Startseite » Fußball » 1. Bundesliga

Interview
Neururer sieht die Bundesliga in Gefahr

(28) Kommentare
neururer, neururer
Foto: firo

Geld, Taktik, Frust: Peter Neururer sieht die Bundesliga in großer Gefahr. Der Ex-Trainer von Schalke warnt vor Entfremdung zwischen Klubs und Fans.

Peter Neururer ist für seine klaren Worte bekannt wie berüchtigt. Der ehemalige Trainer von Schalke 04 und VfL Bochum, heute Experte beim TV-Sender Sport1, sieht eine große Gefahr auf den modernen Fußball zukommen: Das Jonglieren mit Euro-Millionen könnte zu einer Entfremdung zwischen Klubs und Fans führen. Bevor die Bundesliga-Rückrunde am 12. Januar losgeht, nennt Neururer die Titelrennen fast überall in Europa "sterbenslangweilig". Wir sprachen mit dem 62-Jährigen über die aktuellen Entwicklung auf dem internationalen Transfermarkt.

Herr Neururer, im Fall des Nationalspielers Leon Goretzka, der offensichtlich vor einem Wechsel von Schalke zum FC Bayern steht, werden irrsinnige Summen aufgerufen. Wie verfolgen Sie das Thema?
Dem Spieler kann man keinen Vorwurf machen. Ich kenne ihn aus meiner gemeinsamen Zeit beim VfL Bochum. Leon ist charakterlich einwandfrei, ihm geht es nicht ums Geld, ihm geht es ausschließlich um seine Karriere. Aber wenn ich daran denke, was sein Berater an einem möglichen Transfer verdient, wird mir übel.

Wieso? Gönnen Sie ihm seinen Verdienst nicht?
Doch, natürlich. Aber ich frage mich: Denkt er tatsächlich an die Karriere seines Spielers, oder hat er nur die Kohle im Sinn? Was tut er dafür, dass er bei einem Transfer auf einem Schlag Millionen verdient? Goretzka ist ablösefrei. Sie können sich vorstellen, was das heißt: Handgeld, Beteiligung am Gehalt. Im Fußball ist einfach zu viel Geld im Umlauf. Spieler sind keine Menschen mehr – sie sind eine Ware, die gehandelt wird wie Aktien. Auch auf Kosten der Klubs, die daran kaputt gehen. Es ist schon lange eine Verrohung der Sitten zu beobachten.

Sie klingen wie ein Fußballromantiker. Die Stadien in Deutschland sind doch immer noch voll, die TV-Quoten stimmen. Bis auf einige Ultrabewegungen scheint ein Großteil der Anhänger das Spiel mit zu spielen. Der Fußball boomt...
Ist das wirklich so? Man merkt doch mittlerweile überall in den Stadien, dass sich die Basis immer deutlicher abwendet von diesem Zirkus. Diese Abkehr wird von Monat zu Monat stärker, weil die Fans spüren, dass sie in diesem Milliardenspielspiel immer mehr zu lästigen Randfiguren werden. Das werden sie aber nicht mehr lange mitmachen. Ich prognostiziere: Die Straße holt sich den Fußball wieder zurück.

Die Fans spüren, dass sie in diesem Milliardenspiel immer mehr zu lästigen Randfiguren werden

Peter Neururer

Die deutschen Klubs argumentieren, dass sie das Millionenspiel mitspielen müssen, um in Europa nicht den Abstand zu Vereinen wie Paris Saint Germain, Chelsea oder Manchester City zu verlieren. Ist das aus Ihrer Sicht ein Argument?
Nein. Was passiert denn gerade dort? Die Meisterschaften sind sterbenslangweilig, weil der Titelkampf in den meisten Fällen zwischen höchstens zwei Mannschaften ausgespielt wird. In der Bundesliga ist das doch seit Jahren ähnlich. Meister wird der FC Bayern München, dann kommen noch ein, vielleicht sogar zwei Teams, die irgendwie mithalten können. Und der Rest der Klubs? Ist Fallobst, geht den Bach runter, spielt gegen den Abstieg. Ein Mittelfeld gibt es nicht mehr. Das hat mit einem gesunden und spannenden Wettbewerb nichts mehr zu tun.

