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Klaus Fichtel wird 65
Den "Kaiser" vor der Nase

Er trat am 21. Mai 1988 im Bundesligaspiel Schalke 04 gegen Werder Bremen mit 43 Jahren, sechs Monaten und zwei Tagen von der großen Fußball-Bühne ab.

Seitdem ist Klaus Fichtel uneingeschränkter Methusalem vor den Torhütern Uli Stein und Toni Schumacher. Doch die „Tanne“ nadelt noch nicht, immer noch nicht. Die Fans huldigten ihrem Idol in seinem Abschiedsspiel aus Verneigung vor seiner Lebensleistung mit einem Transparent „Der Wald stirbt - die Tanne steht“.

Der ehemalige Bergmann, der am 19. November 65 Jahre wird, ist heute noch seinem Fußball verbunden, ist als Scout im Inn- und Ausland unterwegs und kickt noch in der Traditionsmannschaft seiner Schalker. An seinem Ehrentag macht Fichtel mit seiner Frau Gabriele, die er am 7. Juni 1973 heiratete, den Abflug nach Andalusien. „Ich mag keinen Rummel und feiere im kleinen Kreis meinen 65.“, sagt Antialkoholiker Fichtel, der an seinem Ehrentag ausnahmsweise ein Gläschen Sekt trinken wird.

Zur Person

Klaus Fichtel,
geboren am 19. November 1964 in Castrop-Rauxel.
Spielerstationen:
1970-1965 Arminia Ickern
1965-1980 Schalke 04
1980-1984 Werder Bremen
1984-1988 Schalke 04
Einsätze:
552 Bundesliga-Spiele/14 Tore
42 Zweitliga-Spiele/0 Tore
Nationalmannschaft:
1967-1971 23 Einsätze/1 Tor für Deutschland
Erfolge:
Platz 3 bei der WM 1970
Deutscher Pokalsieger 1972 mit Schalke 04
Bundesliga-Platz 2 1969, 1972 und 1977 mit Schalke 04, 1983 mit Werder Bremen

Dazu hat die „Tanne“, wie er wegen seiner Namensähnlichkeit mit der Fichte gerufen wird, allen Grund. Er ist gesund, fit wie ein Turnschuh, wiegt 73 kg, nur drei mehr als in seiner Profizeit und kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Er bestritt 522 Bundesligaspiele, 477 für Schalke, 75 für Bremen, schoss 14 Tore, fabrizierte ein Eigentor, ausgerechnet in seinem ersten Erstligaspiel in Stuttgart (0:1), sah nie eine gelbe Karte, nur eine Rote (Fichtel: „Die war nicht berechtigt“), absolvierte 23 Länderspiele, war WM-Teilnehmer 1970 in Mexiko (dritter Platz) und wurde mit den Königsblauen 1972 DFB-Pokalsieger. Das sind die statistischen Eckdaten einer 23-jährigen Laufbahn, die am 14. August 1965 begonnen hatte, nachdem ihn Trainer Fritz Langner entdeckte und ihn von Arminia Ickern für 1200 Mark Grundgehalt nach Schalke geholt hatte.

„Es war eine wunderschöne Zeit, dem Fußball habe ich sehr viel zu verdanken“, sagt Fichtel rückblickend. Für seinen Mannschaftskameraden Klaus Fischer war der Libero ein ‚„Idol“: „Tanne hat Fußball gelebt, er war ein Profi vom Scheitel bis zur Sohle, auf ihn war immer hundert Prozent Verlass.“

„Fichtel war ein Phänomen, er rannte im Training wie ein junger Gott, er wusste genau, dass sein Körper das größte Kapital ist, dementsprechend lebte er“, charakterisiert Schalkes Ex-Präsident Günter Siebert den unermüdlichen Fichtel und fügt bedauernd hinzu: „Tanne hätte viel mehr Länderspiele bestritten, aber er hatte Franz Beckenbauer vor der Nase. Und der war in Deutschland als Libero die uneingeschränkte Nummer eins.“

Ein schwarzes Kapitel beeinflusste indes die Karriere des Klaus Fichtel: der Bundesliga-Skandal. Der Abwehrchef erinnert sich an die „Dummheit seines Lebens“, unaufgeregt, wie es seine Art ist, aber auch bewegt, als würde er sich immer noch damit beschäftigen: „Drei Tage nach dem Spiel gegen Bielefeld haben wir das Geld bekommen. Vorher war zwar davon gesprochen worden, aber niemand wusste während des Spiels, dass es tatsächlich vereinbart worden war. Wir haben den Spielverlauf nicht manipuliert, aber wir haben später das Geld genommen, weil wir uns nichts dabei gedacht haben. Es war grauenvoll. Als Dieter Burdenski ausgepackt hatte, waren wir alle erledigt“, erklärte Fichtel (mehr dazu im Interview auf der nächsten Seite!).

Es gehört zu der persönlichen Tragik Fichtels, dass er an jenem 17. April 1971 verletzt zur Halbzeit gegen die Arminia (0:1) ausgewechselt werden musste. Zu diesem Zeitpunkt stand es 0:0. Zehn Monate wurden die „Skandalsünder“ gesperrt, und Fichtel konnte sich den Traum von der deutschen Meisterschaft nie erfüllen.

Dass Schalke nach 1958 wieder einmal die Schale holt, „ich möchte es noch erleben“, hofft Fichtel. Er bezeichnet den Meistermacher Felix Magath als „Glücksfall“ und mutmaßt daher: „Wenn Felix früher gekommen wäre, wären wir vielleicht schon ein- oder zweimal Meister.

Klar, dass der Musterprofi auch in seiner Sache auf Magath setzt: „Mein Vertrag als Scout auf Schalke läuft Ende des Jahres aus. Ich weiß nicht, was Felix vor hat, aber ich würde gerne weitermachen.“ Denn „Tanne“ Fichtel nadelt immer noch nicht ...

Auf Seite 2: "Der Titel ältester Spieler ist mir nicht wichtig" - Klaus Fichtel im Interview

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