Hellmichs Plan
Als Peter Neururer am Mittwoch nicht beim Training des MSV erschien, entfachten die Diskussionen. Ist er schon in Bochum? Hat ihn Walter Hellmich gefeuert?
Doch weit gefehlt. Der Trainer hat die Brocken (noch) nicht hingeworfen. Der 54-Jährige musste vor dem Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegen den lizenzierten Fußballlehrer Serdar Dayat aussagen.
Peter Neururer setzt seine Elf unter Druck (Foto: firo).
Viel mehr will er mit seiner Ankündigung, seinen Hut zu nehmen, die Mannschaft in die Pflicht nehmen. Angst, dass dieser Schachzug, den er zum wiederholten Male bei den Zebras zieht, verpufen könnte, hat er nicht. „Ich habe zum ersten Mal das Team in die Pflicht genommen. Und was bleibt mir anderes übrig?“, fragt Neururer. „Ich muss mich als Verantwortlicher fragen, ob in den letzten drei Meisterschaftsspielen, die katastrophal waren, die Einstellung nicht gestimmt hat. Wenn das so ist, ist es mein Fehler und ich mache den Job frei. So ist es doch auch besser für den Verein.“
Die Frage nach dem Warum erklärt der Ex-Essener auch: „Wenn man seine Ziele nicht erreicht, fliegt man ohnehin. Wenn ich gehe, kostet es den Klub aber keinen Cent Ablöse.“ Ist Neururer nun ein Samariter? „Nein, ich bin aber konsequent.“
Übersetzt: Stimmt die Einstellung unabhängig vom Ergebnis nicht, stehen die Zebras ohne Dompteur da. Und weil der VfL bis Freitag-Abend sicherlich noch keinen Nachfolger präsentieren wird, ist die „Heimkehr“ von Peter dem Großen möglich. „Wenn ich keine Arbeit hätte, würde ich sehr gerne wieder nach Bochum gehen. Aber nur dann“, erklärt Neururer. „Doch wir werden mit einem überzeugenden Sieg gegen Berlin alle Diskussionen im Keim ersticken.“
MSV: Stimmen vor dem Spiel gegen Berlin
Beim Punktspiel am Freitag gegen Union Berlin geht es für den MSV Duisburg um sehr viel, nicht zuletzt die Zukunft des Trainers. Wir sprachen mit Björn Schlicke und Tom Starke.
Derweil bleibt sein „Boss“ Walter Hellmich trotz Neururers Androhung gelassen: „Sicherlich ist es außergewöhnlich, dass Peter schon wieder damit um die Ecke kommt. Aber ich sehe es in Richtung Mannschaft. Er ist ja der Trainer und macht es nicht im ersten Jahr. Ich will ihn dafür nicht kritisieren. Er meint es nicht ernst.“
Doch was passiert, wenn Neururer nach einem erneuten Desaster Ernst macht? „Ich habe immer einen Plan in der Hinterhand“, erklärt Hellmich. „Peter hat bislang eine gute Arbeit geleistet und wegen drei Niederlagen lasse ich niemanden fallen. Wir können jetzt nicht schon die gesamte Saison hinwerfen und immer noch aufsteigen. Aber überraschen kann man mich auch nicht.“
Thorsten Richter