13.04.2010

Dortmund U19

Stiepermanns Weg vom Fan zum Profi

Marco Stiepermann fühlt sich gerade wie im Traum. Beim Ruhr.2010-Cup wird er gegen Spitzenteams aus aller Welt antreten. Die Stars lernt er schon jetzt kennen.

Denn Stiepermann ist dabei, sich im Profiteam des BVB einen Namen zu machen. In Sichtweite seines Bettes hat er den besten Beweis dafür, dass er wirklich in der Bundesliga angekommen ist: Das Trikot mit der Rückennummer 39.

Er trug es im Dezember, beim 3:1-Sieg in Wolfsburg. Fünf Minuten lang durfte der Stürmer ran. Fünf Minuten, die vielleicht nicht sein Leben veränderten, die aber vieles spannender machen. Denn Stiepermann spürt, dass er sich in der laufenden Saison Hoffnungen auf weitere Einsätze machen darf. Seit November trainiert er durchgehend bei den Profis mit, am Wochenende kickt er bei der U19 oder in der Reserve. „Ich habe anderthalb Monate gebraucht, um mich an das Tempo in den Einheiten zu gewöhnen. Aber seit dem Trainingslager habe ich die Umstellung gepackt“, berichtet der 19-Jährige.

Seitdem stand er schon ein halbes Dutzend Mal bei Coach Jürgen Klopp im Kader. Und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Stiepermann auch im Signal-Iduna-Park auflaufen wird. „Ich arbeite jeden Tag hart dafür, zum Einsatz zu kommen. Am liebsten natürlich zu Hause“, bemerkt der Youngster, der noch nie für einen anderen Verein spielte.
Obwohl Bruder Marcel mit Rot-Weiss Essen in der Regionalliga kickt, ist die ganze Familie mit dem BVB-Virus infiziert - sein Vater besitzt sogar eine Dauerkarte. Auch der Junior fieberte jahrelang von der Tribüne aus mit, wenn er nicht gerade als Balljunge seinen Stars ganz nah war.
[infobox-right]Zur Person
Marco Stiepermann (* 9. Februar 1991 in Dortmund) ist ein BVB-Urgestein: Seit 1998 kickt er für die Schwarz-Gelben, die zugleich sein erster Verein sind.[/infobox]
Vielleicht wurde da auch der Grundstein für seine weitere Laufbahn gelegt. Am 28. Juli 2001 durfte der Jungspund Marcio Amoroso zu dessen erstem Bundesligaspiel aufs Feld führen. „Das war ein Moment, den ich nie vergessen werde“, erklärt der gebürtige Dortmunder. Letztlich bezwang der BVB Nürnberg mit 2:0, dank eines Doppelpacks des Brasilianers.

Ähnlich treffsicher präsentiert sich auch Stiepermann in der U19-Bundesliga. Dabei hatte er in der B-Jugend noch als Sechser agiert, ehe U19-Trainer Peter Hyballa ihn wieder zurück auf seine ursprüngliche Position in vorderster Front beorderte. „Da ist der Knoten dann geplatzt“, bemerkt der Blondschopf. Sein Zusatz: „Ich habe Hyballa viel zu verdanken.“

Und er hat gemeinsam mit seinem Förderer auch noch ein großes Ziel, nachdem er zuletzt drei Mal in Folge in der Jugend Deutscher Vizemeister wurde. „Ich will den Titel holen“, bemerkt der Blondschopf. Selbst wenn man den Rückstand auf Spitzenreiter Leverkusen nicht mehr einholen können sollte, sein letztes Jahr in der Jugend ist geprägt von Highlights.
Schließlich hat sich Stiepermann auch in der U19-Nationalmannschaft zu einer festen Größe entwickelt. Und mit den Adlerträgern steht im Mai die letzte Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft 2010 an. „Ich bin super zufrieden, wie es bislang gelaufen ist“, bemerkt der Offensivmann. Wohl wissend, dass diese Saison die erfolgreichste seiner bisherigen Laufbahn werden dürfte.

Und das, obwohl er immer noch eine Doppelbelastung meistern muss. Nachdem der Angreifer im vergangenen Sommer seinen Realschulabschluss baute, steht momentan der Zivildienst an. Gemeinsam mit U12-Coach Gary Gordon arbeitet er in einem Krankenhaus und repariert OP-Geräte. „Ich kriege das alles gut unter einen Hut“, erklärt das BVB-Urgestein. Denn Freizeitmangel nimmt er für den Traum vom Profifußball gerne in Kauf.

Aber eine Frage stellt sich dann doch: Kann er sich überhaupt vorstellen, jemals für einen anderen Verein aufzulaufen? „Natürlich kann ich mir eine ganze Menge vorstellen. Aber wenn es geht, möchte ich bis zum Schluss für Dortmund spielen. Ich bin doch schließlich von klein auf Fan“, macht der Stürmer aus seiner Leidenschaft keinen Hehl.

Auch deshalb ist Real Madrids Guti sein Vorbild. Der hat alle Nachwuchsmannschaften der „Königlichen“ durchlaufen, um sich anschließend bei den Profis durchzusetzen.“ Und auch für Stiepermann dürfte ein Abschied von seinem Herzensklub kein Thema sein, nicht nur wegen seines Vertrages bis 2012. Denn er hat noch genug Träume, die er sich mit dem BVB erfüllen will.

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