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Manipulation im Amateurfußball
Das große Gemauschel

(28) Kommentare
NK Croatia Essen, NK Croatia Essen
Foto: Foto: Tillmann

In den Amateurfußball-Ligen werden Spiele am Saisonende auch verkauft. So werden Saison-Abschlusspartys oder gar Touren zum Ballermann finanziert.

Plötzlich gewinnt der Fünfzehnte mit 3:0 gegen den Dritten, obwohl der Abstiegskandidat seit Wochen einem Erfolgserlebnis hinterherrennt. Aus einer deutlichen Halbzeitführung entsteht noch eine unerklärliche Niederlage. Hatte dies etwas mit dem Halbzeit-Besuch des gegnerischen Obmanns in der Kabine zu tun? Willkommen im Amateurfußball.

Hinweis: Hier jubelt der NK Croatia Essen im Staub und mit Bier - ein Verein von dem keine Manipulationen bekannt sind!

Die Kreisliga kennt viele Mythen. Zum Fußballsonntag auf den Aschenplätzen gehören greise Schiedsrichter, übergewichtige Liberos sowie die Kippe und das Pils danach. Aber auch: Schattenseiten am Saisonende. Es wird gemauschelt – und das funktioniert, weil niemand darüber spricht. Kaum ein Kreisliga-Kicker gibt zu, selbst schon mal an einer Wettbewerbsverzerrung beteiligt gewesen zu sein. Aber bei anderen Klubs? Klar, davon hat jeder schon mal gehört...

Eine Studie zum Thema: Im Jahr 2011 ergab eine Online-Umfrage des Sportwissenschaftlers Werner Pitsch, dass jeder Siebte der 416 Amateurfußballer und -fußballerinnen, die sich befragen ließen, selbst von Spielabsprachen betroffen gewesen ist. „Das ist ein Ergebnis aus der Saison 2009/10. Zu dieser Thematik ist das die aktuellste Studie“, erklärt Pitsch.

Die Fakten belegen dies: Im Jahr 2011 ermittelte Sportwissenschaftler Werner Pitsch in einer Online-Umfrage, dass das große Gemauschel ein Thema im Amateurfußball ist. Das will Wolfgang Jades, Vorsitzender des Fußballverbandes Niederrhein, so nicht stehen lassen: „Natürlich hört man, dass da an den letzten Spieltagen viel Bier durch die Welt geschickt wird. Doch beweisen kann man das nicht. Denn es finden sich keine Zeugen für solche Dinge. Früher war das Problem viel gravierender. Heute sprechen wir nur von Einzelfällen.“

Bier macht manches möglich

Für ein paar Kisten Bier und hundert Euro ist vieles möglich. Der ehemalige Bundesligaprofi Steffen Karl, der für Borussia Dortmund und Hertha BSC spielte, war im Jahr 2011 Präsident und Spieler des Chemnitzer Kreisligisten Viktoria Einsiedel und soll Drahtzieher des für 150 Euro und zwei Kisten Bier gekauften 9:2 gegen den BSC Rapid Chemnitz II gewesen sein. Karl, der bereits 2005 gestanden hatte, in den Skandal um den ehemaligen Profi-Schiedsrichter Robert Hoyzer verstrickt gewesen zu sein, bestritt dies. Trotzdem wurden dem Karl-Klub zur neuen Saison 25 Punkte abgezogen.

Natürlich hört man, dass da an den letzten Spieltagen viel Bier durch die Welt geschickt wird

Wolfgang Jades, Vorsitzender des FVN

In der Regel bleiben solche Fälle im Verborgenen. Typisch Kreisliga: So etwas behält die Amateurfußball-Familie für sich – eine Art Ehrenkodex. Die üblichen Schiebereien zum Saisonende gelten intern als Kavaliersdelikte. Trotzdem ist der Aufschrei groß, wenn eine Spielmanipulation mal öffentlich wird. So erschütterte im September 2014 der Fall Slavko Franjic den Amateurfußball im Revier. Der damalige Trainer des Mülheimer Klubs TB Heißen wurde für ein ganzes Jahr gesperrt. Was war passiert? Die Heißener waren in der Spielzeit 2010/11 von der Kreisliga B in die Kreisliga A aufgestiegen. Im Saison-Endspurt soll der Coach mehrmals versucht haben, gegnerische Mannschaften zur Manipulation anzustiften. Der 1. FC Mülheim II hatte das Verfahren vor der Verbands-Spruchkammer ins Rollen gebracht.

Am Ende wollen alle feiern

So läuft es regelmäßig. Für den einen Verein geht es um nichts mehr, für den anderen um Meisterschaft oder Abstieg. Da kommt dann gerne mal ein unmoralisches Angebot. Außerdem wird auch mit Prämien gearbeitet: Ein Verein, für den noch jeder Punkt wichtig ist, bezahlt einen anderen Klub für dessen Sieg über einen Konkurrenten. Nur eine Motivationsspritze? Oder auch Mauschelei?

