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Nach 0:1 gegen Mexiko
Boateng und Hummels schimpfen

(9) Kommentare
Foto: dpa

Jerome Boateng war so sauer, dass er beim Schimpfen keine Miene verzog.

„Die laufen vier, fünf Mal auf uns allein zu, dabei hatten wir das doch im Vorfeld angesprochen“, ärgerte sich der Innenverteidiger. Die 0:1-Auftaktniederlage gegen Mexiko für die deutsche Nationalmannschaft lag da schon eine Stunde zurück. Boateng hatte mittlerweile geduscht. Aber er kochte immer noch innerlich. Die Pleite gegen Mexiko wird im Rückblick als eine Niederlage der deutschen Defensive gewertet werden. Denkt man irgendwann an dieses Spiel zurück, dann wird man sich daran erinnern, wie die quirligen mexikanischen Angreifer Chicharito und Hirving Lozano immer wieder die deutsche Defensive überfielen – und wie Boateng dabei keine gute Figur machte. Er und sein Abwehrnachbar Mats Hummels.

Wir müssen beide Spiele Gewinnen, sonst war es das

Mats Hummels

Boateng aber wollte das nicht so stehen lassen. Er sah keine Alleinschuld an dieser Schmach zum Auftakt, sondern viel mehr ein strukturelles Abwehrproblem des Weltmeisters, das sich ja schon bei den Vorbereitungsspielen gegen Österreich (0:1) und Saudi-Arabien (2:1) gezeigt hatte. Und er hatte Recht: Deutschland ist deutlich zu konteranfällig, um den Titel zu verteidigen. „Wir haben das in den letzten Tagen oft genug angesprochen. Es kann nicht sein, dass wir so viele Abstimmungsfehler machen“, schimpfe Boateng. Ähnlich aufgebracht war Hummels: „Wenn sieben oder acht Spieler von uns offensiv spielen, ist klar, dass die offensive Wucht größer ist als die defensive Stabilität“, sagte der Münchner. Ob er sich Sorgen mache, dass Deutschland schon nach der Vorrunde wieder nach Hause fahren wird müssen, wurde Hummels gefragt: „Wenn wir so weiter spielen, ja! Wir müssen beide Spiele gewinnen, sonst war es das.“

Als Oliver Bierhoff aus dem Innenraum des Moskauer Luschniki-Stadions trat, wirkte der Nationalelf-Direktor desillusioniert. „Wir haben völlig unsere Linie verloren. Warum? Das weiß ich auch nicht“, sagte Bierhoff und ließ keinen Zweifel daran, wie die Dinge jetzt stehen: „Das nächste Spiel gegen Schweden wird ein Endspiel“, sagte der 50-Jährige. Auch Bierhoff hatte gesehen, dass da Räume in der deutschen Defensive geboten wurden, die da nicht hingehören, wenn man Weltmeister werden will. „Wir wollten eigentlich von unserer Kompaktheit leben“, sagte er. Der WM-Triumph von 2014 lag auch an einer herausragenden Abwehrstärke. Nun könnten die Träume von einer Wiederholung daran platzen, dass die Mannschaft keine Balance zwischen Offensive und Defensive herstellen kann. Und weil das ja nicht zum ersten Mal Probleme der deutschen Mannschaft waren, wirkte Bierhoff nachdenklich: „Wenn sich Muster wiederholen, muss man tiefer gehen. Die Trainer müssen jetzt beantworten, wie sie das lösen wollen“, sagte er.

Sami Khedira übrigens verließ wortlos die Moskauer Arena. Der 31-Jährige hatte ein schlechtes Spiel gemacht und mit seinen Ballverlusten erheblich zur Destabilisierung beigetragen. So fiel auch das 0:1. Statt Khedira, immerhin ja Ersatzkapitän, sprachen andere: „Unsere Konteranfälligkeit hat jeder gesehen“, sagte etwa Angreifer Thomas Müller und wurde grundsätzlich: „Die Krux an Ballbesitzfußball ist, dass man gegen konterstarke Gegner immer wieder mal Probleme bekommt“, so Müller – vor allem, wenn man den Ballbesitz nicht gut ausspielt. „Es ist schwer, jetzt die richtigen Worte zu finden, die alle Gemüter beruhigen, aber das Spiel auch richtig analysieren“, sagte Müller.

Zur Aufarbeitung der Niederlage gehört aber auch die Frage, wie es sein kann, dass die Mexikaner völlig anders spielten, als sie das beim DFB erwartet hatten. Das gab Bierhoff offen zu: „Wir hatten zu Mexiko eine andere Vorhersage. Bei keinem Spiel vorher haben wir sie so gesehen. Sie haben uns auf eine andere Art gelockt, als wir das dachten“, sagte Bierhoff und meinte eine preisgegebene linke mexikanische Seite, in die Joshua Kimmich dann immer wieder hineinstieß. Aber dadurch ließ der deutsche Rechtsverteidiger hinten riesige Lücken. Auch deshalb standen Boateng und Hummels allein da.

Müller berichtete Ähnliches: „Mexiko spielt normalerweise aggressiv nach vorn und wollen Ballbesitz, aber diesmal haben sie sich nur auf Konter verlassen“, sagte er. Es könnte also sein, dass der mexikanische Trainer Juan Carlos Osorio am Ende den Bundestrainer Joachim Löw ausgecoacht hat.

