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So kaufen die Scheichs der Golfstaaten die Fußball-Welt

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Foto: firo

Als der Ghanaer Eric Ocansey und der Nigerianer Henry Chukwuemeka Onyekuru ablösefrei zur KAS Eupen wechselten, war das kaum eine Nachricht wert.

Für Fußballer aus Afrika ist die zweite belgische Liga keine ungewöhnliche Station. Ocansey und Onyekuru aber kamen von Aspire Senegal – und damit war es dann doch ein ungewöhnlicher Vorgang. Ocansey und Chukwuemeka sind zwei von neun Akteuren bei der KAS Eupen, die von Aspire Senegal kamen, drei weitere Spieler stammen aus Afrika und haben als frühere Station die Aspire Academy in Doha stehen. Sechs Teammitglieder stammen aus Katar.

Eine ungewöhnliche Häufung, aber kein Zufall: Seit 2012 ist die KAS Eupen ein Farm Team Katars. Hier sollen Talente Spielpraxis sammeln, die zuvor im Senegal oder der Aspire Academy in der katarischen Hauptstadt Doha ausgebildet wurden - einem gigantischen, für eine Milliarde Euro in die Wüste der arabischen Halbinsel gestampften Sportkomplex. Sieben Fußballfelder gibt es hier, außerdem Tennis- und Squashplätze, Laufbahnen, verschiedene Sporthallen, Laboratorien, Krafträume, ein olympisches Schwimmzentrum – und ein Indoor-Sportstadion, das zu den weltweit größten Anlagen dieser Art gehört. 2008 kam der Ableger im Senegal hinzu. 1500 Trainer und Scouts sichten seitdem den afrikanischen Nachwuchs, der dann mehrere Jahre an der Akademie ausgebildet wird – und später bei der KAS Eupen oder dem österreichischen Zeitligisten LASK Linz Spielpraxis sammeln soll.

400 Millionen jährlich an europäische Spitzenklubs

Das kleine Emirat Katar drängt mit Macht und viel Geld in den internationalen Sport, insbesondere in den Fußball. Jüngster Beleg: Der internationale Flughafen von Doha schloss einen Sponsorenvertrag mit dem FC Bayern München ab , der ebenso wie Schalke 04 schon mehrere Trainingslager in der Aspire Academy absolviert hat. 40 Millionen Euro soll der Vertrag wert sein. Jährlich sind das 5,8 Millionen Euro – Peanuts im Vergleich zu dem, was Katar und andere Golfstaaten sonst noch in den europäischen Fußball pumpen: Nach Recherchen dieser Redaktion wurden in den vergangenen zehn Jahren Sponsoringverträge über mehr als zwei Milliarden Euro abgeschlossen, knapp 400 Millionen Euro fließen jährlich an europäische Spitzenklubs.

Champions-League-Sieger FC Barcelona etwa, früher stolz auf seine sponsorenfreie Trikotbrust, macht seit 2011 Werbung zunächst für die Qatar Foundation, dann für Qatar Airways – denn das bringt 30 Millionen Euro im Jahr.

Noch einen Schritt weiter ging man beim französischen Spitzenklub Paris St. Germain, den die Investorengruppe Qatar Sports Investments (QSI) 2011 kurzerhand aufkaufte. 360 Millionen Euro wurden seitdem in den Kauf neuer Superstars gesteckt hat. Die Regeln des Financial Fair Play, wonach Klubs nicht mehr ausgeben als einnehmen dürfen, schert dabei wenig – denn praktischerweise fand sich ein Großsponsor, der ganz zufällig ebenfalls in Katar beheimatet ist: die Qatar Tourism Authority, die über vier Jahre hinweg 600 Millionen Euro in den Verein pumpte.

Die beste Fluglinie der Welt?

"Ein Stück weit geht es darum, sich als Land der Welt zu präsentieren: Wir sind hier und wir unterstützen den Sport", erklärt Simon Chadwick, Professor für Sportwirtschaft an der University of Salford in Manchester. "Und bei Qatar Airways und dem FC Barcelona geht es natürlich auch um einen Image-Transfer: Durch den besten Klub der Welt sollen die Leute denken, Qatar Airways sei die beste Fluglinie der Welt."

