07.02.2012

Westfalenliga 2: Olpe

Irfan Buz lehnte Angebot aus der Süper Lig ab

Die SpVg. Olpe hat das Image des Außenseiters in der Westfalenliga 2 geradezu gepachtet. Auch der Trainer Irfan Buz kann ein Lied davon singen.

„Unser Sportlicher Leiter Björn Schneider kam vor der Saison vom Staffeltag und meinte nur, dass alle Gegner am ersten Spieltag unbedingt gegen uns spielen wollten“, berichtet Buz. In der aktuellen Spielzeit scheint für den vermeintlich sicheren Absteiger aber mal wieder alles so zu laufen, wie seit 2008 immer: Der Underdog dreht der Konkurrenz eine lange Nase und jubelt am Saisonende über den Klassenerhalt.

Den größten Anteil an der kleinen Erfolgsgeschichte hat wohl Buz selbst. Auf den 44-Jährigen, der regelmäßig mit kleinem Etat beachtliche Resultate erzielt, sind natürlich längst andere Vereine aufmerksam geworden. „Das empfinde ich als Bestätigung meiner Arbeit“, sagt Buz angesichts der ein oder anderen Anfrage – auch aus der Westfalenliga.

"Natürlich habe ich mir das angehört"
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/027/989-28820_preview.jpeg Alles wie immer: Olpe feiert den Klassenerhalt - natürlich "auf Malle" (RS-Foto: Redemann).[/imgbox]
Sprachlos machte den türkischstämmigen Coach aber ein Angebot einer ganz anderen Kategorie. Samsunspor, im Sommer in die höchste Spielklasse „Süper Lig“ aufgestiegen, wollte Buz in die alte Heimat locken. „Ein Kontaktmann hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in Samsun Co-Trainer von Vladimir Petkovic zu werden. Natürlich habe ich mir das dann mal angehört.“

Der Kroate hatte den Aufsteiger im Sommer 2011 übernommen und wollte Buz als Assistenten – unbedingt. „Ich passte perfekt in das Anforderungsprofil“, berichte der überraschte Meinerzhagener, „Petkovic, den ich vorher gar nicht kannte, suchte als Co. einen deutschsprachigen Trainer, der mindestens die A-Lizenz besitzt.“ Zudem spricht Buz vier Sprachen – darunter auch kroatisch, was für Petkovic noch ein weiterer Einstellungsgrund gewesen wäre.

Die Verantwortlichen aus der Großstadt an der Schwarzmeerküste waren in erster Linie jedoch aufgrund seines Renommees auf den Sauerländer aufmerksam geworden. „Ich denke schon, dass ich genug Erfahrung mitgebracht hätte“, sagt der technische Angestellte. Kein Wunder: Acht Jahre lang war Buz Stützpunkttrainer, als Scout ist er in der Türkei ein guter Bekannter – denn für den nationalen Verband TFF (Türkiye Futbol Federasyonu) sichtet er in Deutschland Talente der Altersklassen U15 bis U20.

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Nach mehreren Telefonaten gab Buz dem Ex-Trainer von Young Boys Bern jedoch einen Korb. „Es war keine leichte Entscheidung. Aber ich weiß, was ich mache.“ Die Arbeit aufzugeben und sich mit Frau und den beiden kleinen Söhnen (zwei und vier Jahre alt) in der Türkei ein neues Leben aufzubauen – das war für Buz nur unter gewissen Bedingungen denkbar. Und so scheiterten die Verhandlungen an der Vertragslaufzeit. „Irgendwie lässt sich alles regeln. Aber als Familienvater muss man schon genau überlegen, ob man sich auf solch ein Abenteuer einlässt. Der Profi-Fußball ist ein unheimlich schnelllebiges Geschäft.“ Gerade in der Türkei.

"16 Punkte fehlen noch, dann haben wir 40"
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/018/214-18908_preview.jpeg Irfan Buz bleibt der Westfalenliga 2 vorerst erhalten (RS-Foto: Heimann).[/imgbox]
Der Vorstand der SpVg. Olpe, der von Anfang an über die Anfrage informiert war, konnte also aufatmen, dass sich Buz nach reiflicher Überlegung gegen die „Chance seines Lebens“ entschied – und für die Beschaulichkeit am Biggesee. Dass Petkovic nach dem 21. Spieltag den Laufpass bekam, scheint dafür zu sprechen, dass es die richtige Entscheidung war. Gleiches gilt wohl für die anschließende Vertragsverlängerung mit der SpVg. Buz sagte für die Saison 2012/13 zu und geht, nach dem er 2009 für Ingo Peter am Kreuzberg übernommen hatte, somit in die vierte Saison.

„Wo die Misthaufen qualmen, da gibt‘s keine Palmen“, sang 1982 die Band „Zoff“. Daran wird Buz während der Verhandlungen mit den Türken kaum gedacht haben, vielleicht aber an die nächste Zeile des Fetenhits: „Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland.“ Denn dass er mit Herzblut bei den Schwarz-Weißen arbeitet, daran besteht kein Zweifel. „16 Punkte fehlen noch, dann haben wir 40“, hält Buz fest – und nutzt noch mal schnell die Gelegenheit, um das Image seiner Schwarz-Weißen aufzupolieren. „Zeigen Sie mir eine anderen Verein, die so viele Spieler aus der eigenen Jugend in der Westfalenliga-Mannschaft einsetzt. Und Fußballspielen können wir auch, wir haben 4:1 gegen Wanne-Eickel, gegen den ASC, Eving, Ennepetal und zweimal gegen Brünninghausen gewonnen!“

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