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Was ist bloß mit Dembele los?
Star fliegt aus 300-Millionen-Sturm

Foto: Getty Images

Frankreichs Jungstar Ousmane Dembele muss gegen Peru wohl auf der Bank Platz nehmen, wenn der Mitfavorit auf den Titel das Achtelfinal-Ticket buchen will.

Die russische Polizei patrouillierte, auch grimmig dreinblickende Soldaten sicherten das Training ab. Schilder mit der Aufschrift "Keine Fotos, keine Kameras" machten den Reportern endgültig klar, dass sie unerwünscht waren. Didier Deschamps wollte nach dem Holper-Start in die WM ungestört sein - und doch sickerte durch: Frankreichs Trainer hatte vor dem Abflug nach Jekaterinburg diesmal kein orangefarbenes Leibchen für Ousmane Dembele.

"Wir müssen besser spielen", sagte Deschamps vor dem zweiten Gruppenspiel am Donnerstag gegen Peru (17.00 Uhr/ZDF): "Wir können und wir werden." Und dafür opfert der 49-Jährige offenbar Dembele, den zweiten großen Jungstar in der Offensive der Equipe Tricolore neben Kylian Mbappe. Doch noch pokert Deschamps: "Wir werden sehen."

Dembele, 21 Jahre jung, gesegnet mit höllischem Tempo und Talent im Überfluss - doch seit seinem mit einem Streik erzwungenen Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona vor knapp einem Jahr wirkt "Dembouz" seltsam gehemmt. Nur noch selten blitzte das Können des jungen Mannes, den sie in Barcelona als Neymar-Nachfolger auserkoren hatten, auf.

Und auch Frankreich fragt sich: Was ist bloß mit Dembele los? Beim 2:1 zum WM-Auftakt gegen Australien fiel der Angreifer im Zusammenspiel mit den ebenfalls Hochbegabten Mbappe und Antoine Griezmann eher dadurch auf, dass er eigentlich nicht zu sehen war. Für ihn rückt wohl nun der technisch eher limitierte Olivier Giroud in die Startelf.

"Es war eine schwierige Saison", hatte Dembele schon vor der WM gesagt - und auf seine beiden Oberschenkelverletzungen aus dem September und Januar verwiesen. Spanische Medien machten aber auch nächtliche Ausflüge ins Partyleben für seine nicht überzeugenden Auftritte verantwortlich. Und auch seine Chance zum Auftakt im 300-Millionen-Angriff mit Mbappe und Griezmann, der nominell wohl aufregendsten Offensive des Turniers, nutzte er nicht.

"Unsere Offensive war nicht so gut, wie sie sein sollte", meckerte Deschamps über den Auftritt gegen Australien: "Die drei haben nicht viel zusammengespielt." Und dennoch hatte Frankreich - im Gegensatz zu Titel-Rivalen wie Deutschland, Brasilien, Argentinien oder Spanien - gewonnen. "Andere wären gerne in unserer Position", sagte Deschamps.

Gegen Peru wollen "Les Bleus" nachlegen, mit einem Sieg ist das Achtelfinal-Ticket so gut wie gebucht. Aber das reicht dem Mitfavoriten natürlich nicht, 20 Jahre nach dem WM-Triumph in Paris will die neue Generation nach dem Titel greifen. Dafür traf sich das Team nach dem Australien-Spiel zu einer Aussprache.

"Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht, was gut oder schlecht gelaufen ist", sagte Abwehrchef Raphael Varane: "Alle sind sich einig, dass wir unsere körperliche Intensität steigern und unsere Einstellung im Allgemeinen verbessern müssen." Und: "Wir wissen, in welche Richtung wir gehen müssen."

Dembele wird auf diesem Weg aber erst einmal am Rand sitzen.

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