„Wir sollten alle aufhören, die Heiligen zu spielen“, sagt ein 55-jähriger Trainer aus dem Essener Amateurfußball, der namentlich nicht genannt werden will. „Ich habe schon immer am Ende der Saison verschoben und werde es auch weiter machen, wenn es noch um etwas geht. Alle machen das. Wer behauptet, dass er noch nie in so eine Geschichte verwickelt war, der lügt. Schließlich wollen wir am Ende alle eine große Sause feiern. Am besten am Ballermann.“

Geht so ein Deal auf, feiern alle Beteiligten. Mythos Kreisliga.

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Kurz Notiert / Amateurfußballnews

KOMMENTARE

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  • Catweezle 25.05.2016 08:49 Uhr
    Genauso sieht es aus. Auch zu meiner aktiven Zeit in den 90gern.
    Da wir geschoben und betrogen. Waren damals mit meinem Verein 2. und der 1. hatte 1 Punkt Vorsprung. Zur Halbzeit lag der Tabellenführer beim Gegner mit 0:2 hinten. Wir hatten extra einige Betreuer zum speil geschickt, um uns über den aktuellen Stand immer zu informieren. Was passierte nun in der HZ? Ein Betreuer des Tabellenführers ging in die Kabine des Gegner und siehe da? Das spiel ging noch 2:9 für den Tabellenführer aus.
    Aber das geschieht nicht nur in den Kreisligen, Beziks- und Landesligen.
    Wie erklärt man sich denn Plötzlich die Heimniederlage von gladbach 2 gegen RW Ahlen?
  • 25.05.2016 11:32 Uhr
    Das Foto soll wohl eindeutig zweideutig sein
  • Alfter1962 25.05.2016 12:58 Uhr
    Zitatgeschrieben von RWE-Nate

    Das Foto soll wohl eindeutig zweideutig sein


    Bei der Auswahl des Fotos, hatte man in der Redaktionssitzung sicher viel Spaß. Zwinker
  • marco-f-l 27.05.2016 11:27 Uhr
    Ich weiß ja nicht. Also wir haben 2009/2010 in der Bezirksliga in den letzten 4 Spielen 3 gewonnen. Darunter gegen den Ersten und Dritten. Und da war nichts gekauft. Vielleicht gibt es dieses Phänomen ja echt, dass Abstiegskandidaten, dann die Zweite Luft bekommen.