Ist das ein Grund dafür, dass die Qualität in den meisten Spielen der Bundesliga eher enttäuschend ist?
Sie sagen es. Wo es keinen echten Wettbewerb mehr gibt, wird es auch keine Qualität mehr geben. Das ist ganz einfach. Und es gibt noch einen Grund, warum der Klubfußball in Deutschland nicht mehr das großartige Niveau hat wie früher.

Verraten Sie es uns?
Ich höre nur noch Doppelsechs, vertikale, horizontale Pässe. Es gibt den Begriff Packing, der besagen soll, dass man mit einem Befreiungsschlag plötzlich einen tollen Spielzug vollbracht hat, weil man mit einem einzigen Pass möglichst viele gegnerische Abwehrspieler überspielt hat. Dann gibt es eine halbe neun. Jetzt habe ich von irgendjemanden gehört, dass er eine Zwölf braucht. Da habe ich mich gefragt: Sind die jetzt völlig verrückt geworden? Was soll das bedeuten?

Der Fußball ist schneller und komplizierter geworden, die Spieler werden immer besser ausgebildet. Was haben Sie denn dagegen?
Da widerspreche ich Ihnen energisch. Die Ausbildung geschieht nach Schema F. Spieler werden heutzutage zu Stereotypen ausgebildet, dabei bleiben viele Qualitäten, die sie zu einem Topstar brauchen, auf der Strecke. Das sieht man doch in vielen Mannschaften. Da gibt es technisch starke Dribbler, aber es fehlen in Deutschland zentrale Abwehrspieler und Spieler auf der linken defensiven Seite.

Wollen Sie die Uhr am liebsten zurückdrehen? Sehnen Sie sich nach dem alten Fußball?
Nein. Aber das viele Geld und die Verwissenschaftlichung des Fußballs sorgen dafür, dass sich der Sport immer weiter von der Basis entfernt. Irgendwann verstehen das die Leute in der Kurve nicht mehr. Sie fühlen sich nicht mitgenommen und distanzieren sich von den Spielern und den Klubs. Das wäre das Ende für diesen wunderschönen Sport. Ich befürchte: Wenn das auf Dauer so weitergeht, geht der Fußball kaputt.

(28) Kommentare

RevierSport Fussballbörse

Verein sucht Trainer
Spieler sucht Verein
Verein sucht Spieler
Verein sucht Spieler
Testspielgegner gesucht
Testspielgegner gesucht
Testspielgegner gesucht
Testspielgegner gesucht
Verein sucht Spieler
Testspielgegner gesucht

1
2
3
4
5
1
2
3
4
5
1
2
3
4
5

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

RevierSport auf Schalke
die Facebookseite für alle Schalke-Fans
RevierSport anne Castroper
die Facebookseite für alle Bochum-Fans

KOMMENTARE

Hinweis:
Um Kommentare schreiben zu können, musst du eingeloggt sein. Falls du noch nicht angemeldet bist, kannst du dich hier kostenlos anmelden.

