
EM-Tagebuch
Der letzte Tag

In meinem letzten Tagebuch-Eintrag erwähnte ich ja bereits meine Begegnung mit den 20 Hooligans aus Kroatien. Sie hatten mir eine unmissverständliche Ansage zu meinem Fotomaterial gemacht. Doch ich lasse mich nicht so leicht einschüchtern.
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Zurecht! Denn am Montag habe ich die Jungs zufällig vor dem Spiel der Kroaten gegen Spanien in der Danziger Altstadt getroffen. Diesmal gelang es mir sogar, die Fan-Fahne der Rijeka-Jungs abzulichten - ohne erkannt zu werden. Das war aber auch nicht schwer, denn die Jungs waren bei gefühlten drei Promille schon gegen 16 Uhr sehr gut dabei.
Besoffener Torrero zerstört Schlagzeug
Gut drauf waren beide Fanlager. Die Spanier veranstalteten eine richtige Fiesta in der Danziger Altstadt. Das gefiel auch den polnischen Fans. Immer wieder stimmten die Spanier den Schlachtruf der weiß-roten Anhängerschaft, "Polska Bialo-Czerwoni", an. Es war nicht zu übersehen, dass die ausgeschiedenen Polen den Iberern nun die Daumen drücken. "Die Spanier sind sensationell. Was die Jungs in Danzig in den bisherigen zwei Wochen veranstaltet haben, ist unglaublich. Das ist so ein feierlustiges Volk, ohne jegliche Skandale. Einfach toll", schwärmte eine Bernstein-Verkäuferin.
Ich habe aber doch einen kleinen Skandal eines spanischen Fans am Montag mitbekommen. Zwei polnische Straßenkünstler spielten Schlagzeug und die Menschen tanzten fröhlich zu dem Rhythmus. Dem Spanier war das nicht gut genug und er steckte dem polnischen Musiker zehn Zlotych (2,50 Euro) in die Tasche und durfte dafür ein wenig auf das Schlagzeug draufhauen - im wahrsten Sinne des Wortes. "Kurwa, piss off you idiot", sagte der Pole dem Spanier. Der Grund: Der besoffene Torrero hatte dem Straßenkünstler gerade das Schlagzeug ruiniert. "Der Schaden liegt bei knapp 200 Zloty", sagte mir der Pole. Der Spanier zog einen 100-Zlotych-Schein raus, hielt das Geld hoch und steckte sich den Schein dann in seinen Schritt und warf dem Geschädigten einen Zloty (25 Cent) hinterher.
Da ich schon um 4 Uhr am Flughafen sein musste und das Stadion knappe zwei Stunden von meiner Pension entfernt war, verfolgte ich das Spiel der Spanier gegen die Kroaten auf meinem Zimmer. Um 6.05 Uhr düste mein Flieger Richtung Dortmund ab. Es war Zeit, nach Hause zu fliegen, denn die EM ohne Polen ist nicht mehr das, was es sein sollte.
Krystian Wozniak
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