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Zwischen den Polen
Dritte Halbzeit am Flughafen in Donezk

Bissig, kampfbetont, action- und abwechslungsreich, ja, so war sie. Die dritte Halbzeit am Internationalen Sergej Prokofjew Flughafen in Donezk.

So leid es mir auch tut, das Schönste an Donezk ist das Wetter. Zwar kein "Endless", aber dafür endlich Sommer. Viel Sonne und viel nackte Haut, aber ansonsten wenig zu sehen. Echte Sehenswürdigkeiten? Man könnte mit Recht behaupten, die Donbass Arena sei das schönste Gebäude der Stadt. Moderner (Fußball-)Tempel, Mekka für alle (Fußball-)Fans.

Mein Polnisch, anders als in Lwiw, öffnet mir keine Türen, geschweige denn Herzen. Gar schlimmer noch, selbst mein Polnisch-Ukrainisch-Fußballwörterbuch ist für die Katz. Meine fleißig geübten ukrainischen Gespräche werden im feinsten und irgendwie kühlen Russisch abgelehnt. Die Europameisterschaft in Polen, der Ukraine und in Russland?

Leere orangene Sitze in der Donbass Arena

Bin ich inzwischen zu verwöhnt? Ich gebe ehrlich zu, nach Warschau, Danzig und Lwiw bin ich von Donezk ziemlich enttäuscht. Zu fotografieren gibt es kaum etwas, höchstens die bereits erwähnte nackte Haut in Stöckelschuhen und das Premium-Stadion. Wo sind denn die ganzen Fans geblieben? -frage ich mich schon während der (kurzen) Stadtbesichtigung. Selbst die Donbass Arena füllt sich nur langsam. Ich wette, die UEFA hätte sich (wie ich) lieber die Niederlande in diesem Halbfinale gewünscht. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen leeren orangenen Sitze der Arena, die so sicher nicht aufgefallen wären. Dass die Donbass Arena „Oranje“ trägt, ist angesichts der politischen Verhältnisse in der Ostukraine eine bittere Ironie.

Keine drei Minuten sind gespielt, da hallt bereits ein lautes und leidenschaftliches „Rossija, Rossija!!!“ durchs Stadion. Bitte was? Mehrfach an diesem Tage stelle ich mir die Frage, ob ich tatsächlich noch in der Ukraine oder vielleicht doch schon in Russland wäre. Vor mir ein russisches Matrosenpaar, wie aus dem „Panzerkreuzer Potemkin“ geschnitzt. Daneben wehende Fahnen der Russischen Föderation und viele als Spanier oder Portugiesen verkappte Russen. Sie richtig zuzuordnen fällt richtig schwer. Ist Real Madrids Trikot von Ronaldo ein Zeichen der Sympathie für Spanien oder für Portugal? Und einer von vielen Messis aus der stolzen katalonischen Mannschaft von Barcelona? Spanien? Wirklich?

Nur Manolo bricht die peinliche Stille

Die Stimmung wechselt so oft, wie Felix Magath seine Viererketten. Die ambivalenten Fans buhen die in den Schlaf treibende Tiki-Taka-Taktik gnadenlos aus, um dann den entscheidenden Pass in die Tiefe derselben wieder zu bejubeln. Die Spielweise im Halbfinale reißt nicht gerade von den Stühlen, da zeigt man im Stadion die Eigeninitiative. Über fünf volle Runden geht die Laola-Welle, bevor es wieder „Rossija!“ von den Rängen schallt. Zwischendurch aber wieder Leerlauf und eine fast schon peinliche Stille, die lediglich der unermüdliche Manolo zu brechen weiß. Selbst die Schnarch-Laola später im Flugzeug scheint mehr Pep zu haben als Pepe und Co. Als Casillas die Elfer halten und Cesc seinen versenken kann, sind alle plötzlich wieder Spanier. Lediglich die leeren Plätze halten Oranje die Treue.

Auf Seite 2: Dritte Halbzeit am Flughafen

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