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 Eine Hommage an Hans Tilkowski
ThiloUhlenhorst
Jungspund
Posts: 28
Verwarn.:
22.10.2008 - 15:29:44
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In der heutigen Ausgabe von RS- online ist ein Interview mit dem legendären Hans Tilkowski enthalten.

Dieser Name ist es wert, in Erinnerungen an alte glorreiche Zeiten zu schwelgen, die mit Hans Tilkowski verbunden sind.

Die erste Fußball-WM, die ich bewusst als
kleiner Junge miterlebt habe, war jene auf der Insel 1966.

Im Tor der deutschen Nationalmannschaft stand ein schwarzer Torwart, sowohl im damals üblichen Torwart-Trikot mit der Nummer 1 als auch als Schwarzgelockter: Hans Tilkowski.

Er feierte damals in diesen Juli-Tagen 66 seinen 31. Geburtstag und war gleichzeitg der älteste deutsche Spieler im WM-Aufgebot.

Eigentlich hätte der schwarze Hans schon 1962 bei der WM in Chile die Nummer 1 im Tor sein sollen, aber der Herberger Sepp zog den Ulmer Fahrian Tilkowski vor.

Wie man in alten Presseberichten lesen konnte, hat der ehrgeizige Tilkowski diese Degradierung nie überwunden. Angeblich sprach er kein Wort mehr mit dem Bundes-Sepp.
Tatsache ist, dass er erst wieder unter dem Nachfolger Schön zurück ins Nationalteam fand und mit ihm in die Qualifikation zur WM 1966 ging.

Die Spiele gegen Schweden brachten Tilkowski den Titel "Fußballer des Jahes 1965", für einen Torwart eine sehr rare Auszeichnung.

Bei Borussia Dortmund erlebte Tilkowski in den Jahren vor der WM 1966 auch die beste und erfolgreichste Zeit:
1965 Pokalsieger gegen Alemannia Aachen (2:0) und 1966 Europacupsieger gegen Liverpool in Glasgow (2:1), beide Male stand Tilkowski im Tor.

In der Bundesligasaison 65/66 lieferte sich der BVB mit 1860 München ein Kopf-an Kopf-Rennen, das erst durch eine 0:2-Heimniederlage am vorletzten Spieltag vor ausverkauftem Haus (Tore durch Brunnenmeier und Grosser) im Stadion Rote Erde entschieden war. Der BVB war nach dem Sieg gegen Liverpool ausgebrannt und verlor die letzten entscheidenden Spiele.

Der BVB-Spielerkader war damals zu dünn, als dass die Doppelbelastung Bundesliga/Europacup zu bewältigen gewesen wäre.

Bei der WM 1966 absolvierte Tilkowski alle
sechs Spiele, das beste war wohl jenes gegen Uruguay, als er durch Glanzparaden im Viertelfinale einen frühen Rückstand der deutschen Elf verhinderte.

Bis zum Endspiel hatte das deutsche Team nur zwei Gegentreffer zugelassen, im Endspiel allerdings gleich vier.
An den vier Toren im Endspiel war Tilkowski schuld- und machtlos.
Der Bewacher von Hurst, Horst Höttges, hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Mit dem dritten Tor, das keines war, ist natürlich Tilkowski unsterblich geworden, wie er selbst einräumte.
Allerdings ist meine Meinung zu dem Endspiel, auch nach mehrmaliger Ansicht der 120 Minuten - das Spiel wurde oftmals in PHÖNIX vor der letzten WM gezeigt - dass Deutschland zwar das Spiel nahezu ausgeglichen gestalten konnte, aber nie ein Siegchance hatte.
Hierzu waren die deutschen Stürmer Seeler, Held und vor allem Emmerich gegen die glänzende englische Abwehr an diesem Tag zu schwach.

Für Tilkowski brachte das Turnier den WM-Vizetitel und die "Unsterblichkeit" in aller Welt in Sachen "drittes Tor".

Nach der WM 1966 war die Saison 66/67 beim BVB für ihn eher durchwachsen.
Sein Konkurrent Bernd Wessel kam öfter zum Einsatz als er.
Sportlich schied der BVB als Europacup-Titelverteidiger bereits in der 1. Runde gegen Glasgow Rangers aus.
Auch die erhoffte Meisterschaft gelang nicht.

Der anschließende Wechsel zu Eintracht Frankfurt 67/68 war auch nicht das "Gelbe vom Ei". In dem Konkurrenten Peter Kunter hatte der Hans am Ende der Karriere schwer zu knabbern. In seinen ersten beiden Spielen für die Hessen kassierte "Til" gleich sieben Gegentore.

Der spätere und letzte Trainer Erich Ribbeck (Jahrgang 1938), unter dem Tilkowski (Jahrgang 1935) trainierte, setzte auf jüngere Spieler.

Allerdings tat das Tilkowski dann als Trainer bei seiner ersten Trainerstation bei 1860 München ab 1970 auch, als er z. B. den verdienten Keeper Gernot Fraydl aussortierte. So wiederholt sich irgendwann alles.

Man tritt Tilkowski nicht zu nahe, wenn man seine Trainerstationen bei 1860, Nürnberg, Bremen und Saarbrücken nicht so toll bezeichnete. Der große Wurf wurde es jeweils nicht.

Bei Bremen war es üblich, dass damals der relativ junge Manager Assauer als Aushilfstrainer immer dann in die Bresche als "Feuerwehrmann"sprang, wenn kurz zuvor der nominelle Trainer (durch ihn) entlassen wurde - so auch bei "Til".

Tilkowski konnte es sich nicht verkneifen, seinen ehem. BVB-Spielergefährten Assauer beim Abschied noch eines mitzugeben: "Ha, ha, Assauer Feuerwehrmann! Er zündet ja vorher auch immer das Feuer an....".

Tilkowski, ein echtes Kind des Ruhrgebiets: Harte Schale, aber herzlicher Kern.


Zuletzt modifiziert von ThiloUhlenhorst am 22.10.2008 - 15:56:50
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