Boateng übrigens wollte bei allem Ärger keine Kritik an seinen Vorderleute stehen lassen: „Es geht nicht um Schuld, sondern darum, die richtigen Schlüsse zu ziehen“, sagte der 30-Jährige. Sonst ist das Abenteuer Russland schneller beendet, als man sich das in Deutschland hätte je vorstellen können.

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  • ralf26 17.06.2018 21:41 Uhr
    "Wenn sich Muster wiederholen, muss man tiefer gehen. Die Trainer müssen jetzt beantworten, wie sie das lösen wollen."

    Sie müssen das nicht nur beantworten, sondern auch zeigen, dass sie das einer Mannschaft klarmachen können. Wenn nicht gegen Schweden und in der Folge in weiteren Spielen eine andere Körpersprache gezeigt wird, wird die Heimreise ganz schnell angetreten.
  • Gmeurb 17.06.2018 21:41 Uhr
    Schlüsse ziehen?
    Ist das vielleicht nach den fürchterlichen Auftritten der beiden Vorbereitungsspiele nicht etwas spät jetzt?
  • roadrunner74 17.06.2018 23:21 Uhr
    Körpersprache? Welche Körpersprache? Die sollten mal bei den Isländern vorbeischauen, das ist Körpersprache! Nicht solche Weicheier die wir jetzt in Moskau gesehen haben! Khedira und Özil (sowieso) raus! Was ist mit Müller los? Plattenhart mag man verzeihen, Werner war auch über, Draxler und Kroos überfordert. Kimmich hat hoffentlich nur einen rabenschwarzen Tag...however - die Körpersprache und die Aggressivität haben vollkommen gefehlt! Und der Wille
  • Born in Oeding 1965 18.06.2018 00:41 Uhr
    Löw raus!
  • @Jane 18.06.2018 06:32 Uhr
    Gegen eine arrogante, überhebliche Einstellung kann man als Trainer schon was machen. Es sei denn, man heisst Löw. Besonders schlimm fand ich persönlich Kroos. Der hat offensichtlich keinen Bock und ist überspielt.
    Die Deutschen waren behäbig !
  • TeCeT 18.06.2018 06:48 Uhr
    Das fühlte sich wie ein solidarisch geplanter Streik an und war einer Arbeitsverweigerung sehr nahe, ja fast schon ein kollektiver Protest bezüglich der hirnlosen Anfeindungen gegen einzelne Spieler durch Medien und Politik. So langsam glaube ich, dass die kein Bock mehr haben auf das Schmierentheater dieser einzelnen Pseudofans und Spakko-Medien, die diese tolle Mannschaft instrumentalisieren. Die halbe Welt lacht über uns Deutsche!
    Fangt endlich an diese Mannschaft und unser Land zu unterstützen. Vergesst die Meinungen irgendwelcher Vollhorsts, welche Ihr eh nicht überprüfen könnt. Glaubt nicht einfach alles ungeprüft oder zumindest hinterfragt die Dinge und hört endlich auf über das verka...te Wetter zu diskutieren. Der Engländer nennt das Fluffing und der Ami Bullshit... Wir sagen dazu totaller Schwachsinn! ... Das ist unsere Manndchaft, dass sind unsere Jungs und unser Stolz wenn wir weitere vier Jahre der Welt zeigen, was wir hier drauf haben.
    2006 war das noch spürbar, jetzt gibt es nur noch blanke Angst sich als stolzer deutscher zu bekennen.
    Ich habe ein herrliches, mexikanisches Feuerwerk gehört und keine deutschen Fans, die dagegen gehalten haben. Ganz schön armselig!!!
    Und diese neunmalklugen Schmierschranzen, checken auch nur ihren eigenen egozentrischen Kosmos voller Teletubbies. Mehr habt ihr nicht drauf?
    Ich musste bei den VERBEEK Presse-Konferenzen immer Schmunzeln wie die Presse total verunsichert das Mikro beackert haben. Geht üben Jungs, ... Setzen ... sechs!
    Adieu, bye bye und tschüss Deutschland!
    ...
    Ich drücke UNSERER Nationalmannschaft meine Daumen, dass Sie die richtige Entscheidung treffen, auch wenn es der vorgezogene Urlaub ist und kein Endspiel in RUS!!!
  • toni-milisavovski 18.06.2018 06:55 Uhr
    Endlich werden alle Defizite dieser Nationalmannschaft aufgezeigt.
    Ohne Leidenschaft kann keine WM gespielt werden.
    Vielleicht sollte der Trainer nur Spieler aufstellen die sich wie die Mexikanische Mannschaft zu 100 % für ihr Land aufreiben
  • faser1966 18.06.2018 09:06 Uhr
    Es gab aber auch schon Spieler die ihre Kollegen wach gerüttelt haben und das habe ich bei Hummels und Boateng nicht gesehen.
    Keine leader im Team.
  • Bestatter56 18.06.2018 13:26 Uhr
    in der 2. Halbzeit hat man doch gesehen, dass er immer langsamer wurde.....

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