Login via Facebook

Der Login via Facebook erleichtert Ihnen die Anmeldung
  • Schullek 02.01.2018 18:08 Uhr
    Jetzt echt zu jedem Thema ??? Boah Peddar...
  • rwebvb 03.01.2018 00:22 Uhr
    Man kann ja über Peter Neururer denken, was man will, aber so abwägig finde ich das gar nicht, was er da von sich gibt.Es gibt tatsächlich vielleicht drei Mannschaften in der Bundesliga, die finanziell und sportlich mit den europäischen Spitzenvereinen mithalten können. Wenn das so weiter geht, dann kann sich jeder Zweitligist den Aufstieg klemmen, denn er hat sowieso nicht genug Geld um sehr gute Bundesligaspieler zu verpflichten, es sei denn das diese Aufsteiger einen richtig reichen Sponsor im Rücken haben. Man muß doch nur mal hinsehen, was in der 4. Liga passiert. Da kommt ein Russe und kauft für Uerdingen mal eben gestandene Zweit- und Drittligaspieler, nur so als Beispiel. Selbst hier können Mannschaften, die nicht die finanziellen Mittel haben, nicht mehr sportlich mithalten. Nur mal so ans Anmerkung: Muss das wirklich sein, das ein Fussballspieler so viel Geld verdient? Wir malochen in der Wirtschaft zum Vergleich zu einem Hungerlohn und halten 35 oder mehr Stunden die Woche die Knochen hin. Das ist jetzt kein Neid, aber wo bleibt hier die Relation zur Leistung?
  • asaph 03.01.2018 08:09 Uhr
    Wie schon gesagt liebe FB-user.
    Ihr solltet einfach mal die Klappe halten!!!
    Peter hat vollkommen Recht:
    Und Ich hoffe sogar, daß der Fussball den Bach runter geht und mit ihm die ganzen Schmarotzer , Korrupten, Geldsäcke u.ä.
    Und daß wir zum Fussball der 70er zurückkehren!
  • via Facebook: Thor Lei 02.01.2018 17:17 Uhr
    Oh nein nicht schon wieder der.... Ist das der einzige der nicht im Urlaub ist... Sondern auf pressesuche?
  • via Facebook: Udo Dreier 02.01.2018 17:18 Uhr
    Trainergott Pedda. Wieder einmal auf den Punkt. In der Kürze kann es keiner besser analysieren
  • via Facebook: Karin Struck 02.01.2018 17:20 Uhr
    Wichtigtuer muß überall seinen Senf zu tun
  • via Facebook: Thomas Starke 02.01.2018 17:21 Uhr
    Der mus ne Senffabrik haben das er so viel desgleichen überall hinzufügen kann
  • via Facebook: Tom Brand 02.01.2018 17:21 Uhr
    Peter der Große tut sich mal wieder wichtiger und größer als er ist. Inhaltlich größtenteils sehr romantische Ansichten, allerdings ohne Hand und Fuß.
  • via Facebook: Roman Hohendahl 02.01.2018 17:23 Uhr
    Die Bundesliga macht sich Sorgen um Peter Neururer
  • via Facebook: Uwe Klaes 02.01.2018 17:30 Uhr
    Jeden Tag darf er seinen Müll abladen.
  • via Facebook: Ju Le 02.01.2018 17:32 Uhr
    Ach dem Peter ist zuviel Geld im Umlauf..... Wie hat er denn seine Brötchen Bitteschön verdient.... Schwachsinn seine Aussagen!!!!
  • via Facebook: Armin Kode 02.01.2018 17:38 Uhr
    Leidet der Herr mittlerweile an Paranoia? Überall sieht er Gefahren und Untergänge (siehe Bochum).
  • via Facebook: Detlef Dahlbeck 02.01.2018 17:40 Uhr
    Hier sprechen „echte Fans“😂😂😂
  • via Facebook: Reinhard Becky Beckmann 02.01.2018 17:50 Uhr
    Achtung, Peter schlägt Alarm.😂😂😂
  • via Facebook: Frank Nuess 02.01.2018 17:54 Uhr
    Wer regelmäßig zum Fussball fährt weiss was Peter meint und er hat zu 100 % Recht; ich fahre seit über 40 Jahren und jeder der hier über Peter herzieht hat keine Ahnung von der Basis und sollte weiterhin Fussball auf TV gucken
  • via Facebook: Christian Kusch 02.01.2018 17:55 Uhr
    Wann war der nochmal Trainer auf Schalke 🤔
  • via Facebook: Martin Eichholz 02.01.2018 17:56 Uhr
    Du würdest die Kohle auch mitnehmen aber deine Zeit ist vorbei .
  • via Facebook: Ralph Mikoleit 02.01.2018 18:08 Uhr
