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RWE: Middendorp zwischen Internationalität und vierter Liga
"Stelle mich der Aufgabe"

Ernst Middendorp wird wohl eine kurze Nacht verbringen, tüftelnd über die Mannschaftsaufstellung gegen den BV Cloppenburg.

Viel Zeit hatte der 50-Jährige bis jetzt nicht, um sich ein Bild über sein neues Team von Rot-Weiss Essen zu machen, das er am Dienstag-Mittag zum ersten Mal trainierte. Klar ist nur, der Niedergang der Auswahl in der Regionalliga West muss sofort gestoppt werden. Ostwestfalen, Afrika, Asien, Ruhrgebiet, ein erstaunlicher Karriereablauf. Wenn man Middendorp bei seiner 15. Trainerstation fragt, ob das logisch sei, muss er schon grinsen: "Weiß ich nicht. Bielefeld, Johannesburg, Changchun ist auch nicht unbedingt logisch. Um Logik geht es jetzt nicht, die Aufgabe ist interessant, der möchte ich mich stellen."

Foto: firo.

Auf jeden Fall sah der Mann schon etwas von der Welt, die für ihn am 28. Oktober 1958 in Freren anfing, eine Kleinstadt im westlichen Teil Niedersachsens, die auf überschaubare knapp 5.000 Einwohner verweisen kann. Da ist die Erfahrung, in Johannesburg, der gefährlichsten Stadt der Welt, Fußball zu lehren, schon ganz was anderes. "Man sieht auch dort viele Dinge, die man als modern oder als zu gebrauchen identifiziert. Wir erfinden nicht alles in Deutschland. Man trifft international erfahrene Menschen. Man turnt auch dort nicht auf roter Asche", lautet die Ansage von Middendorp.

Middendorps Trainerlaufbahn:

1987-1988: Eintracht Nordhorn
1988-1990: Arminia Bielefeld
1990-1992: VfB Rheine
1992-1994: FC Gütersloh
1994-1998: Arminia Bielefeld
1999: KFC Uerdingen
1999: VfL Bochum
1999-2002: Asante Kotoko (Kumasi, Ghana)
2002-2003: FC Augsburg
2004: Accra Hearts of Oak (Ghana)
2004-2005: Teraktor Sazi FC (Iran)
2005-2007: Kaizer Chiefs Johannesburg (Südafrika)
2007: Arminia Bielefeld
2008: Changchun Yatai (1. Liga China)
7. April 2009: RW Essen

Bevor Middendorp Bielefeld von der Regionalliga bis in die Bundesliga führte, arbeitete er an Berufsschulen als Lehrer für Ökonomie, Politik und Informatik. Der 50-Jährige ist Inhaber der Albena Sport- und Personalberatungs GmbH in Bielefeld. Dass er weiterhin seine Verbindung in die weite Fußball-Welt hat, beweist auch sein Online-Auftritt mit seinem Unternehmen, wo ausdrücklich auch eine südafrikanische Mobilnummer als Kontaktmöglichkeit angegeben ist. Die aktuell allerdings für das Wirken an der Hafenstraße keine große Rolle spielt. "Erst einmal müssen wir die aktuelle Situation sehen", umreißt Middendorp.

Also die 90 Minuten gegen Cloppenburg am Mittwoch, 8. April, ab 19.30 Uhr im Georg Melches-Stadion. Middendorp weiter: "Die zweite Etappe ist der Blick auf die neue Saison."

Man wird ihn beäugen, die einen als möglichen Messias, die anderen als möglichen unbequemen Gesellen. Middendorp ist das Image, das ihm vorauseilt, nachvollziehbar ziemlich egal. "Es wird darum gehen, wie man Matches führt. Für RWE ist so was, egal in welcher Liga, vorgegeben: Offensiv, nach vorne ausgerichtet, dominant." Wenn es umgesetzt wird, kann man prognostizieren, dass der Coach wenig Probleme haben wird, die Kulisse hinter sich zu bringen.

Foto: firo.

Das Argument, ein Middendorp entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen des Sports, wischt er vom Tisch: "Geht es zum Beispiel in Köln anders zu? Ich weiß es nicht. Ich arbeite auch mit Bällen, immer noch, es sind keine Steine da. Tore werden auch benutzt." Und weiter: "Wir haben vor 15 Jahren schon vom Pass in die Tiefe gesprochen. Es ging damals schon darum, mit einer Viererlinie 15 Minuten am Anfang richtig Pressing zu zeigen. Das sind heute die modernen Spielarten."

Middendorp macht deutlich, das ist kein Thema, das er wirklich großartig diskutieren will: "Ich bin nun einmal 50 Jahre und habe ein paar graue Haare." Und Selbstbewusstsein - davon sogar eine ganze Menge. Dienstag, etwa um 14.26 Uhr, machte er seiner Truppe auch einmal laut klar, was er sehen will. Essens beobachtender Geschäftsführer Sport, Thomas Strunz, konnte ein Grinsen nicht verbergen. Zweifel sind nicht da, Middendorp war sofort Boss - nachhaltig.

Foto: firo.

Rund um Arminia Bielefeld ist Middendorp so was wie eine Kultfigur. Jeder Verein kennt derartige Personen, RWE hat Willi Lippens oder einen Frank Kurth. Middendorp versteckt sich nicht die Spur: "Wenn man 20 Jahre an einem Klub beteiligt war, dann kann man schon sagen, dass man etwas bewirkte. Wenn man dreimal in nicht gerade fantastischen Situationen angepackt hat, dann führt das dazu, dass einem so was nachgesagt wird. Ich beschäftige mich eigentlich weniger damit. Ich kann mit allen Titulierungen umgehen." Und mit RWE - bis 2010, so lange läuft aktuell sein Vertrag.

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