    Das Einzige was ich kenne, wenn ein Aussenstehender einer Mannschaft als Siegprämie bietet. Find ich sogar gar nicht übel.
  • via Facebook: Rafael Berndt 25.05.2016 11:19 Uhr
    Niclas Müller
  • via Facebook: Stjepan Pepi 25.05.2016 11:20 Uhr
    Wäre nett, wenn man dem Artikel die gleiche Bildunterschrift hinzufügen würde, die auch offline steht: "Hier jubelt der NK Croatia Essen im Staub und mit Bier - ein Verein von dem keine Manipulationen bekannt sind." Danke.
  • via Facebook: Thivi Pharathithasan 25.05.2016 11:29 Uhr
    Gabriel Bittencourt Miguel Lopes Ferreira Rico LF Christoph Kattner Meikel da Silva OC André Daniel Vasconcelos sollten wir delhoven mal drauf verlinken
  • via Facebook: Yannick Joachim 25.05.2016 11:34 Uhr
    Robin Riethling ließ mal bitte durch
  • via Facebook: Dominik Cappell 25.05.2016 11:39 Uhr
    Sommerlochjournalismus
  • via Facebook: Oliver Friede 25.05.2016 11:39 Uhr
    Jonas Schlüter
  • via Facebook: Niklas Feldhaus 25.05.2016 11:50 Uhr
    Henrik Elemans Jonas Prus lesen!
  • via Facebook: Dali Bor 25.05.2016 12:01 Uhr
    Bin mir zu 100% sicher das es in den Kreisligen zu gewissen "Verschiebungen" kommt, doch finde ich das Foto des NK Croatia Essen in diesem Kontext in Verbindung zu bringen diffamierend!!!
  • via Facebook: Kevin Vössing 25.05.2016 12:02 Uhr
    Ich kenne ne Mannschaft die in die Relegation kommt durch Betrug.
  • via Facebook: Johannes Von Astnithi 25.05.2016 12:36 Uhr
    Grenzt schon wieder an rufmord, solch eine Schlagzeile mit einem Bild eines bestimmten Vereins zu verknüpfen, reviersport!!
  • via Facebook: Stefan Ce 25.05.2016 12:54 Uhr
    Mal abgesehen von der hier angesprochenen Manipulation werden Wettbewerbsverzerrungen doch von den Verbänden Jahr für Jahr durch nicht nachvollziehbare Regelungen gefördert. Stichwort "festspielen"... Erste Mannschaften, die in ihrer höherklassigen Liga nur noch um die goldene Ananas spielen schieben die Spieler regelmäßig runter um die zweite Mannschaft vor einem eigentlich sicheren Abstieg zu retten. Ich spreche nicht von Spielern, die sich nach einer Verletzung etwas Spielpraxis holen. Und so kommt es dann am fünftletzten Spieltag zum Showdown und es stehen 5,6 Spieler im Aufgebot der zweiten 😉. Passiert aber auch im Verlauf einer langen Saison, da man ja nur 5 Tage "festgespielt" ist wenn man vorher in der ersten gespielt hat. Macht Sinn, wenn man bedenkt das die Spieltage meist 7 Tage auseinander liegen. Der Betroffene Verein, der dieses Schlupfloch, gerade am Ende einer Saison ausnutzt, feiert sich dann für seine Cleverness und holt die nötigen Punkte. Kein Vorwurf an die Vereine die es so handhaben. Aber diese Regelung ist meiner Meinung nach die viel größere Manipulation die sogar vom Regelwerk unterstützt wird...
  • via Facebook: Andreas Richter 25.05.2016 12:56 Uhr
    Sascha Kuhle
  • via Facebook: Stipe Mes 25.05.2016 13:02 Uhr
    Sehr geehrter Herren von Reviersport ich möchte Sie eindringlich bitten das Bild unseres Vereins NK Croatia aus diesem Beitrag mit dem Kontext „Manipulation“ zu entfernen. Dies ist aus dem Zusammenhang gerissen und entfremdet das eigentliche Ereignis eines freudigen Torjubels NK Croatia gegen VFB Essen Nord. Ihr Verständnis in diese Angelegenheit setze ich voraus.
  • via Facebook: Pierre Giacomo Tom Poßberg 25.05.2016 13:08 Uhr
    Lächerlich !
  • via Facebook: Michael Ternes 25.05.2016 13:40 Uhr
    Der Artikel spiegelt nicht detailliert das wieder, was er eigentlich darstellen könnte. Man muss hier den Artikel in 2 Abschnitte unterteilen. Zum einen , dass Spiele ( so hört man) tatsächlich direkt durch den direkten Spieltagsgegner gekauft und somit tatsächlich verschoben wird, aber zweitens auch die Spiele, bei denen einer Mannschaft Bier darfür in Aussicht gestellt wird, wenn sie gegen den Gegner im Auf- oder Abstiegskampf nochmal alles in die Waagschale werden und somit der eigenen Mannschaft zum Erfolg verhelfen. Eine Bestechung des gegeners gegen den man selber spielt geht gar nicht und sollte bei bekannt werden intensivst bestraft werden. Wenn ich aber Verein A, der gegen das Team spielt, was einen Punkt vor meiner Mannschaft im Kampf um den Aufstieg spielt eine gewisse Biermenge zur Verfügung stelle, wenn sie nicht verlieren, hat das für mich nichts mit manipulation zu tun, sondern eher ein legitimer Anreiz. Hierüber gibt es sicherlich auch mehrere Meinungen , die ich alle akzeptiere..
  • via Facebook: Alexander Geßen 25.05.2016 16:02 Uhr
    Pato Schaffrato
  • via Facebook: Torsten Kcolb 25.05.2016 16:22 Uhr
    Wurde schon vor 20 Jahren gemacht
  • via Facebook: Sven Heid 25.05.2016 17:08 Uhr
    Warum wird die Mannschaft dann gezeigt auf dem Bild? Ist irgendwie merkwürdig und vermittelt einen falschen Eindruck zu dieser Mannschaft, finde das Rufschädigend
  • via Facebook: Andreas Stephan 25.05.2016 18:29 Uhr
    ...und wenn ich den Umgang mit stillen Prämien und dem Steuersystem hinzu füge, dann sind die Absprachen lediglich die Spitze des dreckigen Geschäft 's!
  • via Facebook: Michael Berghüser 25.05.2016 18:46 Uhr
    Fragen sie mal beim TuS Haltern....der hat 2006/07 gut für den Klassenerhalt in der Bezirksliga "investiert" ,und dem Herrn Christoph Metzelder haben sie weissgemacht,er würde Steuernachzahlungen ausgleichen,als er 2008 die Schulden bezahlt hat.... es ist sogar bekannt,das die Spieler Brian B. und Björn K. von einem Marler Verein die Hand für eine absichtliche Niederlage gegen Tus Haltern am letzten Spieltag aufgehalten haben...SAUEREI !!!
  • via Facebook: Erdal Özcelep 25.05.2016 20:06 Uhr
    Haben die Deutschen Medien was wieder zu berichten....Der beste war immer noch Herr Heuser....Beste Schiedsrichter....
  • via Facebook: Arnd Timp 25.05.2016 21:05 Uhr
    Das sind Kotelett Spiele. Wer noch kennt diesen Ausdruck ?
  • via Facebook: Dietmar Bickmann 26.05.2016 11:05 Uhr
    Ich war bei mehreren geschobenen Spielen dabei. Sowohl als Aktiver als auch als Reporter.
  • via Facebook: Siggi Orth 26.05.2016 12:08 Uhr
    von wegen , nur der Amateur Fußball, möchte nicht wissen wer so alles in der Bundesliga, beschissen hat und das nicht erst seid gestern....

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