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26.09.2008 Druckversion | Versenden

Der Film "Der Weg nach San Diego"

Eine Reise in das Herz des Fußballs

Ein junger Mann rennt zu einem Fluss, in dem seine Freunde schon ausgelassen planschen. Während des Laufens streift er sich das weißblau gestreifte Leibchen ab, auf dessen Rücken die Nummer „10“ und der Name „Maradona“ prangen. Unter dem Trikot kommt seine sonnenverbrannte Haut zum Vorschein – und zur Überraschung: wiederum die gleiche „10“. Er hat sie sich aus Verehrung für sein Idol eintätowieren lassen.





Der Aufbruch: Tati Benitez begibt sich auf seine Pilgerfahrt.

„Maradona ist mehr als ein Fußballer. Maradona steht für die Sehnsucht vieler Argentinier und für einen, der aus den ärmsten Verhältnissen ohne Perspektive ganz nach oben gelangt ist“, erzählt der Regisseur Carlos Sorin über seinem Film „Der Weg nach San Diego“. Die Hauptfigur ist der Waldarbeiter Tati Benitez, der in einer abgelegenen und ärmlichen Gegend Argentiniens lebt. Eines Tages findet er im Regenwald eine Baumwurzel, die genauso aussieht wie sein Idol. Und als Maradona erkrankt und die Nation für seine Genesung betet, begibt sich Benitez auf eine Pilgerreise ins ferne Buenos Aires: im Handgepäck der Baumstumpf, dessen mythische Kraft zur Genesung Maradonas beitragen soll.

Sorins Film entwickelt sich in Folge zu einem Roadmovie durch das heutige Argentinien, das auch deswegen so überzeugend wirkt, weil der Regisseur hauptsächlich auf Laienschauspieler setzt. Viele Protagonisten spielen schlichtweg sich selbst, und der mit jugendlicher Unschuld behaftete Benitez begegnet ihnen alle auf seiner Wallfahrt. Tati Benitez findet schließlich den Weg zu seinem Idol. Er hat den Traum einer Sache und den Mut, diesen Traum auch entgegen aller Widerstände zu verwirklichen. Das ist zum Glück ganz weit weg von Hollywood und dem üblichen Klischeekino. Fußball wird so gut wie nie gezeigt, und doch geht es genau um die Gefühle, die dieser großartige Sport so meisterhaft zu mobilisieren weiß: Hoffnungen, Sehnsüchte, Identifikation und Identität. In diesen Momenten könnte die argentinische Landstraße auch die A 42 sein.

Vertrieb: AL!VE AG. Label: Alamode Film. Sprachen: Deutsch, Spanisch DD 5.1. Extras: Making of, Trailer. Laufzeit: 98 Min. Produktion: Argentinien 2006.


„Der Weg nach San Diego“ ist schlicht, einfach, unspektakulär und doch ungeheuer poetisch. Zur DVD kritisch anzumerken bleibt nur zweierlei: Der Film verliert durch die Synchronisation erheblich an Dynamik, so dass man lieber das „Original mit Untertitel“ sehen sollte und in Sachen „Bonusmaterial“ wäre sicherlich auch noch die eine oder andere Option möglich gewesen. Trotzdem: Ein wunderschöner Film über eine wunderbare Reise in das Herz des Fußballs.

Ralf Piorr




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