11.03.2011

Unser Revier-Finale

Salou hat "Übeltäter" Tarnat verziehen

Samstag, 16. Mai 1998. Das Berliner Olympiastadion ist ausverkauft. 75.800 Fans fiebern dem DFB-Pokal-Finale David gegen Goliath entgegen. Oder besser:

MSV Duisburg gegen den FC Bayern. Es ist 19.20 Uhr. Plötzlich feiert der Underdog. Gerade ist Bachirou Salou dem Münchner Lothar Matthäus davongelaufen und lässt Oliver Kahn keine Chance. 1:0 für Duisburg. „Das waren unglaubliche Gefühle“, erinnert sich der Torschütze noch genau an die Szene von vor 13 Jahren. „Es kommt ja schließlich nicht häufig vor, dass man einen Spieler wie Matthäus wie eine Fahnenstange stehen lässt und dann auch noch ein Tor gegen den Titan erzielt“, lacht Salou. „Am Ende haben wir das Endspiel zwar verloren, doch eigentlich waren wir der Gewinner. Denn es war das Spiel unseres Lebens.“

In dem Salou die Hauptrolle spielte. Erst markierte er die Führung, dann wurde er von Michael Tarnat brutal von hinten umgesäbelt. Eine entscheidende Situation. Denn Salou war angeschlagen und konnte seinen Gegenspieler Markus Babbel nicht mehr entscheidend am Kopfball hindern, der zum 1:1-Ausgleich führte. Das war der Anfang vom Ende des Titeltraums. Denn nach dem Gleichstand drehten die Münchner auf und Mario Basler erzielte Sekunden vor Schluss den Siegtreffer für den Favoriten.

[infobox-right]DFB-Pokal-Finale 1998
Bayern München - MSV Duisburg 2:1
FC Bayern München: Oliver Kahn - Lothar Matthäus - Markus Babbel, Thomas Helmer (34. Thorsten Fink) - Mario Basler, Dietmar Hamann, Christian Nerlinger, Michael Tarnat, Bixente Lizarazu (34. Carsten Jancker) - Mehmet Scholl (76. Thomas Strunz), Giovane Elber.
Trainer: Giovanni Trapattoni
MSV Duisburg: Thomas Gill - Thomas Vana - Torsten Wohlert, Slobodan Komljenovic - Carsten Wolters, Stig Tøfting, Michael Zeyer, Tomasz Hajto, Dietmar Hirsch - Uwe Spies, Bachirou Salou (73. Markus Osthoff).
Trainer: Friedhelm Funkel.
SR: Hartmut Strampe (Handorf).
Tore: 0:1 Salou (20.), 1:1 Babbel (70.), 2:1 Basler (89.).
Zuschauer: 75.000.[/infobox]
„Michael hat das aber nicht absichtlich gemacht“, hat Salou dem „Übeltäter“ Tarnat mittlerweile verziehen. Nicht aber die MSV-Fans. Als die Bilder von 1998 vor dem Pokal-Halbfinale gegen Cottbus im Arena-TV zu sehen waren, pfiffen sie den Ex-Münchner gnadenlos aus. „Dafür habe ich Verständnis, denn keiner weiß, was passiert wäre, wenn er mich nicht gefoult hätte“, meint Salou: „Fußball ist ein Männersport und da gehört Aggressivität einfach dazu. Boateng wollte Michael Ballack ja auch nicht absichtlich verletzen.“

Der Unterschied: Die deutsche Nationalmannschaft erlebte bei der WM 2010 trotzdem ein Sommermärchen. Die Weiß-Blauen mussten 1998 indes ihre dritte Final-Niederlage nach 1966 und 1975 verdauen. „Trotzdem haben wir uns wie der Sieger gefühlt“, berichtet der heute 40-Jährige. „Die Fans waren einfach fantastisch. Die ganze Stadt hat uns nach unserer Rückkehr einen sensationellen Empfang bereitet. Diese Feierlichkeiten werde ich nie vergessen.“

Vielleicht wird die Party 2011 aber noch in den Schatten gestellt. Schließlich haben die „Zebras“ am 21. Mai zum vierten Mal in ihrer Vereinsgeschichte die Möglichkeit, den Pott zu holen. Für „Unser Revier-Finale“ rechnet Salou jedenfalls mit einem Triumph über Königsblau. „Natürlich hat die aktuelle MSV-Mannschaft gegen den FC Schalke eine Chance. Beim MSV herrscht derzeit die gleiche Atmosphäre wie damals bei uns. Die Jungs sind wie eine Familie. Deshalb lege ich mich auch fest: Duisburg gewinnt 1:0!“

Mit dem Tipp spricht er allen Duisburger aus der Seele.

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