Auf die Idee ist aber auch die Konkurrenz vom Golf schon gekommen. Für 25 Millionen Euro im Jahr ist auch die Fluglinie Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Paris engagiert - nur ein Teil ihres beeindruckenden Sportfolios: 20 europäische Spitzenklubs werden gesponsort, in allen großen europäischen Ligen ist man vertreten. Real Madrid, der AC Mailand, Sporting Lissabon – sie alle rufen per Trikotwerbung dazu auf, mit der Gesellschaft aus Dubai zu fliegen. 200 Millionen Euro über fünf Jahre kassiert der FC Arsenal dafür, dass er zudem im Emirates Stadium spielt. Mindestens einmal im Jahr treten die Londoner im Etihad Stadium an – die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi sponsort Manchester City mit 400 Millionen über zehn Jahre. Längst gehört der Verein Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, einem Mitglied der Herrscherfamilie.

Die Golfstaaten und ihre quasistaatlichen Fluglinien stellen sich auf für die Zeit, in der die Petrodollars nicht mehr sprudeln. Denn noch hängen die Volkswirtschaften extrem am Öl, in Zukunft will man vor allem am Tourismus verdienen. Doch das ist nicht alles: "Natürlich geht es da auch um Einfluss", erläutert Chadwick, der auch Katar bei der Vorbereitung der WM 2022 berät. "Wenn dir Paris St. Germain gehört, kannst du automatisch den französischen Fußballverband beeinflussen. Damit beeinflusst du die Uefa und damit dann auch die Fifa." Und damit ist man Teil von wichtigen politischen und wirtschaftlichen Netzwerken.

Wirtschaftliche und politische Beziehungen

In Kontinentaleuropa geht das vor allem über den Fußball. Anderswo werden auch Tennis- und Golfturniere sowie Formel-1-Rennen gesponsort, in England spielt der Nationalsport Cricket eine große Rolle. Selbst die außerhalb Irlands kaum verbreitete Sportart Hurling wurde zuletzt mit fünf Millionen Euro über fünf Jahre bedacht. „Etihad Airways stärkt seine Verbindungen zu Irland“, verkündete man damals per Pressemitteilung und machte verhältnismäßig unverhohlen deutlich, worum es geht: wirtschaftliche und politische Beziehungen. Und darum, die Golfstaaten auf der Weltkarte des Sports zu platzieren.

Geld spielt dabei kaum eine Rolle. Im Handball waren es sicher nicht nur gute Worte, mit denen sich Katar eine Nationalmannschaft mit zahlreichen gebürtigen Europäern zusammenstellte und 2015 beim Turnier im eigenen Land Platz zwei erreichte. Nicht nur Spieler, auch feiernde Zuschauer importierte das Emirat damals aus Europa, Journalisten wurden außerdem Anreise und Aufenthalt bezahlt.

Der deutsche Profifußball ist noch weitgehend scheichfrei, lediglich der HSV ist für 7,5 Millionen Euro im Jahr Emirates-Werbeträger. Beim ewig kriselnden Zweitligisten 1860 München kaufte sich der jordanische Geschäftsmanns Hasan Ismaik ein und steckte etwa 50 Millionen Euro in den Verein. „Mir ham nen Scheich, mir san jetzt reich“, sangen die Fans in einer Mischung aus Selbstironie und freudiger Erwartung, träumten von einer Entwicklung wie bei Manchester Citys. Inzwischen singt niemand mehr, statt teurer Stars kamen Trainer und Sportdirektoren gleich im Dutzend. Mehrere Präsidenten warfen nach Auseinandersetzungen mit dem Investor genervt die Brocken hin. Derzeit stehen die „Löwen“ auf einem Abstiegsplatz – und bekamen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten eben erst eine ordentliche Geldstrafe aufgebrummt.

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