DFL: Rundumschlag
Sorgen wegen der Fußball-WM in Südafrika sowie heftige Kritik an der Staatsanwaltschaft Bochum und der Deutschen Polizeigewerkschaft trübten ein DFL-Treffen.
Beim feierlichen Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga forderte Reinhard Rauball die rund 300 Gäste aus Sport und Politik zunächst zu "mehr Gelassenheit" auf, ehe er wegen der stockenden Ermittlungen im Wettskandal und des Terroranschlags auf das Nationalteam Togos beim Afrika-Cup überraschend zum Rundumschlag ausholte.
Reinhard Rauball (Foto: firo).
Auf nationaler Ebene nahm sich Rauball einmal mehr die Staatsanwaltschaft Bochum vor, der er zwischen den Zeilen bei der Aufarbeitung des Wettskandals Sensationsgier vorwarf. "Die Staatsanwaltschaft hat bei Bekanntwerden des Wettskandals in einer medienwirksamen Pressekonferenz von einer Spitze des Eisbergs gesprochen. Wenn ich die derzeitige Bilanz der Ermittlungen sehe, kann die These von der Spitze des Eisbergs aber so nicht stehen bleiben. Ich kann nicht erkennen, dass es bislang irgendwelche Erweiterungen des Skandals gegeben hat", sagte Rauball.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte Ende November den größten Wett- und Manipulationsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs öffentlich gemacht. In Deutschland sollen mindestens 32 Spiele von der 2. Bundesliga bis in den Juniorenbereich manipuliert worden sein. In sechs europäischen Ländern sind Erstligaspiele betroffen, zudem sollen zwölf Partien der Europa League sowie drei Champions-League-Spiele verschoben worden sein. Insgesamt stehen mehr als 200 Spiele in neun Ländern unter Manipulationsverdacht. "Nach unseren Erkenntnissen ist kein Spiel der Bundesliga betroffen, einige wenige Spiele der 2. Bundesliga stehen unter Verdacht. Jedes manipulierte Spiel ist natürlich eins zu viel, aber die Betrüger werden die ganze Härte des Gesetzes und auch der Sportgerichtsbarkeit zu spüren bekommen", sagte Rauball.
Internationaler Wettskandal
Am Freitag ließ die Staatsanwaltschaft Bochum die Bombe platzen: Die Fußball-Welt wird von einem heftigen Wett-Skandal erschüttert. RevierSport.tv war vor Ort.
Zudem attackierte der Ligaverbands-Boss die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG). Die DPolG hatte wegen der Ausschreitungen rund um die Stadien gefordert, dass der Fußball die Einsätze der Polizei bei Fußballspielen mit Millionensummen subventioniert. "Es kann nicht sein, dass die Gewerkschaft dem Fußball einen Freundschaftspreis in Höhe von 50 Millionen Euro anbietet. Das ist Aufgabe des Staates, nicht des Sports", sagte Rauball.
Positive Neuigkeiten hatte zumindest die Bundesliga-Stiftung zu vermelden. Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurden am Montag den ersten sieben Kuratoren Ernennungsurkunden verliehen: Fußball-Idol Günter Netzer, TV-Legende Fritz Pleitgen, adidas-Chef Herbert Hainer, Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann, Reck-Weltmeister Eberhard Gienger sowie die Ehrenmitglieder des Ligaverbandes, Gerhard Mayer-Vorfelder und Wilfried Straub, wurden für ihr Engagement für die Stiftung geehrt.
ged