03.11.2006

ROT-WEISS AHLEN: Interview mit Bernard Dietz

495 Bundesliga-Spiele für Duisburg und Schalke, 77 Tore erzielt, dazu Kapitän der Europameisterschafts-Mannschaft, die 1980 in Rom den Titel holte - Bernard Dietz gilt bis heute nicht nur als ehrlicher Malocher-Typ, sondern besitzt gerade in Duisburg Denkmal-Status.

495 Bundesliga-Spiele für Duisburg und Schalke, 77 Tore erzielt, dazu Kapitän der Europameisterschafts-Mannschaft, die 1980 in Rom den Titel holte - Bernard Dietz gilt bis heute nicht nur als ehrlicher Malocher-Typ, sondern besitzt gerade in Duisburg Denkmal-Status. Als Trainer heuerte der 58-Jährige nach vier Jahren bei der MSV-Zweitvertretung im Juli bei RW Ahlen an - sein Gastspiel dauerte nur wenige Wochen. "Wenn ich zum Training komme, dann muss es Spaß machen, das war zuletzt nicht mehr der Fall", sagt Dietz. RevierSport unterhielt sich mit dem Familienvater über seine Rücktritts-Gründe.

Bernard Dietz, Sie haben bei RWA aufgegeben, wann ist der Entschluss gereift?

Es war nicht vorherzusehen, das hat sich so ergeben. Wir haben teilweise gute Spiele abgeliefert, waren dann zum Beispiel gegen Wuppertal und Dortmund ganz schlecht. Für mich allerdings eine nachvollziehbare Phase. Die Partien gegen Bremen und Hertha waren gut, beide haben wir gewonnen, danach knapp gegen den Spitzenreiter Union Berlin verloren. Eigentlich dachte ich, dass es meine Mannschaft begriffen hat.

Ein Trugschuss!

Vor den drei Duellen mit Wilhelmshaven, Leverkusen und Emden, die zu dem Zeitpunkt alle ganz unten standen, habe ich zu den Jungs gesagt: Zeit mir, ob ihr hoch oder am Ende rumkrebsen wollt. Das war eine Katastrophe ohne Ende, wir haben aus den Partien einen Punkt geholt.

Warum schöpfte das Team sein Potenzial nicht aus?

Da laufen Strömungen, die ich nicht bereit bin, mitzutragen. Wenn Spieler nicht bereit sind, den letzten Meter zu gehen, dann stimmt etwas nicht. Irgendwann kommt man an eine gewisse Stelle, an der man sich fragt: Soll ich das überhaupt noch weiter machen? Einige sind noch nicht Mal in der Lage, beim Training ein Hütchen aufzunehmen. Nur mit dem Strafenkatalog zu arbeiten, das macht einfach keinen Spaß.

Offenbar ein Einstellungs-Problem?

Bei einigen muss man annehmen, dass sie nicht zu 100 Prozent für den Verein da waren. Der Vorstand ist von einem Sponsor zum nächsten gelaufen, damit die Akteure ihre Gehälter pünktlich bekommen konnten. Da muss auch etwas zurückkommen.

Wo sieht man "Ennatz" Dietz künftig als Linien-Chef?

Ich habe gedacht, dass ich in Ahlen helfen könnte, aber das Unternehmen stand unter einem ungünstigen Stern. Im Moment habe ich keine Lust, noch Mal als Trainer zu arbeiten. Ich mache Pause und werde wahrscheinlich gar nicht mehr einsteigen.

Autor: tt

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