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Ex-BVB-Coach
Doll hat sein Trainer-Glück in Ungarn gefunden

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Thomas Doll, Thomas Doll
Foto: firo

Thomas Doll liebt Hamburg und den HSV, seinen Trainertraum lebt er aber in Budapest. Auf dem Weg zum Meistertitel kann ihn nicht einmal mehr das Ordnungsamt aufhalten.

Welcher Fußballfan erinnert sich nicht an die legendäre Pressekonferenz von Thomas Doll? Am 23. April 2008 hatte Doll die Faxen so richtig dicke. Die Presse kritisierte die Mannschaft des damaligen Trainers von Borussia Dortmund, und Doll brach aus wie ein Vulkan. „Da lach' ich mir doch den Arsch ab“, lautete einer der wahrscheinlich bis heute legendärsten Sätze, die auf einer Pressekonferenz gefallen sind. Diese Zeiten des manchmal aufbrausenden Ex-Nationalspielers gehören längst der Vergangenheit an. Doll ist heute ein besonnener 50-jähriger erfolgreicher Fußballtrainer. In der ungarischen Hauptstadt Budapest wird „Dolly“ nicht aufgrund seiner starken Worte, sondern Taten gefeiert. Die Fans des „FC Bayern Ungarns“, Ferencváros Budapest, verehren Thomas Doll und sein deutsches Trainerteam um Assistent Ralf Zumdick sowie Nachwuchschef Theo Schneider. FUNKE Sport sprach mit Doll über den Erfolg mit „Fradi“ (so wird Ferencváros in Ungarn genannt), eine mögliche Bundesliga-Rückkehr, seine Liebe zum Hamburger SV und warum ihn eine Tiefgarage in Ungarns Hauptstadt vollends zufrieden macht.

Thomas Doll, im Mai 2015 feierten Sie den ungarischen Pokalsieg. Dürfen wir nun zur 29. Meisterschaft von „Fradi“ gratulieren?
Nein! Dagegen wehre ich mich vehement. Wir haben zwar 18 Punkte Vorsprung, aber auch noch 14 Spiele vor der Brust. Klar ist aber auch, dass wir die Fradi-Fans beglücken wollen. Der Klub wartet seit 2004 auf den nationalen Titel. Diesen wollen wir holen und uns letztendlich auch für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren.

Seit Sie da sind, geht es mit Ferencváros stetig bergauf. Wo liegt der Schlüssel des Erfolges?
Ich habe hier im Dezember 2013 einen Vertrag unterschrieben, mit dem Ziel, etwas aufzubauen. Die Verantwortlichen haben uns als Trainerteam vom ersten Tag vertraut und auch Entscheidungen akzeptiert, die für manche Personen nicht schön waren. Das gehört einfach dazu, wenn man Erfolg haben will. Als ich hierher kam, hatten wir keinen einzigen Nationalspieler im Kader. Aktuell sind es sieben ungarische A-Nationalspieler, die aller Voraussicht nach auch zur EM fahren werden. Zudem haben die Klubbosse viele Transfers bewilligt und die Rückholaktionen von Zoltan Gera oder Tamas Hajnal unterstützt. Das war sehr wichtig im Zuge des Aufbaus eines starken Kaders.

Wie weit ist Ihre Mannschaft von Europa oder der Bundesliga entfernt?
Das ist schwer zu sagen. Solche Vergleiche mag ich eigentlich auch gar nicht. Wir orientieren uns fußballerisch schon an Mannschaften wie Bayern oder Dortmund. Wir favorisieren den druckvollen, schnellen Offensivfußball. Natürlich machen das die Bayern oder Dortmunder noch ein Stück besser als meine Mannschaft. Ich denke, dass wir in der Bundesliga eine realistische Chance auf den Klassenerhalt hätten.

Mein Erst-Wohnsitz ist immer noch Hamburg. Ich liebe die Stadt und den HSV. Wenn ich die Ergebnisse studiere, dann schaue ich zuerst, was der HSV gemacht hat

Thomas Doll

Stichwort Bundesliga: Wann sehen wir Thomas Doll wieder in Deutschland?
Da bin ich mittlerweile ganz entspannt. Nicht allzu lange her gab es eine Anfrage aus der Bundesliga und sogar eine Möglichkeit, eine Nationalmannschaft zu übernehmen. Aber diese Dinge interessieren mich im Moment wenig, sind aber natürlich eine schöne Anerkennung der guten Arbeit. Mein Vertrag in Budapest läuft noch bis zum Sommer 2017. Ich konzentriere mich aktuell nur auf Ferencváros und die Weiterentwicklung. Denn hier ist mit der tollen Stadt, dem wunderschönen Stadion und den heißblütigen Fans noch einiges möglich.

Nichtsdestotrotz dürften Sie die Bundesliga verfolgen. Denn die Raute tragen Sie doch immer noch im Herzen, oder?
Natürlich. Daraus mache ich auch keinen Hehl. Ich hatte beim Hamburger SV eine wunderschöne Zeit als Spieler und Trainer. Mein Erst-Wohnsitz ist immer noch Hamburg. Ich liebe die Stadt und den HSV. Wenn ich die Ergebnisse studiere, dann schaue ich zuerst, was der HSV gemacht hat. Ich wünsche meinem Kumpel Didi Beiersdorfer und dem HSV nur das Beste.

In Dortmund waren Sie auch Trainer und haben mit der legendären PK für Aufsehen gesorgt. Bereuen Sie die Worte heute?
Ach, nein. Bereuen ist das falsche Wort. Ich wollte mich damals hinter die so sehr kritisierte Mannschaft stellen und einfach die Spieler beschützen. Über die Wortwahl kann man sich streiten. Ich war da auch einige Jahre jünger und anders drauf als jetzt. Heute würde ich die Dinge auf einer Pressekonferenz aber sicherlich anders ansprechen bzw. formulieren (lacht).

Lachen können Sie doch sicherlich auch über Ihr größtes Problem in Ungarn…
Ja, mein Knöllchen-Problem. Das ist mittlerweile gelöst. Denn jetzt habe ich eine Tiefgarage gemietet und muss den Wagen nicht mehr am Straßenrand abstellen. So gibt es vom Ordnungsamt auch keine Strafzettel mehr. Ich kann versichern, dass ich da einige von gesammelt habe. Aber mit der Tiefgarage ist jetzt alles schön. Ich bin sehr glücklich in Budapest.

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