    Peter schreibt bald ein Buch: 'der Fußball und mich' ( das dickste Fußball-Buch der Welt )
  • via Facebook: Christoph Kühnemund 02.01.2018 18:13 Uhr
    In dwm Fall geb ich der Labertasche Recht. Aber er ist auch nicht der Erste der es anspricht.
  • via Facebook: Roman Woh 02.01.2018 18:22 Uhr
    Ist euch das nicht langsam peinlich Reviersport? Fragt doch mal jemanden, der wirklich was vorzuweisen weiß. Und nicht jemanden der seid Jahren verzweifelt einen neuen Arbeitgeber sucht und nur noch dadurch auffällt, das er kontinuierlich bull shit von sich gibt.
  • via Facebook: Achim Sabel 02.01.2018 18:59 Uhr
    Auch wenn ich für den Schlauschwätzer keine Sympathien hege, aber hier hat er zu 100% den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Fußball der 1+2 Liga verkommt ebenso wie die europäischen Wettbewerbe zum "Langweiler". Selbst bereits die Konsequenzen gezogen und Sky gekündigt.
  • via Facebook: Skoda Franz Josef 02.01.2018 20:02 Uhr
    Peter wer????
  • via Facebook: Dirk Moldenhauer 02.01.2018 23:17 Uhr
    100% Recht hat der Peter.
  • via Facebook: Markus Jilg 03.01.2018 00:36 Uhr
    Ja richtig. Und wenn die demnächst noch anfangen, überhaupt keine Vereine mehr aus der Regionalliga in den Profi-Fußball hoch zu lassen, wird das sicher noch besser... Es ist genau das eingetreten, was mit Einführung der Champions-League prophezeit wurde (zum Beispiel von allen außer den Bayern): die Top15 in Europa haben sich komplett oben abgesetzt und teilen sich die tollen Fernseh-Mrd. Jahr für Jahr unter sich auf und sind in der Meisterschaft national komplett konkurrenzlos. Im Grunde muss man ja schon die 50+1-Regel kippen, um überhaupt nochmal Spannung rein kriegen zu können. Sonst hat Bayern die Meisterschaft im Grunde auf ewig gewonnen, wenn sie sich nicht völlig blöd anstellen. Früher konnte ich von Fußball nicht genug bekommen. Aber mittlerweile spielen die Top-Mannschaften, wie auch die mäßigen Teams alle so ähnlich (und letztere erfolglos), dass mich die Bundesliga nicht mehr interessiert, internationale Spiele kann man auch meist nur Mittwoch ein paar sehen, ergo bleiben noch Länderspiele und der Amateurfußball. Ob das der "ehrlichere" Fußball ist, lasse ich mal dahingestellt, aber dort ist es zumindest spannender.
  • via Facebook: Ingo Dienhardt 03.01.2018 09:18 Uhr
    Mensch Peter. Wir wissen doch alle, dass Du der Klügste und Beste bist. Eben ein Fussball-Professor. Jetzt gehe aber endlich in Rente. Oder anders: Halts Maul und spiel Golf.
  • via Facebook: Stefan Köhler 03.01.2018 09:34 Uhr
    Neururer hat vollkommen Recht. Es ist zu viel Geld und zu wenig Sport im Fussball. Die Klubs interessieren sich nicht mehr für die echten Fans in der Kurve. Im Fokus stehen Fernsehgelder, "Fan"-artikelverkäufe und VIP-Logenmieter. Horrende Ablösesummen, zu hohe Spielergehälter und zu teure Eintritsspreise für vermeintliche Topspiele. Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.
  • via Facebook: Siegbert Rasche 03.01.2018 12:02 Uhr
    Allein die Ansetzungen von Freitags bis Montags sind für viele Fans eine Farce. Man hat auch noch ein Leben neben dem Fußball. Familie, Arbeit usw. Diese DFL und der DFB sägen an dem Ast auf dem sie sitzen. Wenn die Fans zu Hause bleiben sehen die Chinesen, oder besser gesagt alle Asiaten, nur noch leere Stadien. Mit der Vermarktung ist dann Feierabend.
  • via Facebook: Herbert Brüser 03.01.2018 16:04 Uhr
    Der Prozess ist schon im Gange und ist nicht aufzuhalten

RevierSport Digital

Im günstigen Abo oder als Einzelheft

Jeden Montag und Donnerstag Fußball ehrlich und echt von der Bundesliga bis zur Bezirksliga. Im günstigen Abo oder als Einzelheft auf ihrem PC, Mac oder mobilem Endgerät.