einen weiteren Faustschlag ins Gesicht. Daraufhin haben wir Unterstützung von der Polizei angefordert, die wenige Minuten später auf der Anlage eintraf. Gegen zwei Täter der Gastgeber wurden Anzeigen wegen Körperverletzung aufgenommen. Es war eine sehr hektische und emotionale Partie. Trotzdem kann es nicht sein, dass solche Dinge auf dem Sportplatz passieren. Unserer Mannschaft kann ich keinen Vorwurf machen, denn wir sind attackiert worden. Bezeichnenderweise hat der Vorsitzende von Lirich, Frank Kielczewski, das Team anschließend so lautstark zusammengefaltet, dass es jeder auf dem Sportplatz mitbekommen hat. Außerdem hat sich Jörg Lieg, der Trainer von Blau-Weiß, am Donnerstag bei unserem Coach gemeldet und sich für das Verhalten seiner Spieler entschuldigt. Dazu muss man wohl nichts mehr hinzufügen."

Frank Kielczewski (1. Vorsitzender BW Oberhausen-Lirich):

"In der sechsten Minute des Nachspielzeit haben wir den mehr als unverdienten Ausgleich kassiert. Warum der Schiedsrichter so lange weiterspielen ließ, bleibt sein Geheimnis. Sterkrade hat zudem auf völlig überzogene Art und Weise gejubelt und uns dadurch provoziert. In einer solchen Situation ist es für mich nachvollziehbar, dass man sich aufregt. Das kommt auch in der Bundesliga vor. Wem das nicht gefällt, der sollte lieber Karten spielen gehen. Selbst dort könnte es passieren, dass einem die Dinger entgegen geschmissen werden. In diesem Zusammenhang muss ich betonen, dass es zu keiner Schlägerei gekommen ist. Das waren Rangeleien und Rudelbildungen. Nicht mehr und nicht weniger. Aber auch das muss natürlich nicht sein, sodass ich den Jungs eine Standpauke erteilt habe. Warum jedoch die Polizei verständigt wurde, kann ich bei bestem Willen nicht nachvollziehen. Allerdings wurde diese ganz sicher nicht über den normalen Polizeifunk gerufen. Auf dem Platz tauchte plötzlich ein junger Polizist auf, der alle Spieler der Sterkrader per Handschlag begrüßte. Die Polizistin, die dabei war, begrüßte die Akteure mit einem Küsschen. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Auch die Behauptung, dass der Trainer geschlagen worden sei, ist ein absoluter Witz. Das hat er sich scheinbar eingebildet, denn auf dem Platz ist tatsächlich nichts in dieser Form geschehen. Uns irgendeine Schuld in die Schuhe zu schieben, ist nicht gerechtfertigt. Es ist schließlich bekannt, dass Sterkrade ein Publikum hat, das ständig für Randale sorgt."

Autor: Martin Herms

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