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Interview Monika Staab

"Eine große Barriere ist die Religion"

Monika Staab gilt als Pionierin des Frauenfußballs. Mit elf Jahren musste sie mangels Alternativen von Mädchenmannschaften im Frauenteam der SG Rosenhöhe Offenbach mitspielen.


Und sie war auch eine der Ersten, die 1979 ins Ausland wechselten – zu Paris Saint-Germain. Auch nach ihrer aktiven Karriere führte sie ihre Pionierarbeit fort, arbeitete als Fußball-Entwicklungshelferin und bereiste 63 Länder. Vor allem die arabischen, muslimischen Länder haben es ihr angetan. Nach einem kurzen Gastspiel als Frauen-Nationaltrainerin Bahrains hat die 54-jährige ehemalige Frankfurterin jetzt das Amt als Auswahltrainerin der Frauen und Mädchen in Katar übernommen. Im RS-Interview spricht Staab über ihre nicht ganz einfache Arbeit, den Frauenfußball in den muslimischen Ländern und ihre Ziele mit der katarischen Nationalmannschaft.

Monika Staab, wie kommt man auf die Idee, Nationaltrainerin in Katar zu werden?
Seit ich 2009 zum ersten Mal in Katar war, hat der Frauenfußball enorme Fortschritte gemacht, weil er nicht nur stiefmütterlich nebenher laufen gelassen wird. Das war für mich der Anlass, nach meinem kurzen Gastspiel als Nationaltrainerin von Bahrain wieder in diese Region zu kommen. Denn auch wenn die Förderung da ist, ist die Arbeit in Katar für mich eine große Herausforderung und unglaublich spannende Aufgabe.
Monika Staab (* 9. Januar 1959) begann ihre Fußballkarriere in Offenbach bei der SG Rosenhöhe, für die sie 1970 als Elfjährige (!) ihr Debüt bei den Damen gab. Nach den Stationen Kickers Offenbach und NSG Oberst Schiel ging sie 1979 ins Ausland, spielte für Paris Saint-Germain, die Queens Park Rangers und den FC Southampton. 1984 ging es zurück nach Deutschland, wo sich Staab der SG Praunheim (heute 1. FFC Frankfurt) anschloss, 1992 den Trainerposten übernahm und die Mannschaft zu vier Meistertiteln, fünf Pokalsiegen und einem UEFA-Pokal-Sieg führte. 2004 legte sie ihr Traineramt in Frankfurt nieder und fungierte bis 2006 als Präsidentin, ehe sie als Fußballentwicklungshelferin für die FIFA arbeitete.

 
Warum?
Naja, hier bietet sich mir eine ähnliche Situation des Frauenfußballs wie bei uns vor 40 Jahren. Es existieren viele Vorurteile, die es gilt abzubauen. Die Öffentlichkeit muss davon überzeugt werden, dass nicht nur Männer Fußball spielen dürfen. Eine große Barriere stellt da natürlich auch der religiöse Hintergrund dar: Die Frau darf sich der Öffentlichkeit nach Möglichkeit nicht offen zeigen.

Wie ist das Land sportlich organisiert? Wenn Sie als Nationaltrainerin arbeiten, dann heißt das ja, dass ausreichend Frauen in Katar Fußball spielen.
Ich habe jetzt viele Schulen besucht und gesehen, dass unglaublich viele Mädchen Fußball spielen. Aber nur hinter verschlossenen Türen, wie in Sporthallen, die so gut wie jede Schule hier hat. Die Ausstattungen sind hier mehr als ideal und auch die Voraussetzungen, um hier zu arbeiten. Gerade auch die Betreuung des Nationalteams ist sehr gut. Bei jedem Training sind ein Arzt und Physiotherapeuten dabei. Solche Bedingungen findest du nicht einmal in jedem europäischen Land. Sie versuchen hier alles sehr professionell durchzuziehen und haben auch die finanziellen Mitteln dafür.

Eine ihrer ersten Stationen als Fußballentwicklungshelferin hatte Monika Staab in Pakistan.


Aber es gibt doch keine Profi-Fußballerinnen in Katar.
Nein, die gibt es hier nicht. Aber immerhin findet in diesem Jahr schon zum zweiten Mal eine Meisterschaft statt. Sieben Mannschaften spielen in der Liga, mit Hin- und Rückspiel und anschließenden Play-Offs. So etwas gibt es in den ganzen westarabischen Ländern nicht. Sogar in Asien ist so ein organisierter Spielbetrieb nur ganz selten – nicht einmal China kann den aufweisen. Außerdem spielen viele Ausländerinnen, Schwedinnen, Französinnen, Engländerinnen in der Liga mit, was das Niveau deutlich verbessert und wovon der Frauenfußball in Katar nur profitieren kann. Für ein islamisches Land sind die hier sehr fortschrittlich.
 
Auf welchem Leistungsstand sind die Fußballerinnen?
Man muss bedenken, dass Frauen erst seit drei Jahren Fußball spielen dürfen. Im letzten Jahr haben die Katarer gegen Afghanistan, Malediven und Kuwait ihre ersten Länderspiele gemacht. Zwar haben - wie in den Anfängen in Deutschland - auch hier die Mädels vorher irgendwo gekickt, aber sie haben keine Förderung erhalten und fangen eigentlich fast bei null an. Einige haben zwar durchaus Ballgefühl und auch eine gute Koordination. Aber wenn ihr Talent erst mit 15,16,17 Jahren gefördert wird, dann ist der Entwicklungsstand schon zu weit fortgeschritten, als wenn sie mit fünf Jahren anfangen. Das Problem ist, dass viele Eltern ihren Mädchen nicht erlauben Fußball zu spielen.
 

2007 arbeitete Monika Staab zum ersten Mal als Nationaltrainerin. Ihre Station: Bahrain.


Warum nicht? Es ist doch offiziell erlaubt.
Viele Eltern sind mit einer Menge Vorurteilen behaftet. Für sie steht fest, dass die Tochter heiraten muss, sodass sie schon in jungen Jahren vergeben wird. Viele glauben, dass Mädchen keinen Mann bekommen, oder keine Kinder, wenn sie Fußball spielen. Früher durften wir ja auch nicht spielen, weil es angeblich gesundheitsschädlich ist. Wenn die Tochter Fußball spielt, ist sie eine Außenseiterin und es wird schlecht über die Familie geredet. Und die Familie ist hier alles. Eltern und Großeltern haben einen unglaublichen Stellenwert. Auch noch mit 40 müssen Kinder die Eltern um Erlaubnis fragen, wenn sie zum Beispiel ins Ausland wollen. Und die Entscheidung der Eltern wird akzeptiert. Hier gibt niemand Widerworte, die wissen, sie haben zu gehorchen und sich unterzuordnen. Freitag ist der „heilige Sonntag“, da kannst du nicht trainieren, der gehört der Familie. Es herrscht eine andere Welt und die muss im Einklang mit der Entwicklung und mit der Nationalmannschaft – mit Training, Vorbereitung und Meisterschaft – stehen.

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